Kultur | 03.08.2011

“All the world’s a stage”

Wie vorfreudig angekündet war Tink.ch auch dieses Jahr für euch am Melt-Festival in Ferropolis, Gräfenhainichen. Für Ohr und Aug' war das Melt 2011 ein exquisiter Schmaus. Und auch für das Gewissen wurde etwas getan! Ein Fazit von Tink.ch.
Für buntes Treiben sorgte das Publikum.
Bild: Nicolas Ritter Schliesslich gilt: "All the world's a stage". Caroline Pippel Das Farbkonzept des Melt 2011 lautete Blau-Pink. Tobias Vollmer

Das Line-Up versprach hochkarätige Acts. Planmässig haben alle engagierten Bands und DJs artig zum Tanz gespielt. Nur Plan B hat leider kurzfristig abgesagt, als Plan C wurde die Band «Frittenbude« akquiriert. Das absolute Highlight am Freitag war Boys Noize, welche das Partyvolk zwischen vier und sechs Uhr morgens gekonnt zum Kochen brachte.  Weniger überzeugend war dagegen Paul Kalkbrenner, der sein Set auf der Hauptbühne wenig spektakulär startete. Am Samstag das Heimspiel von Digitalism, die mit “Blitz” eine ohrwurmtaugliche Hymne zum Melt 2011 beisteuerten. Das Publikum blieb bei Laune, obwohl Jens Moelle mangels Gesangsunterricht zum Fremdschämen anregte. Am Sonntag regnete es nur einmal, so dass die Konzerte im Intro-Zelt und bei der Gemini Stage am besten frequentiert waren. Bag Raiders und Architecture in Helsinki vermochten den Regen einen Gig lang vergessen lassen. Und pünktlich zum Pulp-Konzert hatte es doch noch ausgeregnet, was dem diesjährigen Melt einen sanften, leicht melancholischen Abschluss bescherte.

 

Augenweide

Keine extravaganten Bühnenbilder à  la Fever Ray, keine Filmshows à  la Chris Cunningham, keine extravaganten Kostüme und Theater à  la Bonaparte und kein Strip à  la Patrick Wolf (dieser hat sich beim diesjährigen Auftritt ernüchternd erwachsen präsentiert). Dieses Jahr boten die Stars auf den Bühnen kaum Shows. Masken waren bei Monarchy, Sbtrkt und K.I.Z. angesagt, Bodi Bill hatten Fake-Gefieder- oder Fellkostüme übergestreift und bei Les Savy Fav wurde die Rolle des Stammeshäuptlings übernommen. Stecken dahinter von den Organisatoren festgelegte Showstandards oder fehlt den Musikern die Fantasie? Wenn auch die Show auf der Bühne in diesem Jahr mager ausfiel, so konnte man sich einmal mehr auf die Kreativität der Festivalbesucherinnen und -besucher verlassen. Es war ein buntes Treiben rund um die verschiedenen Bühnen und auf dem Zeltplatz. Eine Einladung zum Ergötzen. Shakespeares’ “All the world’s a stage” beschreibt das Gesehene wohl am treffendsten.

 

Melt goes grün!

Das Farbkonzept vom diesjährigen Melt war blau-pink. Nicht, dass ihr denkt, dass die Festivalbesucher mit rosa Brille dauerblau unterwegs waren. Nein, überall auf dem Festivalgelände dominierten Lichtshows in blau und pink und jeder Festivalbesucher war mit einem blau-pinkigem Bändchen gekennzeichnet. Und dennoch standen die Neuerungen der 14. Festivalausgabe ganz unter dem Motto “M!Eco”. Das Melt-Festival ist auf den Zug der Nachhaltigkeit aufgesprungen und setzt nun auf erneuerbare Energie. Und auch mit anderen Mitteln wird für eine gute Ökobilanz der Festivalbesucher gesorgt: Neben verschiedenen Angeboten mit ÖV anzureisen wurde eine mehrtägige Fahrradtour von Hamburg ans Melt lanciert. Das Zweirad stand auch im Zentrum von «The electric Hotel«, einem Stand, bei dem die leeren Handyakkus durch kräftiges In-die-Pedalen-treten aufgeladen werden konnten. Und schliesslich gingen Bio-Pommes über den Tresen. – Auf die Nachhaltigkeit des Melt-Festivals und seine ungebremste Fortsetzung!