Kultur | 18.07.2011

Der Gurten erwachte gegen Abend

Energiebündel und sexy Sänger: Vergangenes Wochenende war wieder einmal Zeit für das Gurtenfestival. Freitag und Samstag waren ausverkauft und alle 3000 Plätze in der Sleepingzone besetzt. Anscheinend bildete der erfrischende Cocktail aus Sonne, Musik und Natur auch für die 28. Ausgabe des Openairs das richtige Rezept für den Sommer.
Bei Sonnenuntergang am Freitag hatte sich die Stimmung der Festivalgänger gehoben.
Bild: Eva Hirschi Freitagnachmittag vor der Hauptbühne

Auch wenn die Sonne sich am Donnerstag noch nicht richtig blicken lassen wollte, so konnten man sich spätestens ab Freitagmorgen nicht mehr beklagen. Blauer Himmel und sommerliche Temperaturen bewegten die Festivalgänger zum Kleidertausch: Sonnenbrille statt Gummistiefel, Regenjacke statt Strohhut. Auch wenn es zuerst anders aussah, nach einem regnerischen Wochenstart und wenig verheissungsvollen Wettervorhersagen blieb das Gurtenfestival bis am Samstag vom Regen verschont.

 

Unspektakulärer Donnerstag

Am Donnerstagnachmittag eröffnete die Britin Kate Nash die Hauptbühne vor einem noch nicht allzu grossen, aber dennoch aufmerksamen Publikum. Nash fiel allerdings vor allem wegen ihrer bizarren Kleidung auf denn mit stimmungsvoller Musik. So auch Brandon Flowers, früherer Sänger der Band The Killers und nun solo unterwegs. Er präsentierte auf der Hauptbühne sein Album “Flamingo” – mit einem Lächeln auf den Lippen und in sexy Schwarz gekleidet. Flowers Aussehen und Stimme lenkten von seinem monotonen Sommerpop ab.

 

Gegen Ende des Konzerts wurde auch klar, dass Brandon Flowers sich wohl noch nicht von seiner ehemaligen Band gelöst hat, spielte er doch ein Lied von The Killers. Von Sommerpop zu Elektro: Etwas später am Abend wurde das Festival mit den Auftritten von 2ManyDJs und Trentemøller in eine andere Musikrichtung gelenkt. Fast schon in Trance tanzte das Publikum mit. Doch vorher hatten es die Eels mit einem ihrer unberechenbaren, musikalisch vielfältigen Auftritten mit Abstand am meisten überzeugt an diesem sonst eher verhaltenen Donnerstag.

 

Rock’n’Roll Party am Freitag

Während der Freitag schon eine Woche vor Festivalbeginn ausverkauft war, fanden am Donnerstag immerhin schon über 14’000 Besucher ihren Weg auf den Berner Hausberg. Freitagnachmittag ging es dann richtig los. Um 14 Uhr heizte die junge Eliot Sumner und ihre Band I Blame Coco den Zuhörern im Schatten der Zeltbühne ein. Ein nicht gerade einfaches Unternehmen, gab sich das Publikum am Anfang doch recht apathisch, vielleicht weil auch noch in Siesta-Stimmung. Doch dies änderte sich spätestens mit dem Auftritt der schottischen Band Glasvegas. Mit ihrer Energie vermochten sie das Publikum aufzuwecken und zum Tanzen zu bringen.

 

Wahrlich rockig wurde es mit der deutschen Gruppe Beatsteaks: dem Publikum war schnell klar, dass man bei den Beatsteaks nicht ruhig sitzen bleiben kann (wie einst auch die Ärzte in ihrem Lied “Unrockbar” eine Hommage an die Beatsteaks sangen) und der Gurten war, was der Gurten immer sein sollte: eine riesige Party. Von Pogo zu La-Ola-Wellen und einem wagemutigen Sprung von Sänger Arnim in die Menge wurde den Zuschauern eine grosse Show geboten – Rock’n’Roll eben.

 

Eine gute Nachricht

Nach zwei Tagen war das Gurtenfestival noch lange nicht vorbei. Während Plan B ihren Auftritt aus Krankheitsgründen absagen mussten, bestätigten Jamiroquai, die im Vorfeld in Deutschland zwei Konzerte annulliert hatten, ihren Auftritt für Samstagabend – und beruhigten damit viele Fans.