Gesellschaft | 06.06.2011

“Als Tourist im eigenen Land”

Text von Benjamin Schlegel | Bilder von zVg
Michael Sutter ist in der Schweiz aufgewachsen. Ende 2007 wanderte er aus beruflichen Gründen nach Singapur aus. In einem Facebook-Interview erzählt er, was er an der Schweiz besonders vermisst.
Michael Sutter lebt seit vier Jahren im Stadtstaat in Südostasien.
Bild: zVg

Michael, 2007 bist du nach Singapur gezogen. Was war dein erster Eindruck?

Ich war bereits im Jahr 2002 das erste Mal in Singapur – während eines Studienaufenthaltes, der von der Fachhochschule St. Gallen organisiert war. Von dem her war nicht alles ganz neu, aber natürlich nimmt man eine Stadt (oder eine Millionenmetropole wie es Singapur mit mehr als fünf Millionen Einwohnern ist,) anders wahr, wenn man nicht einfach nur für zwei Wochen, sondern für einige Jahre dort hingeht. Am Anfang war vieles neu für mich – aber das war gerade auch das Spannende an diesem Abenteuer. Und ich habe immer versucht, mich an lokale Gegebenheiten zu gewöhnen und auch am typischen Singapur-Leben teilzuhaben.

 

Fiel es dir damals schwer, die Sprache zu lernen?

Die offizielle Nationalsprache von Singapur ist Malaiisch, aber auch Englisch, Tamil (von den Indern) und Chinesisch sind anerkannte Amtssprachen. Im Geschäftsleben wird vor allem Englisch gebraucht. Von dem her musste ich mich nicht allzu stark mit einer neuen Sprache befassen. Es ist fast ein bisschen ähnlich wie in der Schweiz mit den verschiedenen Landessprachen. Nur ist es hier in Singapur so, dass man die chinesischen Zeichen und die Buchstaben der tamilischen Schrift nicht einfach so lesen kann. Nur die Buchstaben der Sprache Malai sind gleich wie wir sie in der Schweiz von unseren Sprachen kennen.

 

Was vermisst du an der Schweiz am meisten?

Im Mai 2011 war ich für zwei Wochen auf Heimaturlaub in der Schweiz unterwegs und es war einfach toll, auch einmal als “Tourist” in meinem eigenen Land unterwegs zu sein. Die Schweiz ist ein faszinierender Fleck auf der Weltkarte. Die Vielfalt der verschiedenen Landschaften in der Schweiz – mit Bergen, Seen, Feldern, Stadtgebieten, Hügeln und vielem mehr – ist etwas, was man in Singapur nicht hat. Ebenfalls verzichten muss man auf die Jahreszeiten, weil Singapur nur gerade ein Grad nördlich vom Äquator liegt. Wir haben jeden Tag zwölf Stunden Tag und zwölf Stunden Nacht. So kann man zwar keinen langen Sommerabend mit Sonne bis 22 Uhr geniessen, dafür geht aber im Dezember die Sonne nicht auch schon am Nachmittag unter. Dennoch vermisse ich hier in den Tropen manchmal einen richtig schönen Herbsttag mit faszinierenden Farben in den Wäldern und auch einen Skitag bei stahlblauem Himmel und tollen Schneeverhältnissen.

 

Was könnten die Schweizer von der Singapurer Kultur lernen?

Aufgrund der Tatsache, dass hier in Singapur viele Leute mit verschiedenen Rassen und unterschiedlichen Religionen auf engem Raum friedlich und in Harmonie zusammenleben, würde ich sagen, dass einige Schweizer von Singapurern lernen könnten, etwas weltoffener durch das Leben zu gehen.