Politik | 28.06.2011

Jugend in die Politik

Junge Kandidaten für die Wahlen 2011 trafen sich zu einem Gedankenaustausch im Bundeshaus. Nun soll der parlamentarische Frühling mit jugendlicher Beteiligung Einzug halten.
Sie war einst die jüngste Nationalrätin: Evi Allemann Und sie möchte gerne auch im Schweizer Parlament sein: Anita Borer Die Jungpolitiker tauschen sich aus. Fotos: Lukas Ehrsam

Das Konferenzzimmer 301 im Bundeshaus war wohl selten voll von so vielen jungen Gesichtern. Um 13:30 Uhr am letzten Samstag eröffnete Nicola Jorio eine Veranstaltung unter dem Titel “Parlamentarischer Frühling – Für eine ausgewogene Generationenvertretung im Bundeshaus”.

 

Nicola Jorio ist Co-Präsident des Dachverbandes der Schweizerischen Jugendparlamente (DSJ). DSJ hat sich gemeinsam mit weiteren Jungorganisationen, unter ihnen die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV), zum Ziel gesetzt, den Wähleranteil der Bevölkerung zwischen 18 und 30 Jahren von 35 auf 40 Prozent zu steigern. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der DSJ am letzten Samstag die Plattform “easy-vote.ch” lanciert. 45’000 zusätzliche junge Wählerinnen und Wähler sollen dadurch überzeugt werden. Mithilfe der Internetseite von easy-vote können junge Menschen ihr Wahlversprechen abgeben, sich über die Wahlen erkundigen, schauen, wen Freunde und Prominente wählen und selber Freunde mobilisieren. Dabei werden auch Kanäle wie Facebook, Twitter und Applikationen auf den Smartphones genutzt.

 

Jugendbonus?

Die Nationalrätin Evi Allemann (SP) sprach über ihre Zeit als jüngste Politikerin im Nationalrat. Der Bonus, als junge Frau im Parlament zu sein, hielt nicht lange an, verriet sie. Nur das Jungsein reiche nicht. Junge würden eher noch mit Vorurteilen konfrontiert: “Mit dem Vorurteil, dass Jungpolitiker spiessig sind und kein soziales Leben haben, müssen die Jungen kämpfen.” Auch wenn Allemann mit 32 Jahren keine Jungpolitikerin im eigentlichen Sinne mehr ist, betonte sie, dass die Jungen auf ihre Unterstützung zählen könnten.

 

Die anwesenden Kandidierenden waren froh über die praktischen Tipps der ebenfalls kandidierenden Redner. Eifrig notierten viele, wie man am Besten auffällt und in die Medien kommt, wie man sich Geld beschafft oder wie man ein Wahlkampfteam um sich ringt. Nadine Masshardt (SP) war bereits vor vier Jahren Nationalratskandidatin, ihr ist wichtig, dass “Nationalratskandidaten sich überlegen, weshalb man überhaupt kandidiert, diese Frage scheint vielleicht absurd. Dennoch müssen sie sich alle Kandidierenden stellen, denn Ziel und Wille sind zentral.” Anita Borer kandidiert für die SVP Zürich, sie ist 25 Jahre alt und regte die Anwesenden mit ungewöhnlichen Tipps an: “Ich finde es essentiell wichtig, dass der Gesamtauftritt stimmt, das heisst sich auch passend anzuziehen.”

 

Mut für den Wahlkampf

Alle Referenten betonten, dass jetzt dringend mehr Jugend in die Parlamente müsse. Lukas Dolder, der beim Sozialforschungsinstitut gfs.bern für die Jugendforschung verantwortlich ist, machte den Jungen Mut: “Ich spüre bei euch eine Leidenschaft. Ihr habt viel zu gewinnen und wenig zu verlieren.” Auch er gab den jungen Kandidierenden Tips für ihren Wahlkampf und ihre allfällige Politkarriere. Möglichst breit sollen sie die neuen Medien nutzen, ihr Gesicht wann immer möglich präsentieren.

 

Nicole Cornu Präsidentin von der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) fasste zum Schluss alle Referate und die anschliessende Diskussion zusammen. Sie endete mit dem Wunsch, dass “im Wahlherbst der parlamentarische Frühling Einzug hält”. Beim anschliessenden Apéro wurden weiterführende Gespräche geführt. Nicht ganz jugendgerecht wurde Wein serviert, ganz wie bei den älteren Politikern. Schliesslich wollen sich die Jungen daran gewöhnen, in Bern ihr Cüpli zu trinken.

 

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