Kultur | 13.06.2011

Reunion geglückt

Text von Robin Mahler | Bilder von PD
System of a Down traten am vergangenen Donnerstag zum zweiten Mal am Greenfield Festival auf. Das Konzert war ein Höhepunkt des Festivals, trotz zu leisem Sound.
Nach fünf Jahren Pause sind System of a Down zurück auf der Bühne.
Bild: PD

Fünf Jahre ist es her, seit System of a Down ihr letztes Album herausgebracht haben. Das kam 2006 dafür gleich in doppelter Form raus: “Mezmerize” und das ruhigere “Hypnotize”. Danach verkündete die Band, dass sie eine Pause einlegen. Erst in diesem Jahr hat sich die Band zu einer Reunion entschlossen. Diese besteht vorerst nur aus einer Tour, Arbeiten an einem neuen Album hat man bisher noch nicht angekündigt. Am diesjährigen Greenfield Festival bot sich den Schweizer Fans die Gelegenheit, die Band, bestehend aus Frontmann Serj Tankian, Gitarrist Daron Malakian, Bassist Shavo und Schlagzeuger John Dolmayan, wieder einmal live zu sehen.

 

Die Band spielt einen originellen Mix aus verschiedensten Stilrichtungen wie Pop, Blues und Metal. Sänger Serj Tankian ist für seinen extrem abwechslungsreichen Gesang bekannt. Seine Stimme variiert zwischen tiefen Tönen aus dem Death Metal, hohem Kreischen und klarem Gesang. Ihre Texte sind eine Mischung aus Spass-Songs und ernsthaften, zuweilen politischen Themen.

 

Kraft ohne Pause

Das Konzert am vergangenen Donnerstag war dieses Jahr ihr einziges in der Schweiz. In knapp eineinhalb Stunden spielte die Band ohne grosse Pause einen Hit nach dem anderen. Um 21:00 Uhr fiel der weisse Vorhang mit dem Bandnamen und es ertönten die knallharten Schläge des Drummers John Dolmayan, der damit den “Prison Song” einleitete. Optisch fiel Gitarrist Daron Malakian auf, dessen Haarlänge jener eines Angus Youngs in den 80igern gleichkam und dessen Haupt ein Hut krönte. Sänger Serj Tankian hingegen trat mit weissem T-Shirt auf und Bassist Shavo trug den üblichen Ziegenbart samt Trikot mit der Nummer 22.

 

Musikalisch war allerdings schon früh ein kleines Manko zu hören. Während dem “Soldier Side/BYOB” Doppelschlag war der Sound – insbesondere das Mikrofon – zu leise eingestellt, was die Zuschauer Leuten in den hinteren Reihen mit “Lauter!”-Rufen kommentierten. Dieser Umstand schien die Band aber nicht sonderlich zu stören, sie schmetterten vielmehr mit unglaublicher Kraft und ohne Pause ein bekanntes Stück nach dem anderen. Ein Hammer, auch wenn sich Tankians Stimme nicht so motiviert anhörte.

 

Gitarrist Daron vertritt noch immer den ausgeflippten Gegenpart zu Tankian. Am Samstag wirbelte er auf der Bühne herum und verdrehte die Augen zu irren Fratzen. Kurze Gitarrensoli lockerten die dichte Abfolge der Songs auf. Als mit “Chop Suey!” der wohl grösste Hit der Band erklang, besserte sich auch der Mikrophonsound und Tankian konnte ein weiteres Markenzeichen der Band, den sehr variablen Gesang zum Besten geben. Seine Growls und Schreie gelangten nun auch bis in die letzten Reihen. Nach den raueren Songs ertönte das balladeske “Lonely Day”, Tankian trat in den Hintergrund und begleitete Daron, der den Gesang übernahm. Dies handhabten sie auch bei einigen anderen Songs so, wie etwa beim zweiten ruhigen Song “Lost In Hollywood”.

 

Pogo!

Nach “Lonely Day” – etwas über 40 Minuten – wendete sich Gitarrist Daron das erste und einzige Mal an das Publikum: “Now let’s fucking P-P-P-P-P-POGO!”, meinte er als Einleitung zu “Bounce”. Das Publikum kam dieser Aufforderung prompt nach. Die spassige Seite kam dann bei “Cigaro”. Tankian zog alle Register und gab die wohl lautesten Schreie zum Besten. Zum Schluss war noch das ebenfalls grossartige “Sugar!” zu hören, bevor um 22:20 Uhr die Band unter lauten Jubelrufen die Bühne verliess.