Kultur | 21.06.2011

“Ich war noch nie in Indien”

Text von Manuel Lopez | Bilder von Manuel Lopez
Mit den gängigen Klischees spielen, aber auch ein Bild vom "neuen" Indien vermitteln. Das soll das Bollywood-Festival laut Luki Frieden. Der Berner Regisseur präsidiert den Trägerverein des Festivals.
Möchte einmal in Indien einen Film drehen: Regisseur Luki Frieden am Bollywood Festival Thun, das er mit ins Leben gerufen. hat.
Bild: Manuel Lopez

Welches ist euer Zielpublikum?

In erster Linie Leute, die Bollywood noch nicht oder nur wenig kennen, Freude am Fremden haben und aus der Umgebung kommen. In zweiter Linie für Leute, die Bollywood kennen und auch von weiter weg anreisen.

 

Was ist dieses Jahr das primäre Ziel des Festivals?

Vier Tage ausverkauft zu sein, so wie letztes Jahr. Der Rathausplatz war damals so voll, das wir Leute abweisen mussten. Dieses Jahr macht das Wetter leider nicht mit. Aber das ist einfach die Gefahr eines Openairfestivals.

 

Welches Bild von Indien wollt ihr vermitteln?

Natürlich spielen wir auch mit den gängigen Klischees. Mit den vielen Farben, den Henna-Tattoos, den indischen Gewürzen und mit dem Essen. Andererseits zeigen wir nicht nur klassische Bollywoodfilme, sondern auch Filme, die ein Bild vom “neuen” Indien vermitteln.

 

Was meinen Sie mit “neues” Indien?

Das neue indische Kino zeigt auch negative Seiten der indischen Gesellschaft. Es ist dem Realismus verpflichtet und hebt sich dadurch stark vom farbenfrohen Bollywoodkino ab.

 

Wie entstand die Idee in Thun, einer eher konservativen Stadt, dieses sehr exotische Festival aufzuziehen?

In Thun hat in den letzten Jahren ein starker Wandel stattgefunden, wir waren ja auch schon in der Champions League im Gegensatz zu anderen Schweizer Städten (lacht). Was heisst konservativ? Die Schweiz ist konservativ, die ganze politische Bewegung ist im Moment konservativ, es sind aber immer Individuen, die eine Geschichte anreissen oder eben nicht. Wir hatten Freude an der Idee, die ursprünglich ein Inder hatte: Hier in Thun ein Bollywood-Festival zu organisieren, da diese Gegend Startpunkt vieler Bollywood-Filme ist. Diese Idee haben wir dann weiterverfolgt, nun sind wir bei der zweiten Ausgabe.

 

Was ist Ihr persönlicher Bezug zu Indien?

Ich war noch nie in Indien, jedoch in Sri Lanka und durch die Organisation dieses Festivals habe ich viel über Indien erfahren. Indien wird in absehbarer Zeit sicher zu meinem Reiseziel, weil ich durch das Bollywood Festival angestachelt worden bin. Und da ich beruflich sehr viel Reise, wäre es am Schönsten, künftig mal in Indien zu drehen.

 

 

Zur Person


Luki Frieden, geboren 1973 in Bern, studierte nach dem Lehrerseminar an der New York Film Academy. Sein erster Spielfilm “November” (2003) gewann den grossen Filmpreis des Kantons Bern. 2008 erschien der nächste Spielfilm “Tausend Ozenae” mit Max Riemelt in der Hauptrolle. Luki Frieden lebt in Thun.