Kultur | 21.06.2011

Mehr Kunst ist weniger

Text von Tobias Söldi | Bilder von Katharina Good
Zum 42. Mal öffnet die Art Basel für fünf Tage ihre Tore. Kunsthändler, Liebhaber, Künstler und Interessierte aus der ganzen Welt strömen nach Basel. Gross ist der Andrang und mindestens ebenso gross die Messe mit ihren zahlreichen Nebenausstellungen.
Während fünf Tagen wurde Basel von internationaler Kunst erleuchtet. (Im Vordergrund: die grossflächige Installation des amerikanischen Künstlers Jason Rhoades, in den Hallen der Art Unlimited). Einige Anzugsträger bewundern ein Werk des etablierten Strassenkünstlers Keith Haring -“ vielleicht auch seinen Preis.
Bild: Katharina Good

Die Art Basel ist ein geeigneter Ort, um die eigenen Fremdsprachenkenntnisse aufzufrischen. Am Empfang der Scope, der Messe für zeitgenössische Kunst, wird man ganz selbstverständlich auf Englisch begrüsst. Wer eine fernöstliche Sprache beherrscht, kann sich im Gespräch mit Galeristen aus Japan, China oder Korea versuchen. Im Vorübergehen hört man Fetzen eines Gesprächs auf Spanisch. Und ab und zu vernimmt man sogar vertraute, schweizerdeutsche Klänge. Basel wird für fünf Tage wahrhaft zu einer Weltstadt mit internationalem Charakter.

 

Weniger wäre mehr gewesen

Die Menschenmenge, die sich zunächst über die ganze Stadt Basel und die nähere Umgebung verteilt, verdichtet sich während den Öffnungszeiten auf engem Raum in den verschiedenen Ausstellungen. Hauptanziehungspunkt ist dabei die namensgebende Hauptmesse im Messegebäude. Ein Gewusel aus stinkreich aussehenden Anzugträgern, schrägen Künstlertypen, Kunststudenten und -liebhabern, meist mit einer Schwäche für stilvolle Kleidung, erwartet einen. An der Art Basel kann man nicht nur Gemälde und Skulpturen betrachten. Dabei kommt letzteres schon fast ein wenig zu kurz: Allein die Hauptmesse ist so gross, dass man sich kaum alles in einer vernünftigen Zeit anschauen könnte. Vielmehr lässt man sich vom geschäftigen Treiben anstecken und schneller als einem lieb ist, hetzt man von Stand zu Stand ohne sich mit einzelnen Kunstwerken intensiver auseinanderzusetzen. Weniger wäre hier tatsächlich mehr gewesen. Aber die Art Basel ist eben kein Museum, in dem man sich mit viel Musse der Kunst widmet. Vielmehr ist sie ein geschäftiger Handelsplatz. Kunst wird ausgestellt, um verkauft zu werden, um die Galerie zu repräsentieren. Für die durchschnittlich betuchten Besucher immer wieder interessant sind die zum Teil angeschlagenen Preise und die aufgeklebten roten Punkte, die zeigen, dass ein Kunstwerk bereits verkauft worden ist. Meist bleibt dieses Interesse allerdings nur in einem schwärmerischen, hypothetischen Rahmen.

 

Mehr Platz und Zeit

Etwas kleiner und überschaubarer sind dagegen die Nebenmessen. Die Scope beispielsweise zeigt zeitgenössische Kunst. Die Werke und die Besucher haben hier mehr Platz zum Atmen, die Atmosphäre ist etwas lockerer als beim grossen Bruder, was nicht zuletzt auch mit der ausgestellten Kunst zusammenhängt. Die ist nämlich oft überraschend unterhaltend, kurzweilig und angenehm frisch. Noch mehr Platz brauchen die zum Teil riesigen Installationen und Skulpturen der Art Unlimited. Fast bis an die Decke der Halle reichen einige der Skulpturen, andere breiten sich weitläufig am Boden aus. Hier lassen sich auch zahlreiche Videoinstallationen anschauen, deren Macher sich glücklich schätzen können: Der Besucher verweilt vor einer Videoinstallation gewöhnlich länger als vor einem Gemälde, das man mit einem Blick abtun kann. Das bewegte Bild kann sich in jedem Augenblick ändern und beansprucht so unsere Aufmerksamkeit stärker. Und nicht zuletzt schätzt man nach stundenlangem Stehen und Gehen die Sitzbänke vor der Leinwand, um den Füssen eine wohlverdiente Pause zu gönnen.

 

Viel zu sehen und zu tun

Daneben gibt es zahlreiche andere Ausstellungen, zum Beispiel eine Art Parcour mit in der ganzen Stadt ausgestellter Kunst. Aktuelle afrikanische Kunst präsentiert die Focus11, es gibt einheimische Kunst zu bestaunen, ein Filmprogramm, Partys, Konzerte und vieles mehr. Die Art Basel ist zu gross, es gibt zu viel zu sehen und zu tun, um sie in einen kleinen Artikel wie diesen zwängen zu können.