Politik | 29.06.2011

Streit um das Untergymnasium

Text von Eva Hirschi | Bilder von Ariane Blattner (zvg)
In der Gemeinde Köniz in Bern wird wieder einmal darüber diskutiert, das sogenannte Untergymnasium zu schliessen - aus Spargründen. Will man heterogene Klassen, die sich gegenseitig helfen, oder setzt man auf gezielte Leistungsförderung? Vergangenen Mittwoch diskutierten Vertreter aus Politik und Schulleitung auf einem Podium.
Tink.ch-Redaktorin Eva Hirschi (Mitte) moderierte letzte Woche die Podiumsdiskussion. V.l.n.r.: Franziska Keller, Sandra Medici, Christoph Salzmann.
Bild: Ariane Blattner (zvg)

Die Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse in der Gemeinde Köniz haben die Wahl: Entweder besuchen sie die Oberstufe, also die 7. und 8. Klasse, an einer Schule oder – bei ausreichend guten Noten – direkt am Gymnasium  in  einer speziellen Unterstufe. Das sogenannte Untergymnasium ist ein Unikum im Kanton Bern. Normalerweise wird die Quarta (9. Schuljahr) in der eigenen Gemeinde besucht und erst ab Tertia in ein Gymnasium gewechselt, oder aber die Quarta ist bereits im Gymnasium integriert. Im Rahmen eines Stabilisierungsprogrammes, welches die Finanzen von 2012 bis 2016 sichern soll, hat der Gemeinderat im März beschlossen, dieses Untergymnasium zu schliessen und somit jährlich 100’000 Franken einzusparen, welche alleine schon nur für die Infrastruktur ausgegeben werden.

 

Das Thema betrifft und interessiert die Schülerinnen und Schüler aus Köniz. Das Jugendparlament Köniz (Jupa) führte deshalb letzte Woche eine Podiumsdiskussion durch, um sich eine Meinung bilden zu können. Dazu eingeladen waren der Gemeindeparlamentarier der SP Köniz, Christoph Salzmann, sowie Franziska Keller, Fraktionspräsidentin BDP Köniz, sowie Sandra Medici, Leiterin der Unterstufe des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt.

 

Sparen steht im Hintergrund

Gemeindeparlamentarier Salzmann stellte gleich zu Beginn klar, dass es sich hierbei nicht nur um eine finanzpolitische Angelegenheit handle, sondern auch um eine bildungspolitische. Er sehe die Vorteile ganz klar in einer homogenen Klasse, wo «schwächere und stärkere« Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet werden würden und sich gegenseitig helfen könnten. Unterstufenleiterin Medici hingegen betonte das lernfreundliche Klima am Gymnasium Köniz-Lerbermatt, in welchem die Schüler sich besser auf das Lernen konzentrieren könnten und nicht dauernd als “Streber” beschimpft würden. Nach Ansicht der Gemeindeparlamentarierin Keller spielt die Wahlfreiheit der Schülerinnen und Schüler eine wichtige Rolle: Sie sollten selber entscheiden dürfen, so Keller, ob sie in einer Oberstufe oder am Untergymnasium Köniz-Lerbermatt die 7. und 8. Klasse absolvieren wollten.

 

Was wollen die Jugendlichen?

Durch die angeregte und engagierte Podiumsdiskussion konnte sich das Jugendparlament Köniz auf eine sachliche und informative Grundlage für seine Entscheidungsfindung stützen. Schlussendlich fanden die Argumente der Unterstufen-Befürworter beim Jupa mehr Anklang. Das Jupa sehe bei den Jugendlichen eine grosse Nachfrage nach einem “Untergymer” – das Angebot solle somit beibehalten werden, befand der Vorstand der Jupa. Der Spareffekt von 100’000 Franken pro Jahr sei zu gering, um einen solchen Entschluss zu rechtfertigen. Ausserdem solle die Auswahlfreiheit beibehalten werden.

 

Dieses Thema ist für die Könizerinnen und Könizer im Übrigen nicht neu. Bereits im Mai 2000 stimmte die Gemeinde Köniz über die Schliessung der Unterstufe des Gymnasiums Köniz-Lerbermatt ab – und war dagegen. Zehn Jahre danach stösst diese Forderung immer noch auf harte Kritik, Grund weshalb es möglich ist, dass der Gemeinderat den Beschluss von sich aus zurückzieht bevor es zu einer erneuten Abstimmung kommen kann. Momentan sind die Diskussionen noch im Gange.