Kultur | 12.06.2011

“We’re not metal, we’re unique”

Das Greenfield Festival in Interlaken richtet sein Programm ja bekanntlich auf härtere Gitarrenmusik aus. Trotzdem gibt es immer wieder Bands, die sich von der allgemeinen Ausrichtung abheben und mit ihren Konzerten für Abwechslung sorgen.
Frank Turner empfiehlt: Converge.
Bild: Tobias Söldi Turner selber vermittelte dem Publikum zusammen mit seiner Band viel Spass.

Wolfmother aus Australien sind eine dieser Bands, die nicht so recht ins Programm passen wollen. Sie spielen Hardrock, der direkt aus den 70er Jahren ins Heute teleportiert worden zu sein scheint. Mit Frisuren wie damals, mit langen Soli, bluesigen Riffs, viel Spass, Spielfreude und einer Stimme wie jener von Robert Plant, Sänger von Led Zeppelin. Dass sie musikalisch weniger zu den anderen Bands  wie etwa Parkway Drive oder Sick of it All passen, die vor ihnen auf der gleichen Bühne gespielt haben, macht der Sänger geschickt zu einem Pluspunkt für seine Band: “Are we not metal enough for you?”, fragt er das Publikum neckisch. Und findet dann: “We’re not metal, we’re unique”.

 

Melodiöser Folk-Rock

Auch der Engländer  Frank Turner, vormals Sänger in der Punkband Million Dead, passt mit seinem energetischen, punkig angehauchten Folk-Rock wenig zu den anderen Bands. Trotzdem kommen er und seine Band beim Publikum gut an, das Set versprüht viel Spass an der Musik und bringt das Publikum zum Tanzen. Turners Geschmack aber passt genau aufs Zielpublikum des Openairs: Das Programm habe einige fantastische Bands, meint er einmal zwischen zwei Songs. Und dann nennt er Namen: Wer denn Converge [eine amerikanische Hardcore-Band aus Boston] sehen werde, fragt er das Publikum. Auf einige vereinzelte Zwischenrufe erwidert der Sänger, dass er sie sich ganz bestimmt anschaue.

 

Schnell und brutal

Einige Stunden später steht man also wieder vor der gleichen Bühne. Der am Morgen und frühen Nachmittag noch strahlend blaue Himmel hat sich mittlerweile bedrohlich verdüstert und vereinzelte Regentropfen fallen vom Himmel. Converge werden als die Band angekündigt, gegen die jede andere Hardcore-Band harmlos klinge. Und dann bricht ihre Musik gnadenlos und mit unbändiger Wucht über das Publikum herein. Schnell, hart, chaotisch und brutal ist sie, und wechselt zwischen knallharten Knüppelparts und schleppenden, rifflastigen Teilen. Der Sänger brüllt in sein Mikrophon, ohne dass man die geringste Chance hätte, etwas zu verstehen. Wenn er mal nicht schreit, springt und turnt er über die Bühne wie ein Berserker, wirft sein Mikrophon herum und heizt das Publikum an.

 

Präzise und mitreissend

Trotz allem spielen Converge präzise, energisch und auf den Punkt, so dass glücklicherweise zu keiner Zeit die Gefahr besteht, dass die Musik zu einem unhörbaren Soundbrei verkommt. Dies ist wohl neben dem vollen körperlichen Einsatz der Musiker einer der Hauptgründe, weshalb das Konzert auch genrefremde Zuschauer mitreisst. Zwischen den Songs, in den kurzen Erholungspausen – die einzigen, die die Band dem Publikum gönnt – blickt man erstaunt auf die Bühne und fragt sich, was man da eben gesehen hat. Wenn man Converge hört und sieht, kriegt man ausser der Musik überhaupt nichts mehr mit, sie scheint einen völlig in Anspruch zu nehmen. Nach 45 Minuten ist der Spuk zu Ende. Mit etwas weichen Knien verlässt man den Rasen vor der Bühne.

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