Gesellschaft | 26.07.2011

“Wir wollen sensibilisieren, gerade in der Wasserhochburg Schweiz”

Text von Eva Hirschi | Bilder von Eva Hirschi
Wer hat sie an den Openairfestivals noch nicht gesehen, die fleissigen Becherjäger, die mit Tonne und Fähnchen ausgerüstet die leeren Depotbecher sammeln. Der Geschäftsleiter der Organisation "Viva con Agua Schweiz", Gregor Anderhub (25), erzählte Tink.ch im Interview mehr über das Netzwerk, welches sich als "All-Profit-Organisation" versteht.
Mit einer Wanderung an die Fussball EM nach Basel begann alles: Gregor Anderhub, Geschäftsführer von "Viva con Aqua Schweiz".
Bild: Eva Hirschi

“Viva con Agua” wurde ursprünglich in Deutschland gegründet. Warum habt ihr dieses Projekt vor zwei Jahren in die Schweiz gebracht?

Viva con Agua wurde im Hamburger Stadtteil St. Pauli gegründet. Ich wohnte für einige Zeit in Hamburg und war von dieser Idee fasziniert. Ausserdem fand damals eine Spendenwanderung quer durch Deutschland in die Schweiz statt. Das Ziel: pünktlich zum EM-Eröffnungsspiel in Basel erscheinen und dabei Geld für ein Trinkwasserprojekt sammeln. 1’050 km zu Fuss für sauberes Trinkwasser in Nicaragua. Danielle Bürgin, die Musikchefin von Radio Basilisk, wurde auf diese Aktion aufmerksam und hat die Gründer ins Studio eingeladen. Zusammen gründeten wir 2009 Viva con Agua Schweiz. Heute gibt es Viva con Agua ausserdem in Spanien, vielleicht auch bald in England oder Österreich. Wir sind uns am vernetzen.

 

Klimaschutz ist zurzeit voll im Trend. Was unterscheidet Viva con Agua von anderen Umweltschutzorganisationen?

Wir sind keine starre Organisation sondern ein offenes Netzwerk: Jede und jeder soll sich im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Interessen engagieren können. Wir wollen nicht aus schlechtem Gewissen agieren und sagen: “Die Welt ist böse, schlecht und ungerecht”. Wir sind nicht anti, sondern pro. Wir sind keine “Non Profit”-Organisation, sondern eine “All-Profit”-Organisation – alle, die sich bei Viva con Agua engagieren, sollen Spass dabei haben. Wir machen verrückte, kreative Aktionen und wollen damit Leute für das Projekt begeistern und viele Spenden generieren.

 

Spenden sammeln kann man heute bequemer übers Internet.

Natürlich freuen wir uns darüber, wenn uns Leute klassisch eine Spende überweisen. Aber uns geht es auch um das Aktivieren und Sensibilisieren der Leute. Gerade hier, in der Wasserhochburg Schweiz. Es gibt zudem weitere Projekte zum Mitmachen, wie etwa ein Tramprennen, Spendenläufe oder Benefizkonzerte.

 

Wie wird nun eigentlich mein am Gurtenfestival gespendeter Becher zu Trinkwasser in Afrika?

Du gibst uns deinen leeren Trinkbecher – oder am besten mehrere – wir sammeln und sortieren sie, bringen sie an den Festivalstand zurück, erhalten das Depot-Geld dafür, und dieser Erlös fliesst dann in konkrete Trinkwasserprojekte. Diesen Sommer unterstützen wir ein Projekt im Norden von Mozambique, wo neue Brunnen gebaut werden sollen. Damit wird für 7’500 Menschen dauerhafter Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht. Uns war es ausserdem von Anfang an wichtig, mit einer erfahrenen Partnerorganisation zusammen zu arbeiten, die die Projekte im Entwicklungsland vor Ort durchführt und mit lokalen Partnern umsetzt. In der Schweiz ist es die Entwicklungsorganisation Helvetas.

 

Wie viel Geld landet denn tatsächlich in Afrika?

Wir arbeiten ehrenamtlich, es steckt sehr viel Herzblut dahinter. Zur Entwicklung einer Organisationsstruktur in der Gründungsphase sind es 20 Prozent, die wir für unsere Struktur verwenden, also für Standmaterial, Flyer, Benzin etc. Die restlichen 80 Prozent fliessen eins zu eins in die Trinkwasserprojekte. Was auch bedeutet, dass unsere Partnerorganisationen ihre administrativen Kosten selbst decken. Ein paar Zahlen: dieses Jahr haben wir am Greenfield Festival 9’000 Franken gesammelt, am Gurtenfestival sogar über 19’000 Franken – ein neuer Rekord für Viva con Agua Schweiz.

 

Zur Person


Gregor Anderhub (25) kommt ursprünglich aus Luzern. Für längere Zeit lebte er in Hamburg, wo er auch mit dem Projekt Viva con Agua St. Pauli in Berührung kam. Als er vor drei Jahren zurück in die Schweiz zog, baute er zusammen mit Danielle Bürgin, Musikchefin von Radio Basilisk, und anderen jungen Leuten Viva con Agua Schweiz auf.

Links

  • Werde Becherjäger bei Festivals, animiere Familie und Freunde oder organisiere dein eigenes Projekt. Mehr Infos auf der Webseite von Viva con Aqua Schweiz.