Wenn du eine starke Frau sein möchtest

Welche Frauen haben Sie in ihrem Leben beeinflusst?

Die erste Person, die mich beeinflusst hat, war meine Mutter. Sie war nicht meine biologische Mutter, denn ich wurde adoptiert. Sie lehrte mich stark zu sein und mich für meine Träume einzusetzen. Sie war meine erste Inspiration. Über die Jahre habe ich dann viele Künstlerinnen bewundert. Oprah Winfrey ist wohl eine der Frauen, welche mich am meisten beeinflusst und inspiriert hat. Ich liebe Oprah.

 

Was macht für Sie eine Frau zu einer starken Frau?

Keine Angst zu haben. Das meint nicht, dass man aggressiv sein und die ganze Zeit böse schauen muss. Ich meine damit, dass man keine Angst hat sich selbst zu sein. Für das, woran man glaubt, aufzustehen. Ehrlich zu sein, vor allem mit sich selbst. Ich denke, es ist stark, wenn man das kann und keine Angst davor hat sich selbst zu sein, sich selbst zu lieben. An das glaube ich und meine Songs spiegeln das wieder.

 

Ist es wahr, dass ihr neues Album “Warrior Girl” heissen wird?

Also der Name hat geändert. Aber einer der Songs auf dem Album heisst “Warrior Girl” und er handelt, wieder einmal, davon eine starke Frau zu sein. Vor ein paar Monaten wurde mein neues Album unter dem Namen “Warrior Girl” in Japan herausgebracht. Aber seit da habe ich meine Meinung geändert. Ich habe dem Album zusätzliche Songs hinzugefügt und habe entschieden es “A Girl Named King” zu nennen.

 

Sie haben ihre eigene Plattenfirma gegründet. Wie kam es dazu?

Mein Label heisst “think like a girl”, so wie mein zweites Album. Meine neue CD habe ich mit meinem eigenen Label produziert, dadurch konnte ich alle Songs selbst schreiben und produzieren. Eine starke Frau zu sein heisst auch, eine selbstständige Frau zu sein.

 

Wie würden Sie ihren eigenen Musikstil beschreiben?

Ich wurde in Jamaika geboren und bin dort aufgewachsen. Reggae gehört zu unserer Kultur. Aber ich verliebte mich auch in R&B und Pop und all die anderen Musikgenres. Mein Stil ist es, das alles zu mischen. Ich halte durch den Reagge und dadurch, dass ich Englisch manchmal mit meinen ursprünglichen Dialekt mische, trotzdem immer noch an meinen Wurzeln fest. Ich mag diesen Mix, denn so kann ich die Musik singen, die ich damals bewundert habe, als ich in Jamaika aufwuchs.

 

Was tun Sie, wenn Sie nicht mit Musik beschäftigt sind?

Ich mache Hausarbeit und kümmere mich um meine Kinder. Ich mache mit ihnen ihre Schulaufgaben. Familienleben einfach. Ich gehe nicht aus. Ich sage immer, ich gehe aus, wenn ich arbeite. Denn meine Arbeit ist wie ausgehen. Musik, Tanzen, Singen. Wenn ich dann zu Hause bin, ist es ruhig und friedlich. Ich schreibe in meiner Freizeit. Zurzeit arbeite ich gerade an meiner Biografie.

 

Was halten Sie von solchen Festivals wie den Afro Pfingsten, wo es darum geht, dass sich verschiedene Kulturen treffen?

Ich liebe es. Ich persönlich erlebe das durch meine Reisen. Als ich das erste Mal reiste, dachte ich “Oh wow, all diese verschiedenen Orte und all diese verschiedenen Kulturen!” Ich lernte dadurch so viel und es öffnete meinen Geist, erweiterte meinen Horizont. Alles was man kennt, ist, woher man kommt. Man kann zwar fernsehen und Bücher lesen, aber man erfährt erst wirklich, wie es an anderen Orten ist, wenn man dahin geht. Und das ist es, was ein Festival wie dieses ausmacht. Man trifft hier all die verschiedenen Menschen, bekommt verschiedene Eindrücke und hört andere Sprachen. Ich liebe das.

“Wir wollen sensibilisieren, gerade in der Wasserhochburg Schweiz”

“Viva con Agua” wurde ursprünglich in Deutschland gegründet. Warum habt ihr dieses Projekt vor zwei Jahren in die Schweiz gebracht?

Viva con Agua wurde im Hamburger Stadtteil St. Pauli gegründet. Ich wohnte für einige Zeit in Hamburg und war von dieser Idee fasziniert. Ausserdem fand damals eine Spendenwanderung quer durch Deutschland in die Schweiz statt. Das Ziel: pünktlich zum EM-Eröffnungsspiel in Basel erscheinen und dabei Geld für ein Trinkwasserprojekt sammeln. 1’050 km zu Fuss für sauberes Trinkwasser in Nicaragua. Danielle Bürgin, die Musikchefin von Radio Basilisk, wurde auf diese Aktion aufmerksam und hat die Gründer ins Studio eingeladen. Zusammen gründeten wir 2009 Viva con Agua Schweiz. Heute gibt es Viva con Agua ausserdem in Spanien, vielleicht auch bald in England oder Österreich. Wir sind uns am vernetzen.

 

Klimaschutz ist zurzeit voll im Trend. Was unterscheidet Viva con Agua von anderen Umweltschutzorganisationen?

Wir sind keine starre Organisation sondern ein offenes Netzwerk: Jede und jeder soll sich im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Interessen engagieren können. Wir wollen nicht aus schlechtem Gewissen agieren und sagen: “Die Welt ist böse, schlecht und ungerecht”. Wir sind nicht anti, sondern pro. Wir sind keine “Non Profit”-Organisation, sondern eine “All-Profit”-Organisation – alle, die sich bei Viva con Agua engagieren, sollen Spass dabei haben. Wir machen verrückte, kreative Aktionen und wollen damit Leute für das Projekt begeistern und viele Spenden generieren.

 

Spenden sammeln kann man heute bequemer übers Internet.

Natürlich freuen wir uns darüber, wenn uns Leute klassisch eine Spende überweisen. Aber uns geht es auch um das Aktivieren und Sensibilisieren der Leute. Gerade hier, in der Wasserhochburg Schweiz. Es gibt zudem weitere Projekte zum Mitmachen, wie etwa ein Tramprennen, Spendenläufe oder Benefizkonzerte.

 

Wie wird nun eigentlich mein am Gurtenfestival gespendeter Becher zu Trinkwasser in Afrika?

Du gibst uns deinen leeren Trinkbecher – oder am besten mehrere – wir sammeln und sortieren sie, bringen sie an den Festivalstand zurück, erhalten das Depot-Geld dafür, und dieser Erlös fliesst dann in konkrete Trinkwasserprojekte. Diesen Sommer unterstützen wir ein Projekt im Norden von Mozambique, wo neue Brunnen gebaut werden sollen. Damit wird für 7’500 Menschen dauerhafter Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglicht. Uns war es ausserdem von Anfang an wichtig, mit einer erfahrenen Partnerorganisation zusammen zu arbeiten, die die Projekte im Entwicklungsland vor Ort durchführt und mit lokalen Partnern umsetzt. In der Schweiz ist es die Entwicklungsorganisation Helvetas.

 

Wie viel Geld landet denn tatsächlich in Afrika?

Wir arbeiten ehrenamtlich, es steckt sehr viel Herzblut dahinter. Zur Entwicklung einer Organisationsstruktur in der Gründungsphase sind es 20 Prozent, die wir für unsere Struktur verwenden, also für Standmaterial, Flyer, Benzin etc. Die restlichen 80 Prozent fliessen eins zu eins in die Trinkwasserprojekte. Was auch bedeutet, dass unsere Partnerorganisationen ihre administrativen Kosten selbst decken. Ein paar Zahlen: dieses Jahr haben wir am Greenfield Festival 9’000 Franken gesammelt, am Gurtenfestival sogar über 19’000 Franken – ein neuer Rekord für Viva con Agua Schweiz.

 

Zur Person


Gregor Anderhub (25) kommt ursprünglich aus Luzern. Für längere Zeit lebte er in Hamburg, wo er auch mit dem Projekt Viva con Agua St. Pauli in Berührung kam. Als er vor drei Jahren zurück in die Schweiz zog, baute er zusammen mit Danielle Bürgin, Musikchefin von Radio Basilisk, und anderen jungen Leuten Viva con Agua Schweiz auf.

Links

  • Werde Becherjäger bei Festivals, animiere Familie und Freunde oder organisiere dein eigenes Projekt. Mehr Infos auf der Webseite von Viva con Aqua Schweiz.

Spaniens “Indignados” auf der Strasse

Um die Geschehnisse in Spanien einigermassen nachvollziehen zu können, genügt ein Blick auf die momentane Arbeitslosigkeit. Mit etwa 21 Prozent ist Spanien trauriger Rekordhalter im Euroraum. Die Jugendarbeitslosigkeit steht sogar bei knapp 45 Prozent. Unter anderem, um gegen diese extrem hohen Arbeitslosenraten zu protestieren, gingen am 15. Mai dieses Jahres über 100’000 Leute unter dem Motto ¡Democracia Real YA! (richtige Demokratie, jetzt!) in mehreren spanischen Städten zusammen auf die Strasse.

 

Was fordern “Empörte”?

Die “indignados”, die Empörten, wie sich die Leute nennen, wollen sich nicht in eine politische Ecke zwängen lassen. Ebenso wenig fühlen sie sich von einer politischen Partei unterstützt. Allerdings können sie auf eine breite Unterstützung aus der Bevölkerung zählen. Sie fordern ein breites Vorgehen gegen die Korruption, eine echte Gewaltentrennung, sowie Gleichheit, Fortschritt und vor allem eine “richtige” Demokratie. Im Internet kursiert ein Dokument mit dem Namen “Manifesto” (Manifest), in welchem sich die Leute auf knapp zwei Seiten positionieren und ihre Forderungen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

 

“Yes we camp!”

Nach einer Demonstration in Madrid am 15. Mai errichteten einige Demonstranten auf der “Puerta del sol”, dem bekanntesten Platz in Madrid, spontan ein Camp, wo sie in Zelten übernachteten. In den Tagen darauf wurden diverse solcher Protestcamps in vielen spanischen Städten errichtet. Auf den Plätzen trafen sich über Wochen Tausende von Jugendlichen, Arbeitslosen und Rentnern. Linke, Konservative, sowie politisch nicht Einzuordnende. Beispielsweise befanden sich laut offiziellen Angaben der Polizei auf der Puerta del sol in Madrid am 21. Mai in etwa 28’000 Demonstranten. Die Plätze, welche zeitweise derart übervölkert waren, dass man auf die umliegenden Plätze und Strassen zurückgreifen musste, waren wochenlang gefüllt mit Empörten. Der Zorn über die politische und wirtschaftliche Misere schweisst alle zusammen. Sie organisieren sich auf diesen Plätzen, um sich gegen die momentanen Verhältnisse zu wehren und um sich gegenseitig auszutauschen. Diese Camps fanden zeitweise in über 30 spanischen Städten unter dem Motto ‘Yes, we camp’ statt und blieben auch über Nacht bestehen.

 

Knüppel und Gummigeschoss

Die Polizei ging vielerorts ziemlich brutal gegen die Camps und die Demonstranten vor. So wurde unter anderem das grosse Camp in Barcelona (auf der Placa Catalunya) geräumt. Die offizielle Begründung lautete, dass man den Platz für den Champions League Final vom nächsten Tag, zu welchem auch der FC Barcelona antrat, reinigen müsse. Weil sich die Leute weigerten, den Platz freiwillig zu verlassen, wurden die friedlichen Demonstranten zum Teil mit Knüppeln und Gummigeschossen vertrieben. Kurz nachdem die Polizei den Platz geräumt hatte, wurde das Camp an derselben Stelle wieder aufgebaut. Diese Räumung erregte dann auch Aufmerksamkeit in den internationalen Medien, da man in Barcelona auf den Plätzen Webcams installiert hatte und man die Räumung live im Internet miterleben konnte.

 

Wie soll es weitergehen?

Nachdem lange über das weitere Vorgehen gesprochen wurde, begann man unter anderem das Protestcamp auf der Puerto del sol nach über 4 Wochen abzubauen. Die Bewegung wollte nach eigenen Angaben “dezentral” werden. Auf den 19. Juni wurde zu einer Grossdemonstration in Madrid aufgerufen. Nach Angaben der Bewegung trafen sich am besagten Tag über 150’000 Menschen, um sich zum wiederholten Male gegen die herrschenden Verhältnisse zu empören und gegen diese zu demonstrieren. Am 23. Juli ging eine ähnliche Grossdemonstration in Madrid über die Bühne. Einige Empörte wanderten wochenlang, in einer „Sternmarsch“ genannten Aktion, von allen Richtungen auf die Hauptstadt Madrid zu.

 

Übers Internet verbunden

Die Demonstranten kommunizieren hauptsächlich über Social Medias. Sehr beliebt sind dabei, wie bereits unter anderem im Iran und in Nordafrika, Facebook, Twitter und Youtube. Weiter existieren Homepages mit Informationen und Bildern zu den (ehemaligen) Camps in Madrid und Barcelona.

Wie die Bewegung momentan aussieht, ist nur sehr schwer zu sagen. Momentan finden in vielen spanischen Städten diverse kleinere Veranstaltungen statt, wo man zusammenkommen und diskutieren kann. Wohin die Bewegung gehen wird, was sie langfristig auslösen wird, kann an dieser Stelle noch nicht einmal vermutet werden.

Links

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