Kultur | 18.07.2011

“Es gibt Tage, da höre ich keine Musik”

Text von Eva Hirschi | Bilder von Juliette Ivanez
Bereits zum vierten Mal auf dem Gurten zu Gast, plauderten der E-Bassist Torsten Scholz und der Leadgitarrist Bernd Kurtzke von den Beatsteaks über ihre Message an die Leute, Schweizer Festivals und sie versuchten gar, das Lieblingslied der Reporterin zu erraten.
Bernd Kurtzke (42) und Torsten Scholz (38) im Backstagebereich.
Bild: Juliette Ivanez

Seit Kurzem ist eure Single “Automatic” im Handel erhältlich. Was bedeutet sie euch?

Bernd: Interessant ist, dass wir sie als Vinyl veröffentlicht haben. Wir sind echt stolz drauf, die Platte sieht fantastisch aus.

Torsten: Die Plattenfirma setzt darauf wahrscheinlich mehr wirtschaftliche Hoffnung als wir – wir freuen uns halt, wenn das Ding gut aussieht. Es hat eine tolle B-Seite wo Bernd, Peter, Thomas und Arnim singen. Die Plattenfirma schlägt vor, eine Single zu machen, aber wie sie am Schluss aussieht, bestimmen wir.

 

Ihr gebt auf der ganzen Welt Konzerte. Was ist anders daran, in der Schweiz zu spielen?

Bernd: Ihr habt Lautstärkebegrenzungen.

Torsten: In der Schweiz gibt es dann halt kein ganz lautes Rock’n’Roll-Konzert, was ein bisschen den Gesamteindruck trübt. Wir finden es zudem schwieriger, hier die Leute zum Durchdrehen zu bringen, als zum Beispiel in den alten Ostbundesländern. In der Schweiz muss man sich mehr reinhängen, was aber auch gar nicht so schlimm ist. Hier herrscht schliesslich eine etwas andere Mentalität.

Bernd: Ja, die Uhren ticken hier ein bisschen langsamer…

 

Erst gerade habt ihr am Openair St. Gallen gespielt, am Openair Gampel wart ihr auch schon und am Gurtenfestival seid ihr nun zum vierten Mal. Welches Schweizer Openair gefällt euch am besten?

Bernd: Das Gurtenfestival. Wirklich, es ist auf einem Berg!

Torsten: Das St. Gallen ist ganz okay, Gampel liegt auch schön, aber da hatten wir Pech mit dem Wetter, was nicht sehr gemütlich war. Aber auf dem Gurten ist es echt am schönsten, vor allem des Ambientes wegen.

 

Beatsteaks-Songs sprühen vor Energie. Welche Botschaft wollt ihr mit eurer Musik rüberbringen?

Bernd: Dass man die zwei Stunden, die man vor der Bühne steht und unsere Band anguckt, Spass haben und mal für zwei Stunden den ganzen Scheissdreck vergessen soll, denn man um sich rum hat. Wenn man die Leute zwei Stunden lang auch noch belasten würde mit irgendwelchen Themen, die 22 Stunden am Tag um einen herumschwirren, dann ist das doch schade.

Torsten: Wir haben auch Songs, die man durchaus für sich politisch hinbiegen kann. Zum Beispiel einen Song wie “Hello Joe”, der eine Art Tribut an Joe Strummer ist. Aber wir haben keine gesellschaftskritischen Botschaften, das ist ganz klar. (Anm. d. Red: Das Lied “Hello Joe” entstand kurz nach dem Tod des The Clash-Sängers Joe Strummer, dessen Band grossen musikalischen Einfluss auf Beatsteaks hatte)

 

Welche Musik hört ihr in der Freizeit? Auch mal Beatsteaks?

Bernd: Eher nicht. Es gibt Tage, da kann ich auch mal keine Musik hören, aber sonst eigentlich alles durcheinander, was mir grad gefällt.

Torsten: Ich höre ganz viel elektronische Musik. Auch Underworld, die dieses Jahr auf dem Gurten spielten. Zu Hause muss ich viel Beatsteaks hören weil meine Tochter jeden Morgen die verdammte Platte auflegt, wirklich jeden Morgen: immer im Auto, immer Beatsteaks und immer “Milk and Honey”. Ich finde das total belastend (lacht).

 

Letzte Frage: was denkt ihr, was ist mein Lieblingslied von euch und warum?

Bernd: Ist es “Atomic Love”?

Torsten: “Disconnected”

Bernd: “Sooth me”. Nein? Ach, lass doch die Katze aus dem Sack.

 

Tipp: Es ist auch auf der Live-CD “Kanonen auf Spatzen” zu finden.

Torsten: Ist es “Hey Du”, weil es mit “Liebe Schweiz” beginnt? Oder “Deamons galore”?

Bernd: “I don’t care as long as you sing”

 

Richtig. Und warum?

Bernd: Weils ein riesen Hit ist. So lange du singst, ist mir alles egal – das ist doch schön.