Politik | 10.05.2011

Wie viel zahlt man für die Alternative?

Am Samstag trafen sich 56 Jugendliche in St. Gallen zur 24. Jugendsession. Gemeinsam diskutierte man über aktuelle politische Themen, um am Ende des Tages eigene Forderungen an das Kantonsparlament zu stellen. Acht von elf dieser Forderungen nahmen die Sessionsteilnehmer in der Schlussabstimmung an.
Die meisten Forderungen fanden Zustimmung im Plenum. Auch beim Mittagessen hörte die Diskussion nicht auf.
Bild: Christoph Graf/jupasg.

Die Teilnehmer der Jugendsession verloren keine Zeit. Nach der Begrüssungsrede der Regierungsrätin Karin Keller-Sutter verteilten sie sich sogleich auf die zahlreichen Workshops. Zur Auswahl standen Themen wie Jugendgewalt, Download oder Gesundheitspolitik.-¨ Im Workshop Gesundheitspolitik ging es darum, ein Statement für die anstehende Abstimmung über die Spitalrenovationen im Kanton St. Gallen zu formulieren. Mit dem Gesundheitsexperten Andreas Hartmann zusammen diskutierte man zu aller erst über die Kosten, die das schweizerische Gesundheitswesen verursacht. Dort war man sich schnell einig, dass unser Gesundheitssystem das zweitteuerste auf der Welt ist. Man erhalte jedoch erhalte einen guten Gegenwert.

 

In der Diskussion über allfällige Kosteneinsparungen kam man auf die Idee, die Taggeld- und Krankenkasse zusammenzulegen um den dortigen Interessenkonflikt zu unterbinden. Die Taggeldkasse, welche den Lohnausfall eines Arbeiters bei einer Erkrankung ausgleicht, ist daran interessiert, einen Patienten möglichst schnell zu behandeln. Dabei spielen die Behandlungskosten selber keine grosse Rolle. Bei der Krankenkasse liegt das Interesse darin, die Behandlung selbst möglichst günstig zu machen. Dabei spielt die Länge der Behandlung keine grosse Rolle. Wenn die beiden Kassen zusammengelegt werden, würde immer der günstigste Weg genommen werden. Je nach Fall bedeutet das eine längere Behandlungszeit und einen längeren Arbeitsausfall oder umgekehrt.

 

Die Diskussionen gehen weiter

Während dem Mittagessen diskutierten die Teilnehmer die Themen des Vor- und Nachmittags und tauschten Meinungen aus. Nachdem der Salat und die belegten Brote verspiesen waren, machte man sich langsam wieder auf den Weg in Richtung Kantonsratssaal. Dort wurden alle in Diskussionsgruppen eingeteilt. Es standen Themen wie Kernkraft, Raser oder Integration zur Auswahl.

 

Ausstieg nötig

In der Diskussionsrunde zur Kernenergie anwesend waren Sabine von Stockar von der Energie-Stiftung Schweiz, die für einen schnellen Ausstieg aus der Kernkraft eintritt, sowie der Physikstudent Claudio Bruderer, der die AKWs momentan weiter betreiben will. Von Anfang an stand fest, dass man früher oder später aus der Kernenergie aussteigen muss. Dies vor allem wegen den vielen Risiken und dem ungeklärten Problem, wie man den Atommüll sicher lagern soll. Für den Ausstieg aus der Kernenergie braucht es aber eine alternative Energiequelle, um den Bedarf an Strom weiterhin abzudecken. Die grosse Frage war auch bei diesem Thema, welchen Preis man für die Alternative bezahlen will. Am Ende der Diskussion stand fest, dass die Kernenergie nur eine Übergangslösung sein kann und daher so schnell wie möglich von einer anderen Energie abgelöst werden soll.

 

Abstimmungen und Schlussworte

Am Ende des Tages versammelten sich alle Teilnehmenden nochmals im grossen Kantonsratssaal, um die in den Workshops erarbeiteten Forderungen kurz zu besprechen und darüber abzustimmen. Das Jugendparlament nahm schlussendlich acht von elf Forderungen an, darunter auch das Statement zu den Spitalrenovationen. Unklare oder nicht umsetzbare Forderungen, wie eine elektronische Identitätsüberprüfung bei sozialen Netzwerken, wurden bei den Abstimmungen verworfen. In der Schlussrede erklärte Nationalrätin Hildegard Fässler, dass man für Politik viel Geduld und Durchhaltewillen brauche, um seine Ideen durchzubringen. Nach der intensiven Session konnten die Jugendlichen dem nur zustimmen.

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