Kultur | 03.08.2011

Dieser Mythos von Rock’n’Roll kann entzaubert werden

Text von Martin Sigrist
Eben ist das dritte Album der britischen Band Metronomy erschienen. Tink.ch traf deren Sänger Joseph Mount am Melt zu einem kurzen Gespräch über ihr aktuelles Album, das Erwachsenwerden und ihr Rock'n'Roll Leben auf Tour.
Joseph (links auf dem Bild) im Gespräch: "Das neue Album ist nicht intelligenter, aber wohl erwachsener." Fotos: Martin Sigrist

Joseph, wie geht’s dir?

Joseph Mount: Es geht mir gut, wir haben eine unterhaltsame Zeit. Wir fühlen uns sehr willkommen. Es ist schön, auf Festivals zu spielen und dabei erwünscht zu sein.

 

Na, wart ihr mal nicht erwünscht?

Das nicht. Aber dieses Jahr merken wir, dass die Leute aufgeregter sind, uns zu sehen. Wir waren ja immer schon aufgeregt, sie zu sehen. Wir sind viel auf Tour und das kann ermüdend sein. Es hilft, wenn sich die Leute freuen, uns zu sehen.

 

Zahlreiche eurer Konzerte wurden in der Vergangenheit abgesagt.

Es war nicht unser Fehler, wir haben nie eine Show aus Krankheit abgesagt, es muss andere Gründe gegeben haben. Vielleicht war an jenem Abend gerade ein anderes Festival und der Promoter wollte dann, dass wir beispielsweise in England spielen. Wir entschuldigen uns dafür. Wir machen einfach, was man uns sagt.

 

Ihr seid sehr folgsam? Das klingt nicht gerade nach Rock’n’Roll.

Das ist wahr. Dieser Mythos von Rock’n’Roll wird entzaubert, wenn du mal im Backstage-Bereich eines Festivals rumläufst. Du siehst dann Bands, die immer nachfragen, was sie jetzt machen müssen. Unser Tourmanager gab uns das Okay zum essen. Bands können hier nicht essen, bis man es ihnen sagt und ihnen einen Gutschein dafür gibt.

 

Das ist ja mässig aufregend.

Ein bisschen schon. Du siehst Liam Gallagher, der hier heute mit seiner neuen Band Beady Eye spielt, wie er einen Gutschein fürs Essen will. Es ist für alle gleich.

 

Ihr habt dieses Jahr euer drittes Album veröffentlicht. Die Musik scheint zugänglicher geworden zu sein, mal ganz neutral gesagt.

Ja, wie ein Treppenlift. Nein, ernsthaft. Es war nicht so geplant. Anna kam zu unserer Band, wir waren plötzlich mehr und schönere Leute. Das Setup der Band wurde damit traditioneller und die Musik automatisch zugänglicher. Es kommt aber auch auf das Publikum an, ob es will, dass die Musik zugänglich ist. Ich fand das letzte Album bereits sehr zugänglich, aber das war es wohl nicht für alle.

 

Eure Musik wurde jetzt als intelligent bezeichnet.

Die Musik? Die war immer schon intelligent. Aber ich kann mir vorstellen, was damit gemeint ist. Du lässt Dinge weg, die dich stören. Vielleicht ist auch intelligent einfach der falsche Ausdruck dafür, erwachsen trifft es besser. Du kümmerst dich weniger um Dinge, die dich früher sehr beschäftigt haben. Es entsteht dann die Illusion von Intelligenz, einfach weil du dich um gewisse Dinge nicht mehr kümmerst. Ich finde alle drei Alben von uns gut, keines ist peinlich oder dumm, das neue ist nicht intelligenter, aber wohl erwachsener.

 

Was ist die grösste musikalische Veränderung zum letzten Album?

Das neue Album wurde besser aufgenommen, es klingt schöner und ist damit einfacher zu hören. Es klingt gut auf einer Stereoanlage, das ist etwa alles. Wenn wir die alten Songs jetzt live spielen, klingen sie ähnlich wie die alten. Leute, die uns jetzt hören und früher nie gehört haben, denken sich wohl, wie  das mal nicht zugänglich gewesen sein kann. Das zur Frage nach der Zugänglichkeit.

 

Es ist ein guter Anfang, eine Band zuerst live und nicht durch deren Album zu entdecken.

Ich würde dagegen sprechen. Es kommt auf die Band an. Es gibt schon gute Live-Bands, ich hatte einfach kaum die Erfahrung gemacht, dass eine Band live besser war. Ausser vielleicht Janelle Monae, mit der wir in Russland gespielt haben. Ihre Live-Show war so aufregend, dass ich sie mir jetzt immer live vorstelle, wenn ich ihr Album höre. Allgemein finde ich aber, dass man das Album vor dem Konzert schon sehr gut kennen muss. Aber es kann natürlich live dann trotzdem eine Enttäuschung sein.

 

Ein Zitat habe ich von dir aufgeschnappt: Du schämst dich nicht mehr dafür, was du tust.

Da war wohl eher gemeint, dass wir einfach besser mit unserem Geschmack klar kommen. Ich habe mich nie für meine Musik geschämt, aber wenn mich jemand fragt, kann ich jetzt ehrlicher antworten. Ich habe jetzt Vertrauen in das, was ich mag und was nicht. Ich muss mich für meinen Geschmack nicht entschuldigen.

Links