Kultur | 02.08.2011

Queen and Princess of Soul

Mit Erykah Badu und Andreya Triana traten am Blue Balls Festival zwei Vertre-terinnen des guten Souls auf. Noch etwas schüchtern ging es bei Prinzessin Triana zu, bei Königin Erykah drehten alle auf und der Abend fand seinen gelungenen Höhepunkt.
Mag den grossen Auftritt: Erykah Badu in ihrem Element.
Bild: Beat Kienholz Hippiemädchen mit viel Gefühl: Andreya Triana. Daniel Grunder

Während dunkle Wolken am Himmel über Luzern hingen und sich der ein oder ande-re in der Warteschlange vor dem KKL-Haupteingang die Jacke enger um den Körper zurrte, kam drinnen auf der Bühne eine junge Frau auf die Bühne, die den Sommer versprühte. Andreya Triana aus Brighton, die dem vergangenen Herbst mit ihrem Debütalbum «Lost Where I Belong« einen passenden Soundtrack verpasste. Sie trug an diesem Abend einen blumigen Einteiler, irgendwo zwischen Strandkleid und Mor-genmantel; mit aufgekrempelten Ärmeln und einem knallig roten Gürtel. Barfuss be-wegte sie sich über die Bühne, die Zapfenlocken wippten im Takt. Ein süsses Hip-piemädchen, mochte man denken. Aber mit der starken Stimme einer selbstbewuss-ten Frau. Gefühlvoll sang sie, manchmal fast wehmütig, von der Liebe und dem Le-ben. Oft hielt sie die Augen geschlossen, statt ihren sanften braunen Augen blitzten dem Publikum zwei bläulich-schimmernde Lider entgegen. Sie stimmte auf einen souligen Abend ein. Noch etwas schüchtern, dennoch schaffte sie es eine gute Stimmung unter den Zuhörenden zu verbreiten.

 

Der Flötenspieler ein Querschläger

Nachdem die Soulprinzessin die Bühne verlassen hatte, wartete man auf den Auftritt der Königin. Erykah Badu wusste das zu zelebrieren. Mit rotem Poncho, schwarzem Zylinder und mörderisch hohen Stilettos stand sie einfach nur da und liess ihre Er-scheinung beklatschen und bejubeln. Als hätte sie alle Zeit der Welt stolzierte sie auf einem Perkussionsteppich zum Mikrofon und stimmte ein «Drama« an; das auf ihrer 1997 erschienen Platte «Baduizm«. «How you feel it?«, fragte sie das Publikum. Der Kreischchor hielt an. «I’m happy to be here«, sagte sie ihren Fans. Und die waren glücklich, sie nach ihrem Auftritt am Blue Balls Festival 2008 wiederzusehen. Wie schon damals stand in ihrer Nähe ein Laptop auf dem Tisch und zu ihrer linken Seite machte ein Querflötenspieler auf sich aufmerksam. Damals noch mit Hut und Weste, war er heute mit Baggyhosen, weissem Shirt und rotem Beret auf der Bühne und fiel nicht nur durch die ungewöhnliche Kombi aus Streetstyle und Schulmädcheninstru-ment auf. Er konnte auch diesmal wieder prima mit den Hüften schwingen. Die gan-ze Truppe auf der Bühne war in Tanzstimmung, schwang begeistert mit und fiel durch Eigenartigkeiten auf: Der Bassist trug eine Katzenmaske auf der Stirn und Erykah schüttelte ein Ananas ähnliches Instrument vor ihrem Körper.

 

Hautnah, aber nicht nackt

Einige kamen sogar in den Genuss einer Tuchfühlung: Erykah liess sich von den Si-cherheitsmännern von der Bühne heben und schüttelte in ihrem Bad in der Menge die Hände. Von so nah, konnte man ihren riesigen Fingerring in Form einer goldenen Gitarre bewundern. Dieser trägt sie auch im Video zur Single «Window Seat«; einen Clip der heftige Kontroversen in Amerika auslöste. Erykah Badu zieht Jacke, Pullo-ver, Shirt und zuletzt ihre Unterwäsche aus, während sie in Dallas/Texas die Strasse entlang läuft, auf der gleichen wo Kennedy 1963 erschossen wurde. «Das Video war eine Guerilla-Aktion, wir hatten keine Bewilligung und es gab nur eine Möglichkeit – einen Shot«, twitterte Badu nach dem Dreh. Einen Schuss gibt’s auch im Video, zu-letzt wird die Sängerin auf der Strasse erschossen, was die Amys geschmackslos fanden und ihr eine Strafanzeige und Geldbusse einbrachte. Beim Singen dieses Songs liess sie heute die Kleider an. Den Poncho und Rock zwar abgelegt, versprüh-te sie in schwarz-weissen Printleggings und einer bunt bedruckten Tunika pure Le-bensfreude. Und das Publikum war ganz bei ihr. «Ladys scream!«, sie alle schrien. «You feel it?« Und sie alle fühlten es.

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