Kultur | 28.06.2011

Das Openair der Openairs

Text von Uwe Bieri, Mathias Schaub | Bilder von oasg.ch
Wenn sich die Züge in Richtung St. Gallen mit einer Meute bierschleppenden und röhrenjeanstragenden Indieanhängern füllt, kann das meistens nur eines bedeuten. Jedes Jahr beginnen Ende Juni für viele Musikfans im Sittertobel bei St.Gallen die vierschönsten Tage des Jahres - das Openair St.Gallen.
St. Gallen: Die Bühne steht bereit.
Bild: oasg.ch

Was für einen Neu-St.Galler wie eine Invasion aussieht, beunruhigt alteingesessene Einwohner schon lange nicht mehr, denn sie wissen um den friedlichen Charakter dieser Invasoren. Sobald diese mit erstklassiger Live-Musik versorgt sind und die typische Sittertobel-Stimmung aufkommt, sind es einfach nur glückliche und dankbare Gäste. Was gibt es Schöneres, als ein paar Tage zeltend mit seinen Freunden zu verbringen und dabei mit zahlreichen Leckerbissen der heutigen Musiklandschaft verwöhnt zu werden! Da nimmt man auch gerne die Schlange beim Eingang sechs Stunden vor Türöffnung in Kauf, um sich dadurch einen möglichst ebenen und schattigen Zeltplatt zu ergattern.

 

Genug Licht für Nachtschwärmer

Die ersten Festivalbesucher, so genannte Nachtschwärmer, werden bereits am Donnerstag vom Folk-Rock Duo Johnossi aus Schweden, die das diesjährige Festival auf der Sternenbühne einläuten, begrüsst. Später am Abend folgen noch die deutsche Reagge-Dancehall Truppe Culcha Candela und Solange La Frange aus Vevey. Bereits am Abend vor dem offiziellen Festivalstart wird ein für das Openair St.Gallen typischer Genremix geboten.

 

Schwere Entscheidungen am Freitag

Für Musikliebhaber mit einem breiten Interessens-Spektrum gibt es am Freitag bereits erste Terminkollisionen. Soll man die Wort-Jongleure von Blumentopf für die neuste Hypeband aus dem UK – The Vaccines – frühzeitig verlassen? Friska Viljor oder die einheimischen Young Gods? Auch meine persönlichen Highlights Elbow und TV on the Radio überschneiden sich. Das ist schade, spricht aber auch für die Programmgestalter des Openairs, die so viele interessante Bands ans Openair bringen, dass bei jedem Konzert etwas Bedauern mitschwingt, weil man gerade ein anderes Konzert verpasst. Wer zu später Stunde noch Bierkalorien verbrennen möchte, wird mit den beiden Electro-Rock Krachern Digitalism und Boys Noize sicher genügend ins Schwitzen kommen.

 

Alternativen am Samstag

Am Samstag rocken die wohl bekanntesten Bands im diesjährigen Line Up, Linkin Park und Hurts die Sittebühne. Wir persönlich werden unsere Ohren aber lieber mit Mogwai, den Post-Rock Königen der Gegensätze, verwöhnen und den sympathischen Wir sind Helden meine Aufmerksamkeit schenken. Zuvor rocken aber noch Mona, die an die Kings of Leon erinnern und das Electro-Power-Duo von Cristal Castles die Bühne. Das John Butler Trio darf man auch auf keinen Fall verpassen.

 

 

Steinharter Rock zum Abschied

Als weiteres Highlight verzaubern The National den Sonntagnachmittag in einen feinen Schleier Melancholie, kurz bevor die Queens Of The Stone Age uns einen kräftigen Tritt Stoner-Rock zum Abschied verpassen. Wenn das Wetter stimmt, stehen uns vier wunderschöne Tage bevor und falls das Wetter nicht stimmt – dann auch, oder wie besagt doch die uralte Openairweisheit: “Solange Regen und Biervolumen proportional im Verhältnis zueinander stehen, kann es eigentlich gar nicht schlecht kommen.”

Links