Kultur | 23.05.2011

Wackliger Boden

Text von Mathias Schaub
Die Band Interpol ist um ihren Bassisten ärmer. Carlos Dengler hat die Band hinter sich gelassen. Ein Ersatz ist gefunden, doch irgendetwas ist anders an der Musik der Band.
Wenn die Musik nicht mehr stimmt.

“Ach ja, Interpol. Das ist doch diese langweilige monotone Band aus New York?!” Auch ich dachte einmal so. Der Sound von Interpol ist jedoch alles andere als langweilig. Monoton – ja! Dies macht jedoch genau die einzigartige Stimmung aus, die sie zu vermitteln wissen. “I will surprise you sometime. I’ll come around when you’re down.” Die Textzeile aus dem Song “Untitled” von Interpols Debutalbum “Turn On The Bright Lights” trifft genau ins Schwarze, beim Versuch die Musik von Interpol zu beschreiben. Was diese vier Männer aus New York kreieren, ist nichts für fröhliche, sonnige Gemüter. Interpol zelebrieren Schmerz und innerliche Zerrissenheit, geben dem Zuhörer aber zum Schluss immer wieder den nötigen Funken Hoffnung mit auf den Weg. Die Band scheint zu sagen: Nicht nur du bist verlassen worden, aber unser Leben geht trotzdem weiter. “It’s up to me now turn on the bright lights, got to be some more change in my life”.

 

Versunken

Riesig war die Vorfreude auf das Konzert, endlich die Band live zu erleben, die mir schon seit Monaten nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Mit rund 1’800 Besuchern war der Komplex 457 gut gefüllt und die Vorfreude auf die Band aus New York war im Publikum spürbar.

 

Zuerst beehrte uns jedoch noch der New Yorker “Matthew Dear” mit seinem Wave-Electro-Funk-House-Irgendwas auf der Bühne. Gefiel mir sehr gut, würde sich bestimmt auch gutspät in der Nacht im Line-Up eines Openairs machen. Nach einer kurzen Pause kamen die fünf Musiker von Interpol auf die Bühne. Nun hiess es Augen zu und im Sound versinken. Gestartet wurde mit dem langsam, schleppenden “Success” vom aktuellen Album “Interpol”, gefolgt vom preschenden “Say Hello To The Angels”.  Der Start ist geglückt und das Publikum begeistert. Die Drums schlugen haarscharf und präzise ins Gehör und die Gitarren schlängelten sich mal leichtfüssig, mal schwermütig durch jeden einzelnen Song.

 

Etwas fehlt

Doch etwas war hier faul, denn an diesem Abend stand keine richtige Band auf der Bühne. Wie befürchtet war der Weggang von Bassist Carlos Dengler nicht zu überhören. Sein Ersatzmann spielte zwar fehlerfrei, doch fehlte die nötige Prägnanz und Dynamik in seinem Bassspiel um die eitlen Bassläufe Denglers wiederzugeben. Dies führte dazu, dass die Songs häufig den Boden unter den Füssen verloren und irgendwo im Raum schwebten. Alles in Allem war es kein schlechtes Konzert, die Zukunft von Interpol, ohne Carlos Dengler, steht meiner Meinung nach jedoch auf unsicherem Grund.