Gesellschaft | 14.06.2011

Niedergang eines Stars

Text von Annika Reinke | Bilder von titanwurz.unibas.ch
Fünf Tage lang dauerte der Andrang von Medien aus der ganzen Welt und tausenden von Fans in Basel. Am 27. April kollabierte dann der neu entdeckte Star, der uns amüsierte mit Twitter-Meldungen wie "Botanischer Garten hat 24 Stunden geöffnet? He, und wer denkt an mich?»
Da waren die Besucher schon weg: Der erschöpfte Titanwurz am 28. April.
Bild: titanwurz.unibas.ch

Die Pflanze mit dem größten Blütenstand der Welt und einem atemberaubenden Verwesungsgeruch war aber nicht nur auf Twitter vertreten. Der Titanwurz hatte auch eine eigene Webcam. 102’627 Zugriffe allein zählte man kurz vor dem Erblühen. Zeitgleich lautete ein Tweet: „Nein, liebe Zuschauer an der Webcam. Es gibt keinen Private-Chat mit mir. Ich wiederhole: Keinen.“

 

Kein Wunder, der Titanwurz hatte vermutlich genug zu tun mit seinen Besuchern vor Ort. Zu denen zählte auch CNN. Über die Begegnung mit dem amerikanischen Fernsehsender twitterte die Basler Berühmtheit: „CNN war vorhin da. Ich hab mich wirklich bemüht. ‚You can call me Taitenwörz. No. Tai… Ta..no, not Taifun. Ah, forget about it. Just call me John.'“

 

Zusammenbruch

Und dann die letzte Twitter-Meldung: „Kurator will mir das Handy wegnehmen. Hilfe! Warum hilft mir denn kei…“. Was geschah danach mit dem 193 cm großen Star? Die Webcam sendete noch bis zum 28. April Bilder. Auf dem letzten ist ein in sich zusammen gesunkener Titanwurz zu sehen (http://titanwurz.unibas.ch/webcam.php). Seine Schönheit ist verflogen und mit ihm seiner so charismatischer Geruch nach Aas und Fisch, welcher so grosse Faszination auslöste. Kollabierte der Titanwurz weil ihm der Medienrummel und die ständige Beobachtung zu viel wurden? Nein, sein Star-Dasein war von Natur aus auf wenige Tage begrenzt. Was aber nicht heißen muss, dass es bei einem einmaligen Erlebnis bleibt.

 

Comeback

Momentan bedarf der Basler-Titanwurz viel Zuwendung und Pflege. Man könnte gewissermaßen sagen eine Kur, um sich von dem rasanten Aufstieg und dem nachfolgendem Kollaps zu erholen. Unter Kennern auch Vegetationsphase genannt. Die optimalen Erholungsbedingungen für den Titanwurz sind tropisches Klima wie in seinem Ursprungsland Sumatra. Es besteht dann allerdings immer noch das Risiko eines Parasitenbefalls. Hoffen wir, dass der Basler Titanwurz davon verschont bleibt und wir im besten Fall ein Comeback in drei Jahren erleben. Vielleicht heißt es dann wieder: „Basel stinkt anders“.