Politik | 03.09.2011

Die Jugendsession ist eröffnet

Text von Matthias Strasser | Bilder von Marc Deriaz
Etwas verwundert war Simonetta Sommaruga schon: "Normalerweise erhalte ich keinen Applaus, wenn ich hinter dieses Rednerpult trete." Überhaupt war die Atmosphäre im Nationalratssaal am Samstagmorgen wohl ungewohnt, als die Bundesrätin die Ehre hatte, die 20. Jugendsession zu eröffnen.
Ein T-Shirt und Ovationen für die Bundesrätin: Simonetta Sommarugas Eröffnungsrede kam beim Plenum an.
Bild: Marc Deriaz

In ihrer Ansprache gab die SP-Bundesrätin den Teilnehmenden mit auf ihren Weg, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und dass dafür gekämpft werden muss. Dieser Kampf finde mitunter gar nicht so weit von uns weg statt. In Nordafrika und im nahen Osten kämpfen heute Menschen für ihre Freiheit. Für Mitsprache- und Versammlungsfreiheit oder schlicht für die Würde.  Jugendliche riskieren für ihre Ideale ihr Leben. “Stellen sie sich vor, ihre Freundin wird auf der Strasse erschossen, weil sie sich für ihre Rechte einsetzt”. Keine leichte Vorstellung für die Jungpolitiker in der Schweiz.

 

Sommaruga spricht auch die Kehrseiten der teilweise blutigen Unruhen im arabischen Frühling an. So seien in den vergangenen Monaten rund 1’300 Asylsuchende in der Schweiz eingetroffen. Weit mehr sind auf dem Weg übers Meer ertrunken. Und Tunesien habe 500’000 Lybier aufnehmen müssen, die vor dem Bürgerkrieg geflohen sind. Unsere Freude über die Revolten und die damit verbundenen Freiheiten schlage schnell auch in Angst um, wenn wir diese Zahlen hören.

 

Keinen Knopf drücken

In Ägypten und Tunesien habe nach den mehr oder weniger friedlichen Protesten der Aufbau begonnen. Demokratische Strukturen werden geschaffen. Und bereits sind die Protestierenden wieder frustriert: “Es geht ihnen zu wenig schnell.” Aber man könne eben nicht einfach auf einen Knopf drücken und die Demokratie anstellen. Insbesondere nach der Absetzung von Muammar al-Qaddafi in Libyen sei viel Versöhnungsarbeit notwendig.

 

Demokratie ist nicht selbstverständlich. Sie muss gelebt werden, ist mitunter anstrengend, anspruchsvoll und frustrierend. Dies ist der Kern der Botschaft, welche Sommaruga den jungen Teilnehmenden vermitteln wollte. Und als Gewinner einer Abstimmung müsse man einen respektvollen Umgang mit den jeweiligen Verlierern und Minderheiten pflegen.

 

Mit der traditionellen Übergabe des T-Shirts und teilweise stehenden Ovationen wurde die Bundesrätin nach der Fragerunde aus dem Plenum verabschiedet. Die Jugendsession 2011 ist lanciert!