Gesellschaft | 12.07.2011

Stauffacher Besetzung

Text von Jan Müller
Das Haus an der Stauffacherstrasse 33 in Zürich steht wieder leer. Die Bewohner des Hauses zogen aus, nachdem ihnen mit einer Räumung gedroht wurde. Die Stauffi, wie das Haus liebevoll genannt wurde, und dessen Bewohner verabschiedeten sich zuvor jedoch noch. Es wurde ein ganzes Wochenende durch gefeiert. Die beiden Partys vom Freitag und Samstag zeigten, wie erfrischend anders Partys in Zürich über die Bühne gehen können.
Eine Alternative weniger in Zürich. Adieu! Es ist leer geworden an der Stauffacherstrasse 33.

Nachdem zu Beginn der Hausbesetzung einiges darüber berichtet wurde, liess die öffentliche Aufmerksamkeit rund um die Stauffi langsam nach, während die Hausbesetzer selbst richtig aktiv wurden.

 

Die etwas andere Party

Nun musste bereits nach kurzer Zeit wieder Abschied von der Stauffi genommen werden. Mit dem Räumungsbefehl im Hinterkopf wurde noch einmal exzessiv gefeiert. Diese Partys zeigten, wie gut Zürich eine solche Alternative gebrauchen kann. Solche Hausbesetzungen, wie eben an der Stauffacherstrasse 33, bieten zumeist einen sehr angenehmen Gegenwind zur Ausgehsituation in der Stadt, respektive fügen sich in diese Situation vorzüglich ein. Die Stauffi bot keine langen Schlangen beim Eingang, wo der Türsteher entscheidet, wer hinein darf und wer nicht. An der Bar bekam man dafür Getränke von üblich bis zu exotisch mit dem koffeinhaltigen “Club Mate”. Das alles zu angemessenen Preisen. Das Pfandsystem sorgte zuverlässig dafür, dass man nur sehr wenige Flaschen herumstehen sah.

 

Unkompliziert

Mehrere kleine, familiäre, kreativ gestaltete und bunt dekorierte Partyräume boten direkt beim Stauffacher viel Platz, um sich partytechnisch unkompliziert und ungezwungen zu vergnügen. Alles in allem war es ein Ort, an dem man am Samstagabend für fünf Franken den gleichen Stempel wie am Vortag noch einmal auf den Arm gedrückt bekam und gebeten wurde, sich hinzusetzen, um diverse Performances von Besuchern der Party erleben und geniessen zu dürfen. Ein Ort, wo man zu einer Verkleidungs-Party auch ohne Probleme unverkleidet ankommen konnte und sich bei Bedarf dann doch noch mit bereitgestellten Kleidungsstücken in Schale werfen konnte.

 

Ein Ort,…

wo man zusammen Performances mit Gesang, Tänzen, Klavierstücken, ironischen Vorträgen geniessen konnte. All dies auf sich wirken liess und mit Applaus goutierte, auch wenn die Gitarre einmal nicht richtig gestimmt war, oder sich die Teilnehmer der Performance eben erst vor fünf Minuten dazu entschieden hatten, spontan zusammen aufzutreten. Vorgetragen von Gästen aller Couleur und Alter.

 

Um zu feiern, mit Freunden genüsslich ein Bier oder eine Mate trinken zu können, auf den Sofas herumzuliegen oder sich in einem der Partyräume auszulassen. Dies alles ohne feste Regel oder Zwänge. Man setzte sich hin, wo man gerade mochte und tat ziemlich genau das, auf was man gerade Lust hatte, sofern dies niemanden störte. Ansonsten wurde man freundlich aufgefordert, dies doch zu unterlassen.

 

Ein Ort, wo Toleranz nicht nur gross angekündigt wurde, sondern an dem Toleranz wirklich zu finden war und auch gelebt wurde. Mit einem Budget das ansonsten in Zürich für den Eintritt reicht, konnte man gut einen ganzen Abend lang auskommen. Den Organisatoren konnte man mit Solleintrittspreis unter die Arme greifen.

 

Ob man sich nun kannte oder nicht, die Leute halfen sich gerne gegenseitig oder verwickelten sich auf der Strasse, direkt  vor dem Stauffacher sitzend, in ein spannendes Gespräch. Alles funktionierte, obwohl kein grimmiger Türsteher und keine Securitas aufpassten.

 

Es wird etwas fehlen

Einfach schön, wenn man sein kann, wie man gerade möchte. Stauffi, I will miss you. Und ich weiss, dass ich hierbei nicht alleine bin. Hoffentlich gibt es bald einen neuen Ort in Zürich, wo man sich genauso wohl fühlen kann, wie im Haus an der Stauffacherstrasse 33.