Gesellschaft | 01.08.2011

Helvetia und der Geburtstagsstress

Am Nationalfeiertag glänzen Herr und Frau Schweizer in einer Tätigkeit, für die sie berühmt sind: sich stressen.
Temporärpatriotismus: die Cervelat.
Bild: pixelio.de / EmmaN

Googelt man den Begriff “1. August”, zeigen sich die Suchergebnisse relativ einseitig. Zum ersten gibt es da Meldungen über verschärfte Feuerwerks-Regulationen. So können Hobbypyrotechniker in der Stadt Thun mit bis zu 5000 Franken gebüsst werden, wenn sie am 1. August über die Stränge hauen. Zum zweiten finden sich im Web Berichte über etwas hilflos anmutende Massnahmen an so genannten Bauernhof-Brunches. Sprich: Es wurde ein allgemeines Wahlkampf-Verbot erteilt. Und als letztes gibt es einen Artikel in der Online-Ausgabe der Berner Zeitung über zwei Stadtberner SVP-Politiker, die mit einer Spende (vierstelliger Betrag – nach Einbezug der Mehrwersteuer) das Berner Feuerwerk in ihren kommenden Wahlkampf einzubeziehen versuchten. Mit der Argumentation, dass die restlichen Parteien nicht spenden würden, de facto nicht an der Schweiz interessiert seien – und eher fraglichem Erfolg.

 

Eine traurige Bilanz, wenn man in Betracht zieht, dass all diese Geschehnisse schliesslich in Namen und Rahmen unseres Nationalfeiertages stattfinden. Könnte man jedenfalls meinen. Betrachtet man es aber von der anderen Seite, lässt sich das Thema schon viel einfacher mit einem Schmunzeln ad acta legen: Ist administrativer Stress nicht irgendwie auch eine Art, die Schweiz zu zelebrieren?

 

Wo sich nun nach und nach der Temporärpatriotismus (Grill- und Racletteartikel sind in der Migros schon Aktion!) auszubreiten beginnt, kann man uns Schweizer bei Tätigkeiten beobachten, für die wir sogar international bekannt sind: Reglementierung. Dem Treffen optimaler Sicherheitsvorkehrungen. Und leider auch dem vollführen seltsamer politischer Aktionen.

 

Helvetia lebt. Und sie präsentiert sich an ihrem ungefähren Geburtstag von ihrer ehrlichen Seite. Offen bleibt nur die Frage, ob es nun der Patriotismus ist, der uns in Sorge versinken lässt in diesem typisch notorischen Perfektionismus. Oder ob wir gar zu wenig patriotisch sind, um die Sorgen einfach sein zu lassen und uns an unserem Nationalfeiertag zu erfreuen. Das “Gejufel” wird für die Meisten vermutlich erst dann, und für manche selbst dann nur für ein paar Augenblicke, ein Ende nehmen, wenn am Montag in eine Bratwurst gebissen und die diversen schweizweiten Feuerwerke bestaunt werden können.

 

In diesem Sinne: Ä Guete!