Politik | 04.07.2011

Bern wurde zum grossen Spielplatz

Text von Eva Hirschi | Bilder von zvg
Die Ampeln standen letzten Sonntag auf Rot in Bern am ersten autofreien Sonntag. Den Besucherinnen und Besuchern gefiel es, kritische Stimmen kamen seitens der FDP.
Für einmal rollten Velos statt Autos auf der Monbijoubrücke.
Bild: zvg

Gewohnt ist man sich dieses Bild in Bern nicht. Die Strassen sind leer, keine Autos drängen sich darauf. Grund wahrscheinlich, weshalb selbst am autofreien Sonntag einige Velofahrer auf der Monbijou-Brücke auf Fahrradstreifen fuhren, obwohl die Strasse für den Verkehr gesperrt war. Andere nutzten den neu gewonnenen Freiraum jedoch, vor allem Kinder übten sich im Slalomfahren zwischen den Markierungslinien der Hauptverkehrsachse.

 

Sport, Musik und Spiel

Für den autofreien Sonntag hatte das Amt für Umweltschutz der Stadt Bern verkehrsreiche Plätze und Strassen während zehn Stunden gesperrt. Ziel sei es gewesen, der Bevölkerung einen Tag lang die Strassen und Plätze zur autofreien Benutzung “zurückzugeben”, hiess es auf der offiziellen Homepage zur Veranstaltung. Zudem sollte der Anlass auch ein Denkanstoss zum eigenen Mobilitätsverhalten sein.

 

Jedoch nicht als Fingerzeig, sondern als “lebensfrohes Volksfest”. So fanden auf vier zentralen Plätzen Veranstaltungen unter jeweiligem Motto statt. Beim Hirschengraben wurde über Mobilität und autofreie Alternativen informiert, um den Besuchern den autofreien Sonntag auch für die Zukunft nahe zu legen. Der Eigerplatz wurde zum grossen Spielplatz für Kinder und Eltern und auf dem Thunplatz stand der Sport im Zentrum. Auf dem Bundesplatz schliesslich konnte man sich auf Liegestühlen erholen und Konzerten lauschen. Wie an anderen warmen Sommertagen suchten dort Kinder bei den Fontänen Abkühlung und liefen jauchzend um die Wette.

 

Nächster Anlass für 2013 geplant

Es überrascht nicht, dass bei einem Grossteil der Besucherinnen und Besucher der autofreie Sonntag gut ankam. Eine Besucherin aus Bern zeigte sich begeistert: “Wären die Strassen immer autofrei, dann wäre ich viel öfter draussen und würde meine Kinder unbesorgt losrennen lassen”. Ein Besucher aus Payerne meinte gar: “Dann würde ich hierher ziehen”.

 

Die Idee stiess nicht überall auf Begeisterung. Die FDP der Stadt Bern kritisierte den Anlass, würden doch durch den umgeleiteten Verkehr zusätzliche Emissionen freigesetzt werden. Zudem hätten die Festaktivitäten mit Umweltschutz nichts zu tun, hiess es in einer Medienmitteilung.

 

Schweizweit war dies der erste in dieser Form durchgeführte autofreie Sonntag. Eingang in die Debatte fand die Idee in Bern vor rund sieben Jahren im Stadtrat, damals allerdings noch als Umweltaktionstag. Der nächste Anlass ist laut dem Berner Gemeinderat für 2013 geplant.