Gesellschaft | 28.06.2011

Swapping statt Shopping

Text von Cheyenne Häni | Bilder von Nina Zollinger
Wohin mit Kleidern, die einem nicht mehr passen, zu peinlich geworden sind oder man und frau nicht mehr sehen können? Im Rahmen einer von Infoklick.ch gestarteten Sensibilisierungsaktion zum Thema Kleiderkonsum half die Kleidertauschbörse Walk-in Closet im Café Mitte weiter.
Drei, zwei, eins, meins. Und man braucht nicht einmal zu bezahlen.
Bild: Nina Zollinger

Das Prinzip ist einfach. Gut erhaltene Kleidungsstücke, welchen die Besitzer nicht mehr tragen wollten, konnten i m Unternehmen Mitte gratis abgegeben werden. Ein organisiertes Team kümmerte sich um deren Verteilung – denn es war keine Wühltischatmosphäre erwünscht, sondern ein geordnetes Aufhängen nach Grösse und Geschlecht (ja, es waren auch ein paar männliche Besucher da). Nach Abgabe alter Kleiderlasten durften sich die Tauschwütigen ins Vergnügen stürzen und sich nach Lust und Laune bedienen. In hergerichteten Umkleidekabinen, Spiegeln oder Gesichtsausdrücken der Umstehenden erkannte man und frau, ob das neugetauschte Stöffchen passt oder nicht. Traf letzteres zu, standen einem diverse Modedesignerinnen zur Seite und änderten die Kleider ab. Experimentierfreudige durften ihre Fundstücke gegen einen geringen Betrag auch bedrucken lassen. Klingt doch nach Ordnung und Harmonie.

 

Stimmen

Die 19-jährige Gymnasiastin Lara hat ein T-Shirt gefunden und meinte: «Die Idee finde ich super. Es ist eine coole Sache, aber es ist ein bisschen stürmisch, wie die Leute da alle drauf losgehen.« Danja, 31 Jahre alt, Comic-Zeichnerin und stolze Besitzerin von neuen-alten Röcken lobte die Idee, aber empfand die Stimmung als hektisch und teilweise gierig.

 

In der Tat war Hektik trotz guter Organisation unvermeidbar. Mit wachsamen Blicken rasten viele durch den Walk-in Closet, der durch die wachsende Besucheranzahl zu schrumpfen schien. «Dr Schnäller isch dr Gschwinder« war das Motto und es artete doch auch in Hamsteranhäufungen aus, was mich fragen liess, ob der Gedanke vom sensibilisierten Kleiderkonsum überhaupt ankam. In Medienmeldungen wurde der Umweltgedanke von Walk-in Closet zwar proklamiert, vor Ort lagen Prospekte und Info-Heftchen über Kleiderfirmen im Vergleich ausgelegt und wurden verteilt. An der Börse selbst hätte es gerne noch mehr Informationen über den nachhaltigen Kleiderkonsum geben dürfen.

 

Ursprung

Die Kleidertauschbörse war der dritte Teil des Projektes, welches Jennifer Perez von Infoklick.ch, der Kinder- und Jugendförderung Schweiz, geleitet hat. Zuvor hatten sie und ihre Teamkolleginnen Aicha und Jensy mit dem Wettbewerb “Dein Statement zählt” Jugendliche angespornt, sich über den Kleiderkonsum zu informieren, dazu Stellung zu nehmen und sich künstlerisch auszudrücken. Anschliessend wurden am Fair-Fashion-Nachmittag die Wettbewerbsgewinner gekürt und ein Film zum Thema vorgeführt. Die Kleidertauschbörse sollte nun ein grösseres Publikum erreichen, der Reflexion des eigenen Kauf- und Wegwerfverhaltens dienen und neue, alte Kleider weg vom verstaubten Secondhand-Image bringen.

 

Aussicht

Die Kleiderswapper kamen zahlreich und das Beispiel des 24-jährigen Studenten Florian lässt hoffen: Er sei kein Flohmi- oder Brockigänger und käme erstmals durch Walk-in Closet mit den neuen alten Kleidern in Kontakt. Dementsprechend erstaunt war er, an der Börse ein Paar auf Anhieb passende Jeans zu finden. Weitere Besuche solcher Kleidertauschbörsen könne er sich durchaus vorstellen.

 

Solche Projekte zeigen, dass das Samstagsshopping künftig ohne schwedisches Modehaus, dafür mit mehr Kleidertauschbörsen und Flohmarktbesuchen sehr gut an- und auskommt. Wiederholungen der Kleidertauschbörse sind definitiv erwünscht.