Gesellschaft | 23.08.2011

“Man hat Zeit sich zu hinterfragen”

Christopher Barco hat sich im Frühling zusammen mit einer Expeditionsgruppe auf den Weg zum magnetischen Nordpol gemacht. Ob er ihn erreicht hat und was diese Erfahrung aus ihm gemacht hat, erzählt er rückblickend im Interview.
Das warme Wetter versperrte den Weg zum Nordpol.
Bild: Dmitry Sharomov/Mike Horn.

Euer Expeditionsleiter Mike Horn sucht sich für sein Projekt Pangaea junge Menschen zusammen, um sie für die Umwelt und Sozialprojekte zu sensibilisieren, damit sie seine Ideen weiter tragen. Wie beschreibst du ihn?

Ich bin kein Jünger Mike Horns, aber er ist für mich ein gewisses Vorbild. Explorer zu sein wie er, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich möchte aktiv bleiben im Bereich des Umweltschutzes. Mike Horn hat eine starke Überzeugungskraft, einen guten Umgang und soziale Stärken, die imponieren.

 

Konntest du diese Fähigkeiten von ihm übernehmen?

Wenn man durch die Eiswüste läuft und es rundum still ist, weil die Worte in der Kälte erstarren, dann hat man Zeit sich zu hinterfragen. Wer bin ich, was will ich, wie kann ich etwas verändern? Ähnlich wird es auch auf anderen Expeditionen sein. Man beginnt sich zu hinterfragen, wie sehr man sich beispielsweise über fünf Minuten Verspätung aufregen soll, während die Pole schmelzen. Dann besinnt man sich automatisch auf das Wesentliche und eignet sich solche Eigenschaften an. Mike Horn hat nie gepredigt und uns nicht bemuttert. Er erklärte alles einmal, dann musste es sitzen.

 

Inwiefern hat dich dieser Trip verändert?

Ich weiss zwar, dass man die Welt nicht von Grund auf ändern kann, aber ich möchte etwas für das Bewusstsein der Leute gegenüber der Natur machen. Es wird viel zu viel konsumiert und weggeworfen. Das ist schade, denn die Arktis und die Antarktis sind zehnmal mehr von der Klimaerwärmung betroffen als wir in der Schweiz. Dies wird einem erst bewusst, wenn man kurz vor dem magnetischen Nordpol vor einem Packeismeer steht, welches den Weg zum Ziel unzugänglich macht. Wir mussten umkehren, wir hatten das Ziel nicht erreicht. Das Eis war bereits zu brüchig, weil es zu warm ist.

 

Weisst du besser Bescheid als die Gesellschaft?

Auf keinen Fall bin ich durch die Expedition etwas Besseres geworden. Es gibt bestimmt viele Leute, welche diese Werthaltung durch ganz andere Erlebnisse erlangten, dazu muss man nicht zum Nordpol reisen. Dennoch war es ein spektakuläres Ergebnis und ich habe viel gelernt. Nun freue ich mich auf interessante Gespräche mit Menschen, um meine Erfahrung zu teilen.

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