Gesellschaft | 05.07.2011

Workcamp in Finnland

Text von Ursula Hug | Bilder von SCI
In der Schweiz haben im Jahr 2009 rund 400 MNA (mineurs non accompagnés - Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern oder gesetzliche Vertreter einreisen) ein Asylgesuch gestellt. MNA gibt es aber auch in anderen Länder wie in Finnland. Ursula Hug hat als SCI-Freiwillige an einem Einsatz im finnischen Harjulinna Reception Center teilgenommen und während zwei Wochen Aktivitäten mit und für diese Jugendlichen organisiert.
Das Freiwilligenteam des SCI wartet auf seinen Einsatz. Siuntio liegt 60 Kilometer von Helsinki entfernt.
Bild: SCI

Siuntio ist rund 60 Kilometer von Helsinki entfernt, das Harjulinna Reception Center für unbegleitete minderjährige Asylsuchende steht sehr abgelegen inmitten wunderbarer Natur in einer Waldlichtung. Das Zentrum beherbergt ungefähr 40 minderjährige Asylsuchende aus Afghanistan, Irak, Somalia, Ruanda, Nigeria und anderen Ländern. Die jüngste unbegleitete Bewohnerin ist zwölf Jahre alt.

 

Ein internationales Workcamp im Durchgangszentrum

In meinem Workcamp hatte sich eine Gruppe internationaler Freiwilliger aus der Schweiz, Frankreich, Honduras, Iran, Italien, Japan, Russland, Tunesien und Finnland zusammengefunden, um mit den minderjährigen Asylsuchenden Aktivitäten durchzuführen. Diese Aufgabe war eine Herausforderung, die wir aber dank der guten Organisation und den erfahrenen Campkoordinatorinnen gemeistert haben. Die Campkoordinatorin Maria ist schon 64 Jahre alt und hat viel Workcamperfahrung und ihr Organisationstalent mitgebracht. Sie wurde unterstützt von Emmi, einer jungen Studentin, die Energie und spontane Ideen lieferte. Die beiden ergänzten sich perfekt. Auch die anderen Freiwilligen waren altersmässig sehr durchmischt zwischen 19 und 56 Jahren alt. Für die Arbeit mit den jugendlichen Asylsuchenden, die aus Kulturen kommen, in denen das Alter sehr respektiert wird, war dies ein grosser Vorteil und wir haben uns trotz des Altersunterschieds blendend verstanden.

 

Teppiche, Fussball und ein „Tag der offenen Tür“

Wir Freiwilligen haben mit den Leuten vom Zentrum ein Programm mit verschiedenen Aktivitäten zusammengestellt. Dazu gehörte auch eine Einführung in die finnische Tradition des Teppichwaschens. Wir fuhren samt Teppichen aus dem Zentrum mit dem Bus an eine Waschstelle, die speziell für diese Tradition da ist, und los ging es mit dem Waschen, natürlich blieben dabei nicht ganz alle trocken.

 

Die meisten jugendlichen Asylsuchenden waren total fussballbegeistert, vor allem natürlich die Jungs. Das Zentrum hat sehr viel Umschwung, wo die Jugendlichen Fussball spielen können und im Camp haben wir gemeinsam Tore für das Fussballfeld gebaut.

Ausserdem haben wir während der zwei Wochen Regale für den Stauraum des Zentrums installiert, die Umgebung gesäubert, sind ans Meer gefahren um zu baden und Mais zu grillieren.

 

Wir halfen auch bei der Vorbereitung für den „Tag der offenen Tür“ mit und haben die Gelegenheit genutzt, unsere Länder mit „typischen“ Spezialitäten vorzustellen. (So gab es einen Stand mit Schweizer Schokolade, einen Stand mit Datteln für Tunesien oder Bildpräsentation für Frankreich.) Ziel des Tages war es, die Vorurteile gegenüber Asylsuchenden abzubauen und Kontakte zur lokalen Bevölkerung zu schaffen. Leider sind nicht viele Besucher am Tag der offenen Tür erschienen, aber die lokale Presse war anwesend und hat über die Aktivitäten im Zentrum berichtet. Das Workcamp Siuntio war für mich ein sehr schönes Erlebnis und auch eine positive und bereichernde Erfahrung für das Reception Center und die Jugendlichen.

 


 

 

Service Civil International (SCI) vermittelt weltweit Freiwilligeneinsätze zur Friedensförderung. Mehr Informationen gibt es hier.