Kultur | 08.08.2011

Mit dem Fahrrad übers Meer

In Mückes Familie läuft es nicht besonders gut. Ihr Vater ist fast nie da und ihre Mutter ist krank und liegt die ganze Zeit nur abwesend im Bett. Doch zum Glück gibt es da ihre beste Freundin Nora - und Yurik. Doch interessiert sich Yurik überhaupt für Mücke? Antworten liefert der Jugendroman "Mücke im März" von Veronika Rotfuss.
Ausschnitt aus dem Buchcover von "Mücke im März" von der deutschen Autorin Veronika Rotfuss.
Bild: © 2010, Carlsen Verlag

Mückes Mutter hat Alzheimer, mit 47 Jahren. Deshalb ist Mückes Turnhose an jenem Tag, als sie Yurik begegnet, auch nicht gewaschen und sie muss die alte Turnhose anziehen. Weil ihr die lila Turnhose peinlich ist, geht sie aufs Klo und setzt sich dort vorsorglich in Bauchwehstellung hin. So weit, so gut.

 

Doch dann kommt Yurik rein und in Mückes Inneren gibt es einen Erdrutsch und sie bittet Yurik rüber in den Duschraum, drückt ihn an die Wand und küsst ihn auf den Mund. Und tatsächlich interessiert sich Yurik für Mücke. Wenig später schon sind sie ein Paar. Nur läuft es nicht gerade perfekt. Irgendwie scheint Yurik nicht so verliebt in Mücke zu sein, wie sie es in ihn ist.

 

Eine Geschichte wie ein Wellengang

Dieses Buch ist die perfekte Ferienlektüre. Eine Geschichte mitten aus dem Leben gegriffen. Veronika Rotfuss schildert, wie das Leben mit einer Mutter mit Alzheimer ist. Was aber nun genau mit einem passiert, wenn man Alzheimer hat, schildert sie so gut wie gar nicht. Für jemanden, der vielleicht nicht weiss, was Alzheimer ist, wird das bestimmt Fragen aufwerfen. Aber die Krankheit ist ja auch nicht das Hauptthema des Buches. Im Zentrum steht die Liebesgeschichte.

 

Mücke malt im Kunstunterricht einen Comic von einem Mädchen und einem Jungen, die gemeinsam mit dem Fahrrad übers Meer fahren. Auf diesen Comic greift das Buch-Cover zurück. Genau wie die Überschrift auf dem Umschlag, wölbt sich die Überschrift über dem Anfang jedes Kapitels, wie ein Wellenberg. Die Geschichte selbst gleicht dem Wellengang des Meeres. Einmal treibt sie ihre Leser zusammen mit Mücke hoch hinauf auf einen Wellenkamm, um sie im nächsten Moment in ein Wellental fallen zu lassen.

 

Locker flockiger Erstling

“Mücke im März” ist Veronika Rotfuss’ erster Roman. Die Autorin lebt in München und wünscht sich einen Beruf, in dem sie fürs Zeitungslesen bezahlt wird. Diesen Beruf hat sie leider noch nicht gefunden, dafür ist sie Schauspielerin und Autorin und erzählt uns jetzt eine erste wunderbare Geschichte. Und dies in einem stets locker, flockigen Schreibstil.

 

Veronika Rotfuss: Mücke im März. Carlsen Verlag, ca. 200 Seiten, ab 12 Jahren.

Links

  • Diese Buchkritik erschien erstmals bei Leporello, dem Kulturmagazin für Kinder und Jugendliche.