Kultur | 05.07.2011

“Ich hätte es cooler gefunden, mit dieser Musik aus London zu kommen”

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist.
Die australische Elektro-Band Cut Copy spielte heuer ihre ersten Konzerte in der Schweiz. Tink.ch traf deren Sänger Dan Whitford und Drummer Mitchell Scott in Basel und sprach mit ihnen über ihr Jubiläum, ihre Heimat und Meditation.
Dan Whitford, Mitchell Scott und Tink.ch-Reporter Martin Sigrist. (von links nach rechts)
Bild: Martin Sigrist.

Ihr seid das erste Mal in eurer zehnjährigen Bandgeschichte in der Schweiz, warum hat’s so lange gedauert?

Dan Whitford: Wir touren schon so lange. Es ist schwierig zu sagen, warum man an gewissen Orten spielt und an anderen nicht. Jetzt können wir endlich alle Orte nachholen, an denen wir nie gespielt haben, wo wir auch nie erwartet haben zu spielen. Glücklicherweise gibt’s uns lange genug, dass wir jetzt so viel touren können.

 

Ihr feiert also gerade euer zehnjähriges Jubiläum.

Dan: Das hat etwas Künstliches und stimmt für das ganze Projekt. Wir waren aber nicht so lange eine Band, eher für vier als zehn Jahre. Am Anfang der zehn Jahre war es einfach ein Name, welcher für mich alleine stand. Damals habe ich das alles kaum ernst genommen. Dann wurde es immer mehr, mehr Leute wollten die Musik hören, so wurde das alles schlussendlich eine Band, das, was nun Cut Copy ist.

 

Ist Cut Copy jetzt, was es sein soll?

Dan: Es scheint sich noch immer zu entwickeln. Es fühlt sich jetzt schon als richtige Band mit einem starken Kern an. Trotzdem wollen wir immer etwas ändern. Neulich haben wir im Sydney Opera House zusammen mit einem kleinen Orchester gespielt. Wir probieren gerne neue Sachen aus.

 

Mitchell Scott: Es verändert sich immer wieder etwas bei uns. Sei es das Line-up mit jedem Album, wie wir den Sound spielen oder was uns inspiriert. Es ist wichtig für uns, dass wir Musik machen, die jedes Mal anders ist. Wir wollen nicht stillstehen. Um das zu erreichen, suchen wir immer wieder neue Wege.

 

Die Medien erkennen seit einiger Zeit in australischem Elektro-Pop den neusten Hype. Bekommt euch das?

Dan: Für uns ist das gut, denn nun sehen viele Leute, was es in Australien alles gibt. Für uns gab es in unserer Heimat immer eine Szene für gute Musik, aber die war wohl nicht so zugänglich für alle. Das Internet und die Aufmerksamkeit bringen die Dinge jetzt vorwärts. Als wir angefangen haben, fand ich es noch beschämend, Australier zu sein und diese Musik zu machen. Ich hätte es viel cooler gefunden, mit dieser Musik aus New York, London oder Paris zu kommen. Aber jetzt ist es faszinierend.

 

Es gibt zahlreiche Bands aus Australien, die diesen Stil minimalistischer elektronischer Popmusik teilen.

Dan: Wir haben das schon lange gemacht, andere Leute wurden vielleicht von uns inspiriert. Wir waren aber bestimmt auch nicht die ersten, und es gibt eine langsame Welle solcher elektronischen Acts in Australien. Besonders Acts, die jetzt Liveshows machen und nicht nur Produzenten sind.

 

Mitchell: Die internationale Wahrnehmung repräsentiert nicht, was bei uns alles passiert. Es gab und gibt mehr als nur diesen Stil in Australien, nicht jede australische Band benutzt Synthesizer. Die anderen Szenen touren vielleicht einfach international nicht so viel.

 

Dan: Es gibt gewisse Musikstile, die die Leute eher packen und damit Aufmerksamkeit in Blogs kriegen. Unsere Musik kommt bei Bloggern gut an und ist wohl die Musik, die sich einfach besser exportiert. Andere Musik hingegen bleibt ausserhalb Australiens unbekannt. Für uns ist es natürlich ein riesiger Glücksfall, dass unsere Musik das Land verlässt und international gehört wird.

 

Dan, du hast eure Musik als spirituell und meditativ bezeichnet.

Dan: Das habe ich gesagt? Ja, dazu stehe ich. Es gibt bei Musik immer einen uneindeutigen Teil, ein Gefühl dass mit der Musik transportiert wird.

 

Mitchell: Wenn Du vielleicht bei einem Lied von uns über etwas nachdenkst und am Schluss davon zu einer Lösung kommst, ist das auch eine Art von Meditation.

 

Weiter hast du das Cover eurer neuen CD, welches Manhattan mit einem Wasserfall zeigt, als Mix zwischen organisch und mechanisch bezeichnet. Eure Musik hat aber etwas sehr Kühles.

Dan: Ich glaube, das ist einfach die Art elektronischer Musik, diese Kühle, denn es sind Maschinen, die die Musik machen. Aber diese Kühle ist nur eine Seite. Es ist interessant, dass das trotzdem mit einem organischen Teil kombiniert werden kann. Wir haben bei diesem Album viel Perkussion benutzt. Das ergibt diesen Kontrast: Die Kühle der elektronischen Sounds, aber eben auch eine menschliche Seite.

 

Ihr habt für das Album eine Unmenge an Schlagzeugen und anderen Instrumenten benutzt.

Dan: Ja, es war gut, dass wir das Album selber gemacht haben. Alles, was wir brauchten, haben wir einfach gekauft oder ausgeliehen. In einem kommerziellen Studio hätten wir benutzt, was da war, und dafür bezahlt. Dann hätten wir davon später aber nichts mehr gehabt.

 

Braucht ihr noch was?

Dan: Alles. Ich sammle Synthesizer, da gibt’s sicher noch Hunderte Sachen, die ich möchte. Wenn ich den Platz hätte würde ich immer weiter kaufen. Aber mein Zuhause ist schon voll.

 

Mitchell: Es ist wohl nicht die Frage, ob wir was brauchen. Mit unserem Zeug könnten wir sicher bereits ein paar Alben machen, die alle anders klingen. Aber wenn wir etwas sehen, dann wollen wir es einfach.

 

Dan: Ich dachte schon darüber nach, alle meine Instrumente zu verkaufen, um mir einen Flügel zu kaufen und dann einfach damit Alben zu machen. Das hätte doch was Stilvolles.

 

Dan, kaufst du immer noch deine eigenen Alben?

Dan: Wir haben diese Tradition, also ich habe sie. Da wir vom Label nie die eigenen Alben bekommen, habe ich angefangen, sie jeweils am Erscheinungstag selbst zu kaufen. Ich kaufe jedoch jeweils nur eine.