Sport | 24.08.2011

Auf der schönen orangen Aare

Letztes Jahr hat es nicht ganz gereicht für den Weltrekord im gemeinsamen Böötlen. Aber ein Team aus jungen Leuten liess nicht locker und versuchte es dieses Jahr nochmals mit einem Gummibootrennen auf der Aare. Der amtierende Rekord von 1086 Personen bzw. 543 Zweier-Gummibooten wurde letzten Samstag geknackt. Tink.ch fuhr die circa 30 Kilometer lange Strecke von Kiesen bei Thun bis zur Eichholz-Wiese in Bern mit.
Diese Boote schafften es weiter als andere, die bereits nach wenigen Minuten angeschlagen am Ufer strandeten.
Bild: zvg 1214 Personen auf 598 Booten - das ist neuer Weltrekord!

Wer am späteren Samstagnachmittag zwischen Thun und Bern auf die Aare blickte, sah für einmal nicht nur Köpfe Badender aus dem Wasser schauen, sondern viele orange Gummiboote. Aber es war kein Werbegag, keine Wahlkampfpropaganda und auch kein Souvenir an die holländisch geprägte EM in Bern, sondern ein Weltrekordversuch!

 

Samuel Mäder von “Gonnado” (siehe Kasten) ist hauptverantwortlich für den Anlass. Er erklärt, wie es dazu kam: “Die Grundidee der Onlineplattform ‘Gonnado’ ist, dass sich Menschen treffen und gemeinsam etwas erleben. Wir stellten uns also die Frage, mit welchem Grund sich im Sommer viele Leute treffen sollten und kamen zum Schluss, dass eine gemeinsame Boottour ein lustiges Happening werden könnte.” 30 Franken kostete das Mitmachen pro Person und beinhaltete ein bereits aufgeblasenes Gummiboot inklusive Paddel, zwei Drinks, eine Bratwurst und am Abend einen Eintritt in einen Berner Club, um den hoffentlich geknackten Weltrekord feiern zu können. Jedes Boot erhielt zudem einen Zettel mit der Startnummer und Essensgutscheinen.

 

1200 Tickets wurden online verkauft, viele Teilnehmer kamen aber auch mit dem eigenen Boot, was keine Anmeldung im voraus benötigte. Etwa 150 Personen seien mit ihrem eigenen Boot mitgefahren, schätzt Mäder. Doch obschon das Wetter besser nicht sein könnte und die Wassertemperatur um die 20 °C beträgt, hätte es knapp werden können. Denn um die Rekord haltende japanische Stadt Morioka zu übertreffen, mussten 1087 Personen, oder mehr als 543 Boote gleichzeitig auf dem Wasser sein. Start war um 14 Uhr in Kiesen, einer Gemeinde bei Thun.

 

Den Fluss hinab…

Passen denn da überhaupt zwei Leute rein? Mit “da” gemeint ist in das orange Gummiboot mit Logo des Hauptsponsors, welches wir erhalten. Die Frage kommt auf, als das Gefährt vor uns liegt und ist durchaus berechtigt. Es sieht nicht nur klein aus, es ist auch klein. “Das kann ja heiter werden”, meint eine Frau, während wir den Zweier an ihr vorbeitragen. Die Boote werden nummeriert, denn im Eichholz wird notiert, welche ankommen, um dann auszählen zu können, ob es für den Weltrekord gereicht hat oder nicht, wie Organisator Mäder erklärt.

 

Als das Startsignal ertönt, wird eingewassert, am besten alle gleichzeitig, um nicht mit einer zu grossen Zeitspanne in Bern anzukommen. Auf der Aare in Kiesen dominiert ab sofort die Farbe Orange. Die Stimmung unter den Böötlern locker, doch bereits nach einigen Minuten Fahrt sieht man am Ufer die ersten angeschlagenen oder gar ganz kaputten Boote. «Hoffen wir mal, dass unsers hält«, meint meine Mitfahrerin, während sie mit ihrem T-Shirt das bereits ins Boot gelaufene Wasser wieder in die Aare schöpft.

 

Nachdem sich die Boote etwas verteilt haben, verläuft die Wasserfahrt bis ins Eichholz gemütlich: Wir werden von zahlreichen grossen und kleinen Piraten überholt, beneiden ein Floss mit einem richtigen Sofa obendrauf, winken den Schaulustigen oben auf den Brücken, essen eine echte Wassermelone und geniessen die angenehme Wassertemperatur an diesem heissen Sommertag.

 

Langes Anstehen für die Bratwurst

Beinahe wäre wir am Ziel, der Berner Eichholz-Wiese vorbeigeschifft. An Land stieg die Vorfreude auf die versprochene Bratwurst. Doch wir waren nicht die einzigen, die nicht auf Anhieb verstanden, was wir wie und wo erhielten. “Ich kam durch einen Kollegen, der mitorganisiert hat, an diesen Anlass. Ich hatte keine Erwartungen, doch das lange Anstehen, beispielsweise für die Bratwurst, finde ich uncool”, meint Simon aus Bern. “Doch es war lustig und ich kann ein positives Feedback geben.”

 

“Organisiert war der Anlass ehrlich gesagt nicht gut”, meint eine Teilnehmerin namens Jacqueline. Sie untertreibt ein wenig. “Das System mit diesen nummerierten Zetteln, die wir überall vorweisen mussten, war nicht ganz klar und sorgte eher für ein Chaos”, meint die Bernerin. Mit der Kritik an der Organisation des Anlasses bleibt sie nicht die Einzige: Die Boote etwa seien viel zu klein und die Musik sei zu leise gewesen, Gepäckstücke seien verschwunden und bei einem Grill für 1000 Bratwürste ginge es in 30 Minuten nur einen halben Meter vorwärts, so die von Teilnehmern genannten negativen Punkte.

 

Weltrekord!

“Was ich vor allem nicht verstehe ist, dass wir Startgeld bezahlen mussten”, meint Fabian aus Bern. Das liege an den wenigen Sponsoren, sagt Samuel Mäder. “Ok.-” vom Kiosk bezahlte die Gummiboote und sponserte die Drinks. Alles Weitere wurde von den Teilnahmegebühren bezahlt. “Zudem waren wir viel zu wenig Leute im Hintergrund – die Organisation war sehr stressig”, so Mäder weiter, der kurz zuvor noch den Transport des als verschollen gegoltenen Gepäckstückes von Kiesen nach Bern organisierte. Bewilligungen für die Bootsfahrt mussten weder in Thun noch in Bern eingeholt werden.

 

Rückblickend hat sich die investierte Zeit aber in sportlicher Hinsicht gelohnt, denn 1214 Teilnehmer auf 598 Booten: das ist neuer Weltrekord!

 

Konkrete Pläne für nächstes Jahr gibt laut den Organisatoren noch nicht, jedoch kam die Idee auf, die Boot-Aktion auf mehreren Schweizer Flüssen gleichzeitig zu lancieren. “Man könnte unterwegs auch Zwischenstopps einrichten, wo man sein Gummiboot wieder aufpumpen lassen kann. Eine Bar wäre auch denkbar”, meint Teilnehmer Fabian als Verbesserungsvorschlag.

 

Bevor wir das Eichholz mit Gummiboot, Paddel und dem “Weltrekord-ok.-Energydrink” wieder verlassen, suchen wir noch das auf dem Zettel versprochene “Gebäck”. Wir finden keine Spur von Backwaren und fragen andere Teilnehmer. Jemand mutmasst: “Damit wird wohl das ‘Gepäck’ gemeint sein…”.

 

 


“Gonnado”, die Kurzform von “going to do”, ist eine Onlineplattform für Freizeitaktivitäten. Menschen mit vielseitigen Freizeitideen können sich dort austauschen, gegenseitig inspirieren, verabreden oder einfach informieren. Die Online-Community dient auch als Kommunikationskanal für Freizeitanbieter. Mehr Informationen unter: www.gonnado.ch.