Gesellschaft | 13.06.2011

Vorwärts kommen in Paris

Text von Seraina Manser | Bilder von Seraina Manser.
Wie bewegt man sich am besten, schnellsten oder bequemsten vom Triumphbogen zum Jardin du Luxembourg? Ein kleiner Ratgeber für gemütliche, geduldige und gar gefährliche Fahrten durch Paris. Fast immer kommt man an.
Vélibs finden sich in Paris quer über die ganze Stadt verteilt. Die Metro ist ein riesiges Monster, das Millionen Passagiere jeden Tag quer durch die Stadt schleust.
Bild: Seraina Manser.

Gemütlich: Le métro

Wer sich schnellst möglich vom Eiffelturm zur Bastille bewegen will und wem stinkige Luft nichts ausmacht, der nimmt die Métro. Kein Wunder: In Paris soll es nämlich keinen Ort geben, der mehr als sechshundert Meter von einer Station entfernt ist. 16 verschiedene Metrolinien rattern im Minutentakt von Station zu Station. Fünf Millionen Menschen täglich benutzten die unterirdische Bahn. Zur Rushhour fühlt sich der Fahrende in seiner Privatsphäre eingeschränkt, die Wagen sind bis zum Bersten gefüllt und wenn dann noch ein Musikant sein Akkordeon auspackt, verdreht mancher die Augen. Ein Ticket für eine Fahrt kostet 1.70 Euro. An den unbewachten Stationen beobachtet man oft Leute, vorwiegend jüngere, die sich elegant über die Schranke schwingen. Damit demonstrieren sie ihre Beweglichkeit und sparen erst noch Geld. Kontrolliert wird in der Métro nämlich äusserst selten. Topmodern, aber unheimlich ist die fahrerlose Linie Nr. 14.

 

Unentbehrliches Accessoire: Zeitung oder Buch zur Unterhaltung während der kurzen(!) Fahrzeit.

 

Meistgehörter Satz: “Une petite pièce pour la musique?” (Musikant nach seiner Darbietung in der Métro)

 

Gefährlich: Le vélib

24 Stunden am Tag verfügbar und noch näher als die nächste Metrostation: le vélib. Das Veloverleihsystem in Paris wird rege genutzt und zwar von wirklich allen. Mindestens alle fünfhundert Meter kann man ein Velo ausleihen und wieder zurückbringen. Eine Wochenkarte kostet acht Euro, ein Jahresabo, allerdings nur für Inhaber eines französischen Bankkontos erhältlich, lediglich 29 Euro. Während einer Vélibfahrt trainiert man alle Sinne, vor allem Reaktionsgeschwindigkeit und Gleichgewicht. Wer bei grünem Licht nicht sofort losfährt, wird vom Autofahrer dahinter ausgehupt. Und der Vélibfahrer ist ehrgeizig: während die Autos bei rotem Lichtsignal warten, schlängelt er sich zwischen den schmalen Zwischenräumen bis zuvorderst vor, wo er sich lässig mit dem Fuss auf einem parkierendem Auto abstützt. Ganz ungefährlich ist es nicht: Niemand trägt einen Helm und viele hören Musik beim Velofahren. Doch für viele gibt es nichts Schöneres als “une balade nocturelle en vélib”. Besonders romantisch ist es der Seine entlang.

 

Unentbehrliches Acessoir: Sonnenbrille gegen die Pollen und Mücken in der Luft und funktionierende Klingel.

 

Meistgehörter Satz: “Vous partez?” (Ein anderer Vélibfahrer  auf der Suche nach einem freien Veloabstellplatz)

 

Geduldig: La Voiture

Die zahlreichen verbeulten Autos sprechen für sich: Zu Auto durch Paris ist nicht ganz ungefährlich und keineswegs entspannend. Viele Strassen sind Einbahnen und sehr schmal. Folgende Szene beobachtet man mehrmals täglich, vor allem morgens: Ein Lastwagenchauffeur hält mitten in einer schmalen Strasse an um seine Ware auszuliefern. Während er seelenruhig Kiste für Kiste aus dem Wagen hievt, stauen sich hinter ihm die Autos. Ein Durchkommen ist unmöglich. Nach und nach beginnen die Autofahrer immer unruhiger zu hupen und zu fluchen, bis der Lastwagenchauffeur endlich weiterfährt – zum nächsten Geschäft.  Ein weiteres Problem sind die Parkplätze, es gibt zu wenige davon und diese wenigen sind erst noch zu teuer für einen normalverdienenden Parisien. Vor den chiceren Restaurants nimmt deshalb ein “Voiturier” die Autos inklusive Schlüssel in Empfang und sucht einen Parkplatz, damit der Gast seine Zeit nicht mit Parkplatzsuchen verschwendet.

 

Unentbehrliches Acessoir: Laute Hupe und stossresistentes Auto

 

Meistgehörter Satz: “Dépèchez-vous!” (Autofahrer zum ausliefernden Lastwagenchauffeur)