Kultur | 09.05.2011

Schwebend

Text von Mathias Schaub
Lange waren Deerhunter "nur" ein Geheimtipp in Indiekreisen nun haben sie den Rock-Olymp erklommen. Bewiesen wurde dies mit einer grossartigen Show in der Roten Fabrik.
Nehmen dich mitten in Zürich mit in den Weltraum. Die Indieband Deerhunter.

 

Come with me

Schon beim Hören von Platten von Deerhunter ertrinkt man, im postiven Sinn in ihrem Sound und wird in Trance versetzt. Ihr neustes Werk “Halcyon Digest” landete somit auch in zahlreichen Bestenlisten des Jahres 2010. Was diese Band jedoch in der Roten Fabrik bot war Livemusik auf höchstem Niveau. Schon der erste Song flutete den Raum mit ihren sphärischen Sounds und beförderte das  Publikum auf eine unvergesslichen Trip in ihr eigens Universum. “Walking free, come with me. Far away, every day”. Die meisten Songs begannen zurückhaltend, aus der Ferne kommend, steigerten sich zum Schluss jedoch immer in ein wildes Gitarrengewitter.

 

Wand aus Musik

Der von einer seltene Erbkrankheit gezeichnete, spindeldürre Frontmann Bradford Cox und seine Mitstreiter schickten gekonnt Instrumente und Stimmen durch zahlreiche Effekte und Loops, es entstand eine einzigartige “Wall of Sound” die wahrscheinlich sogar einen Vergleich mit My Bloody Valentine gewonnen hätte. Eine perfekte Mischung zwischen Ambient, Indie, Shoegaze und Postpunk, verpackt in melodiösen Songs wurde an diesem Abend geboten

 

 

Zeitlos

Mein Zeitgefühl verlor sich völlig im nebelverhangenen Soundgewitter, so dass nach einer gefühlten Dreiviertelstunde schon Schluss war. Anscheinend dauerte der Trip jedoch über 90 Minuten. Deerhunter hinterliess ein begeistertes Publikum im gut gefüllten Clubraum der Roten Fabrik. Karen O von den “Yeah Yeah Yeahs” bezeichnete  die Liveshows von Deerhunter einmal als “a religious experience”. Ich kann diesem Statement nur zustimmen.

 

 

Fast perfekt

Einziges Manko an diesem Abend war das zum Teil unpräzise Spiel des Drummers, er schien sich vom schummrigen Sound mitreissen zu lassen und verlor sich häufig in unpräzisen Rhythmen. Die Messlatte für mein eindrücklichstes Konzerterlebnis im Jahr 2011 ist dennoch gesetzt, wir werden sehen, ob jemand Deerhunter vom Thron zu stossen vermag. Noch beim Nachhauseweg schwebten die verschwommenen Soundfetzten in meinem Kopf und begleiteten mich in den Schlaf.

Nicht vergessen zu erwähnen darf man die Vorband “Lower Dens”, welche einwandfrei die Bühne für Deerhunter aufwärmte. Ihre Stücke waren vielleicht noch ein bisschen skizzenhaft, ich bin mir jedoch sicher, dass man von dieser Band auch noch in Zukunft hören wird.

Links