Kultur | 18.07.2011

Der Samstag war wild, der Abschied fiel leicht

Text von Eva Hirschi | Bilder von Eva Hirschi
Während der Samstag bei idealem Festivalwetter und prominenten Künstlern einen nahezu perfekten Festivaltag bescherte, zeugte der verregnete Sonntag von technischen Problemen und Motivationslosigkeit der letzten Headliner.
Regenschirme und Pellerinen prägten das Bild am Sonntag.
Bild: Eva Hirschi

Noch nie war ein Gurtenfestivaltag so früh ausverkauft: über einen Monat vor Beginn gab es für den Samstag schon keine Tickets mehr. Zu Recht, zeugte das Programm doch von abwechslungsreicher Musik auf hohem Niveau. Jamie Cullum, das Piano-Genie aus Grossbritannien, brachte das Publikum schon am Nachmittag in die richtige Stimmung. Während er zum Klavierspielen fast wilder als das Publikum tanzte und auf und ab sprang, so zeugten seine Lieder mit einer Mischung aus Funk, Soul, Pop und Jazz von Feingefühl und Energie.

 

Viel Grossbritannien und etwas Frankreich

Am frühen Abend gaben sich die britischen Kaiser Chiefs auf der Hauptbühne zum zweiten Mal die Ehre. Im Gegensatz zu ihrem Auftritt vor drei Jahren verzichtete Frontmann Ricky auf akrobatische Showeinlagen –das letzte Mal auf dem Gurten hatte er sich dabei den Fuss verdreht. Nichtsdestotrotz tanzte das Publikum. Schade allerdings, dass das Publikum das ganze Konzert lang nur auf den einen grossen Hit zu warten schien und sich erst mit dem Britpop-Kracher “Ruby” zufrieden gab.

 

Als Abwechslung zu den vorwiegend aus Grossbritannien stammenden Bands spielte auf der Zeltbühne der Franzose Christophe Maé. Vor der Bühne wurde man sich spätestens jetzt der westschweizerischen und französischen Festivalgänger bewusst, die jedes Lied mitzusingen wussten. Der charmante Südfranzose Maé geniesst vor allem in Frankreich einen hohen Bekanntheitsgrad, dennoch sprach er auf dem Gurten Deutsch und Englisch – so verstanden ihn alle und tanzten und summten wenigstens mit.

 

Tanzen, springen, kreischen

Um 22 Uhr spielten auf der Hauptbühne die langerwarteten Jamiroquai. Den Leistenbruch liess sich der Sänger Jay Kay nicht anmerken, verzichtete allerdings auf ausschweifende Tanzbewegungen. Die Fans waren vor allem froh, die Band überhaupt zu sehen. Das nächste Highlight am Gurtensamstag liess nicht lange auf sich warten, in der Zeltbühne heizte das Duo The Ting Tings dem Besuchern mächtig ein. Auch wenn die Sängerin Katie White ihrem Bandkollegen Jules De Martino die Show zu stehlen schien, so kam das dem männlichen Publikum gerade recht.

 

Grosses Highlight an diesem Tag war die australische Band Pendulum. Vor zwei Jahren noch auf der Zeltbühne, rissen sie dieses Jahr das – so wie es schien – gesamte Publikum vor der Hauptbühne mit. Alle bewegten sich zum Drum’n’Bass. Einziger Kritikpunkt an diesem Tag: den Besuchern wurde durch ein grandioses Programm fast keine Zeit zum Ausruhen gelassen und so manches Tanzbein hatte wohl am nächsten Morgen einen Muskelkater.

 

Getrübter Abschluss

Auch wenn der Samstag kaum zu toppen gewesen wäre, so befriedigte der letzte Openair-Tag nicht einmal die Mindesterwartungen. Schuld war sicher auch der durch Regen getrübte Morgen und frühe Nachmittag. Nun waren statt Schweissperlen sogar Wölkchen beim Ausatmen zu sehen.  Auch wenn The National und Beady Eye erstaunlich viele Leute, beziehungsweise viele bunte Regenschirme und Pellerinen vor die Hauptbühne lockten. Stimmung oder gar Tanzlust kam weniger auf. Erst gegen den späteren Nachmittag riss der Himmel auf und die Sonne wärmte die fröstelnden Festivalbesucher.

 

Den letzten Hauptakt, die Arctic Monkeys, liessen sich die wenigsten entgehen, vor allem die Fans warteten schon Stunden zuvor vor der Hauptbühne. Sie sollten jedoch enttäuscht werden: statt gegen Jubelgekreische musste die Bands gegen technische Schwierigkeiten ankämpfen. Dies schien den schon von Anfang an nicht sehr motiviert wirkenden Arctic Monkeys den letzten Rest Motivation zu nehmen. Ihre Songs klangen wie von einer Drehorgel heruntergeleiert. Eine gute Seite hatte das missglückte Konzert allerdings doch: den insgesamt 72’000 Besucherinnen und Besuchern fiel der Abschied von den ansonsten vier erfolgreichen Tagen Gurten somit um einiges leichter.