Sport | 02.05.2011

Tink.ch spielt Pingpong

Text von Silvan Gisler
Samstag, 30.April 2011, 12 Uhr: Der Tink.ch-Reporter trifft sich mit einem Herausforderer im Stadtpark Winterthur, um sich für das Tischtennisturnier Ping In warmzuspielen. Damit man mit dem Schläger keine schlechte Falle macht, werden Handgelenke und Nerven eine Stunde vor dem Wettbewerb warm trainiert. Um 13 Uhr macht Tink.ch sich dann auf zum Turnier, es wartet ein Tag voller Spiel und Spass.
Pingpong im alten Areal von Sulzer in Winterthur. Der Schweiss bleibt den Hallen aber auf alle Fälle erhalten. Fotos: Silvan Gisler

Kultur und Sport statt Industrie

Das Turnier findet im obersten Stockwerk der City Halle statt, einem ehemaligen Industriegebäude. Das Gebäude wurde 1931 von der Firma Sulzer erbaut. Dort, wo früher das Zentrum der Winterthurer Industrie beheimatet war, befindet sich nun ein Musical sowie zusätzlichen Hallen, die gemietet und für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden können. Heute steht dort nun Pingpong auf dem Programm: Tisch um Tisch reihen sich aneinander, an der Bar tummeln sich die ersten Leute und die bereits beachtliche Geräuschkulisse von aufprallenden Pingpong-Bällen könnte Teil einer grossen Perkussionsshow sein.

 

Mögen die Spiele beginnen

Um 14 Uhr beginnt dann der Ernst des Spassturniers. Gespielt werden eine Männer- und eine Frauenmeisterschaft sowie ein gemischtes Doppel. Zur Teilnahme erlaubt sind nur Amateure, also nicht-lizenzierte Spieler. Bei den Männern treffen in der Vorrunde je 6 Spieler aufeinander, die besten 3 kommen in die Zwischenrunde weiter. Das Niveau ist bei beiden Geschlechtern recht beachtlich. Tink.ch kämpft denn auch heroisch, muss sich jedoch leider bereits nach der Vorrunde mit der Rolle des Zuschauers abfinden. Doch auch das Zuschauen bereitet grosses Vergnügen, sieht man doch so manch packenden Match. Fussball kann einpacken. Die Spiele sind geprägt von einer Mischung aus sportlichem Ehrgeiz, Fairness und Spielfreude. Der Spassfaktor steht an erster Stelle, wie auch Matthias Fellmann, einer der Organisatoren, betont. Überhaupt ist die Atmosphäre angenehm und unkompliziert. Mit kühlem Bier von der Bar lässt sich die Zeit vertreiben und für die Ausgeschiedenen und Zuschauer stehen Tische bereit für Spiele abseits des Turniermodus.

 

Tischfreundschaften

Hinter dem Anlass steht die Organisation pingthing. Tink.ch konnte mit einem ihrer Gründer, Mattthias Fellmann, sprechen. Bereits seit 2003 organisieren Matthias Fellmann und Tobias Stücheli in Luzern Pingpong-Turniere. Was im privaten Kreis begann, weitete sich zusehends auf ein grösseres Publikum aus. Die Turnier-Idee war ursprünglich für draussen gedacht. Zu viele öffentliche Pingpongtische würden nicht genützt, so die Meinung der Veranstalter. es gebe schlicht zu viele nicht genutzte öffentliche Pingpong Tische. Aufgrund des Wetters sei dies jedoch so nicht durchführbar. Diese Ping In’s werden mittlerweile neben Luzern auch in anderen Schweizer Städten durchgeführt, sind vor allem für Leute aus diesen Regionen gedacht und werden immer von lokalen Personen organisiert. Diese seien von alleine auf pingthing zugekommen. Im Vordergrund der Turniere stehe klar der Spielspass. Die Teilnehmer wären zudem grundsätzlich eher offen eingestellte Menschen. Ping In sei denn auch eine gute Gelegenheit, neue Leute kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

 

 

Die PingIn-Turniere machen nur einen Teil von pingthing aus. Jedes Jahr wird ein Kurzfilm realisiert, in dem es um das Thema Pingpong geht und letztes Jahr wurde ein Weltrekord im Tischtennis-Rundlauf aufgestellt: 509 TeilnehmerInnen nahmen in Luzern daran teil. Seit 2009 gibt es zudem das Ping Open in Luzern und mittlerweile auch in den Städten Basel, Bern, La Chaux de Fonds, Schaffhausen, Winterthur, Zug und Zürich. Das Ping Open ist eine Tischtennismeisterschaft, in der man sich innerhalb der Regionen zu einem Spiel trifft. Auch hier sind nur Amateure zugelassen. Das System ist einfach: Man fordert einen anderen Spieler aus der Umgebung heraus und trifft sich zu einem verabredeten Zeitpunkt zu einem Spiel. Das Resultat trägt man anschliessend ein. Die Registrierung erfolgt über die Website spood.me, wo auch die Resultate eingeschrieben werden. Spood.me entwickelte sich aus pingthing heraus und ist mittlerweile auch Plattform und Meisterschaftssystem für weitere Sportarten wie zum Beispiel Badminton, Tennis und Boules. Das nächste Projekt von Spood.me sei die Integration von Mannschaftssportarten.

 

Revival

Pingpong scheint sich in letzter Zeit einer wieder steigenden Popularität zu erfreuen. Kann man von einem Revival sprechen? Ja, meint Matthias Fellmann und sieht mögliche Gründe für die Beliebtheit des Pingpongs darin, dass es jeder von uns schon mal  gemacht hat und es wenig Vorbereitung braucht.

Das Turnier in Winterthur neigt sich mittlerweile dem Ende zu und die Spannung steigt. Im Männerfinal stehen der Titelverteidiger aus Winterthur und ein Herausforderer aus Zürich. Der Match geht zu Gunsten des Herausforderers aus. Die zahlreichen Zuschauer des Finals applaudieren und schlussendlich kann jeder ein positives Fazit aus dem Turnier ziehen.

Pingpong scheint sich als Alltagskultur wieder zu verbreiten und pingthing/spood.me dabei einer der wichtigen Exponenten zu sein. So wird schliesslich auch in anderen Sportarten eine neue Spielkultur geschaffen. Das tönt innovativ, das tönt interessant und das wird in den nächsten Jahren sicher noch von sich hören lassen

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