Gesellschaft | 05.07.2011

Wenn eine Wandtafel zum Tisch wird

Text von Diana Berdnik | Bilder von safranblau.ch
Guido Corazza, Präsident der katholischen Kirchgemeinde, spricht von einem Acker, der gesät wurde: Der Gemeinschaftsraum des Jugendprojekts Safranblau ist eingeweiht. Entworfen und gestaltet haben ihn Schülerinnen aus St. Gallen. Der Raum bietet einige kreative Überraschungen.
Die Schülerinnen entwarfen den Raum nicht nur, sie halfen auch beim Bau mit. Die drei Gewinnerinnen durften ihre Gestaltungsideen im neuen Gemeinschaftsraum umsetzen.
Bild: safranblau.ch

Unter der Leitung der Gestaltungslehrerin Monika Speck hat die Dekorationsgestalterklasse DEG4 der gewerblichen Berufsschule GBS St. Gallen während einem Jahr den Gemeinschaftsraum von Safranblau – einem gemeinsamen Jugendprojekt der christlichen Kirchen in St. Gallen – eigenständig geplant und gestaltet. Die Dozentin wagte einen grossen Schritt: Sie löste den Unterricht aus dem Klassenzimmer und liess die kreativen Köpfe vor Ort gestalten. Natürlich musste das Vorhaben zuerst gut vorbereitet werden. Es entstanden acht Vorschläge, wie der Gemeinschaftsraum schlussendlich aussehen könnte. Kurt Pauli, Projektleiter von Safranblau, und das Leitungsteam wählten einzelne Elemente aus, die anschliessend von den jungen Erwachsenen zu einem neuen Gesamtprojekt zusammengefasst wurden.

 

Safranblau muss es sein

Nach dieser Planungsphase, in der Vorstellungen immer wieder verworfen und erneuert werden mussten, begann die eigentliche Arbeit. Putzen, sägen, malen – alles wollten die Schülerinnen selber machen. Doch bald stellte sich dieses Unterfangen als zu umfangreich heraus. “Die zeitliche Beschränkung des Unterrichts liess es nicht zu, dass wir alles selber machen konnten”, erklärt Monika Speck bei der Eröffnung. Dies führte zu einer Bauverzögerung und grossen organisatorischen Herausforderungen. “Das Schwierigste war die Koordination zwischen den Handwerkern, den Schülern und dem baulichen Ablauf”, so Pauli. Dafür ist jetzt ein umso schöneres Produkt entstanden. Gleich beim Eingang befindet sich eine Leuchtsäule, an der jeweils aktuelle Projekte der Jugendarbeit ausgehängt werden. “Ein Hingucker sind die safranblau gestrichenen Latten, welche sich durch den ganzen Raum ziehen”, erklärt Larissa Knecht, welche am Projekt mitgearbeitet hat. Zu ihrem Highlight gehört auch die verstellbare Bar, die zum Verweilen einlädt.

 

Weiter erklärt ihre Mitschülerin Lea Komminoth, dass die Rollpodeste Sitzgelegenheit sowie Stauraum bieten. Sie hat auch die Küche ausgewählt, auf der noch viele feine Menüs bereitet werden sollen. In einer Ecke haben sich die Damen eine ganz besondere Beleuchtung ausgedacht. Einzelne Glühbirnen, auf verschiedenen Höhen hängend, bilden ein weiteres künstlerisches Element. Und schlussendlich präsentiert Tabea Schlauri eine weitere innovative Idee: Kurzerhand klappt sie die Wandtafel herunter und erstellt so einen praktischen Tisch.

 

Vorbildfunktion

Kurt Pauli ist begeistert von der Multifunktionalität der einzelnen Elemente und den Ideen, die entstanden sind. “Ein Handwerker meinte sogar, da könne sich der eine oder andere Architekt etwas abschauen!” Der Raum kann in Zukunft kostenlos von Jugendlichen und jusgen Erwachsenen für Gruppentreffen und Sitzungen benutzt werden, sofern keine zusätzlichen Aufwände für Safranblau entstehen. Dank der grosszügigen finanziellen Unterstützung verschiedener Kirchgemeinden und Safranblau entstand ein nachhaltiges Projekt. Die Zusammenarbeit funktionierte sehr gut, da die Lehrerin sowie auch die Schülerinnen immer wieder neue Motivation schöpften und ausserschulische Lernfeld nutzen wollten. Kurt Pauli schwärmt: “Für mich war es schön zu sehen, wie vom chaotischen Start Schritt für Schritt etwas Schönes, Ganzes entstanden ist!”

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