Kultur | 02.05.2011

Zurück mit Krach und Gitarre

Text von Christine Albrecht | Bilder von PD
Die Foo Fighters sind wieder da und zwar genauso wie wir sie in Erinnerung hatten: laut. Ganz unter dem Motto "Back to the roots" veröffentlichten die Rocker ihr nach eigenen Angaben bislang "heftigstes und bestes Album" namens "Wasting Light".
Wasting Light: Dave Grohls Rückkehr zu alten Stärken und alten Freunden.
Bild: PD

Über das neue Werk der Foo Fighters wurde viel geredet. Die Erwartungen schossen in die Höhe und die Kritiker hatten ihre Lobeshymnen wohl schon schreibfertig auf dem Pult. Erwartungen und Vorfreude waren also beträchtlich. Keine leichte Aufgabe für die Amerikanische Überband. Dass sie die Aufgabe bravourös gemeistert haben, überrascht eigentlich niemanden. Die Jungs, Pardon, Herren um Dave Grohl melden sich mit Wasting Light mit viel Getöse zurück.

 

Musik aus der Garage

Entgegen dem Trend zum elektronischen Computer-Rock verzichtete die Band auf das hauseigene Aufnahmestudio von Dave Grohl und führte die Aufnahmen in dessen Garage durch.Kinderspielzeug musste Mischpulten und Instrumenten weichen. Die Foo Fighters nahmen ihr siebtes Album wie in den guten alten Zeiten auf Tonband auf, komplett analog. Das Risiko, auf dem Album nicht perfekt zu klingen, nahmen die Musiker in Kauf. Mehr noch: “Mein Bart wird grau, meine Schamhaare werden grau… Wir sehen nicht perfekt aus und das Album klingt auch nicht perfekt”, so Grohl in einem Interview mit der deutschen Musikzeitschrift “Musikexpress”, “wir stehen zu unseren Schwächen.” Genauso klingt auch ihr musikalisches Werk – unglamouröse, aber ehrliche Rockmusik.

 

Wie in alten Zeiten

Nirvanafans werden ihre Freude an Wasting Light haben: Butch Vig sass hinter dem Mischpult. Der Mann, der seiner Zeit auch für Nevermind mitverantwortlich war. Zugleich ist auch Pat Smear erstmals seit The Colour and The Shape wieder offiziell Mitglied der Foo Fighters. Und auf dem Track “I Should Have Known”, dem gleichzeitig emotionalsten Stück auf der CD, zupft kein geringerer die Basssaiten als Kris Novoselic, mit dem Grohl erstmals seit Nirvanazeiten wieder zusammen arbeitet.

 

An der Musik hat sich nicht viel verändert, die Bandmitglieder sind wohl älter, aber nicht leiser geworden. Musik spielt zwar nicht mehr die Hauptrolle in deren Leben mit Frau und Kindern. Nichtsdestotrotz prägen immer noch schmetternde Gitarrenriffs und beeindruckende Schlagzeugsoli das Bild.  Stücke wie “Ropes”, “Dear Rosmary” oder “Bridge Burning” empfangen den Hörer mit altbekannter Foo Fighters-Musik; Laut und rockig, sodass Chiropraktiker wohl nie um ihren Beruf bangen müssen.

 

Tourist am falschen Ort

Kurz vor Schluss der atemberaubenden Reise durch das neue Album, fand mit “I Should Have Known” ein sehr emotionaler und persönlicher Song den Weg auf die CD. Im Lied soll sich Grohl erstmals zum Tod seines früheren Bandmitglieds Kurt Cobain äussern. Man fühlt sich fast ein bisschen als sensationsgeiler Tourist, der bei einem so persönlichen Moment fehl am Platz zu sein scheint.

 

Der stadionrockwürdige Song “Walk” beendet das Album mehr als ehrwürdig. Ein Titel, der Lust auf mehr macht und hoffen lässt, dass die Foo Fighters nicht müde werden, die Welt noch weiter mit ihren Gitarrengewitter zu erfreuen. Songzeilen wie “I never wanna die / I’m learning to walk again can’t you see / I have waited long enough/  Where do I begin” sprechen ganz dafür, dass die Foo Fighters noch lange nicht daran denken, ihren Rockthron zu räumen.