Gesellschaft | 09.05.2011

Obama löst Clintons undankbare Aufgabe

Die Liquidierung von Osama bin Laden lässt die Umfragewerte von US-Präsident Barack Obama in die Höhe schnellen. Der öffentliche Eindruck Obamas als "Zögerling" in Sachen Terrorbekämpfung wird sich kaum noch halten können. Nicht nur Obamas Vorgänger George Bush hätte diesen Erfolg gut gebrauchen können, sondern auch Bill Clinton.
Bill Clinton kann auf eine erfolgreiche Präsidentschaft zurückblicken. Beim Thema Terrorismus und Osama bin Laden jedoch musste er viel Kritik einstecken.
Bild: Wikimedia Creative Commons

Als Präsident Bill Clinton 2001 das Oval Office als 42. Präsident der USA verliess, war der Name bin Laden noch kaum in der Öffentlichkeit bekannt. Man wusste zwar aus Geheimdienstkreisen, dass bin Laden als Drahtzieher hinter den Anschlägen auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia 1998 und den Zerstörer USS Cole im Jahr 2000 stehen könnte, aber ausserhalb des Weissen Hauses interessierte Osama bin Laden kaum jemanden.

 

Mit den Terroranschlägen vom 11. September erfuhr die öffentliche Meinung dann eine 180 Grad-Wende, der Name des Terrorführers war nun in aller Munde. In Windeseile erliess der neue Präsident Bush nach der Legitimierung durch den UN-Sicherheitsrat den Angriffsbefehl auf Stellungen der Taliban in Afghanistan. Und schon bald nach der langsam wieder eingekehrten allgemeinen Beruhigung kamen erste Fragen auf: Wieso konnte bin Laden nicht gefasst werden? Warum wusste man so wenig über die Pläne der Al-Kaida? Die Diskussion gipfelte in dem berühmt-berüchtigten Interview des Journalisten Chris Wallace mit Bill Clinton auf Fox News Sunday vom 24. September 2006.

 

“Kleine Attacke von rechts”

Als “nice little conservative Hitjob”, eine “kleine Attacke von rechts auf meine Person”, bezeichnete Clinton das Fragendossier von Wallace nach der Hälfte des Interviews. Die Grundkritik des republikanisch ausgerichteten Senders Fox, der zur “News-Corporation”, dem Konzern des Medienriesen Rupert Murdoch gehört: Präsident Clinton habe während seiner Amtszeit durch seine misslungenen Militäroperationen in Somalia 1993 den terroristischen Gruppen weltweit die “Feigheit und Schwäche Amerikas” offenbart – so zitierte Wallace aus Aufzeichnungen bin Ladens. Clinton habe zudem die Jagd nach bin Laden zu wenig intensiviert.

 

Aus den darauffolgenden Antworten des deutlich echauffierten Ex Präsidenten gehen zwei Hauptaussagen hervor: Bill Clinton war der erste amerikanische Präsident, der mit der konkreten Person bin Ladens als Bedrohung für die nationale Sicherheit zu tun hatte und der um bin Ladens Neutralisierung bemüht war. Ausserdem sind ebenjene Bemühungen, bin Laden zur Strecke zu bringen, in Geheimdienst- und Militärkreisen zu jener Zeit stark abgelehnt, von der politischen Gegnerschaft der “Neokonservativen” sogar belächelt worden. Die politische Elite in Washington verstand anscheinend nicht, wie Clinton in bin Laden eine derartige Bedrohung sehen konnte. Sowohl die Einmarschpläne für Afghanistan, die nach dem Anschlag auf die USS Cole im Jahr 2000 bereitstanden, als auch der Tötungsbefehl, der schon einige Jahre früher erlassen wurde, stiessen auf Unverständnis. “All diese Leute, die mich jetzt attackieren und sagen, ich hätte zu wenig getan (um bin Laden zu stoppen, Anm. d. Red.) sagten damals, dass ich zu viel dafür tat”, fasste der Ex-Präsident zusammen.

 

Wende nach 9/11

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon änderte sich die Situation schlagartig. Die Bedrohung, die von bin Laden ausging, war allem Anschein nach doch ernster als angenommen. Nahezu alle militärischen und geheimdienstlichen Operationen von Präsident Bush wurden stillschweigend oder bejahend gutgeheissen, darunter die militärische Zusammenarbeit mit der afghanischen Nord-Allianz, die Errichtung des Gefangenenlagers auf Guantánamo Bay oder der Drohnen-Einsatz im souveränen Nachbarstaat Pakistan. Doch auch diese ausgedehnte Menschenjagd brachte nicht den erwarteten Erfolg. So durfte sich auch Präsident Bush nicht mit den Anti-Terror-Lorbeeren schmücken. Von Clintons Seite aus mag das, böse gesagt, wie eine Genugtuung ausgesehen haben, denn Bush wurde von Clinton hart dafür kritisiert, dessen Afghanistan-Pläne nach Amtsübernahme im Januar 2001 nicht weiterverfolgt zu haben und obendrein noch den respektierten Top-Berater für Terrorismus im Weissen Haus, Richard Clarke, beruflich zurückgestuft zu haben.

 

Nun, knappe zwanzig Jahre nach dem Auftauchen des Namens bin Laden auf der Liste der Staatsfeinde der USA, gelingt es Präsident Obama, die undankbare Aufgabe Clintons zu lösen. Nun hat Obama hat gute Chancen, als demokratischer Präsident den von Clinton zuvor angestrebten Status des “Terroristenjägers” tatsächlich zu erhalten und somit dessen lange Odyssee zu beenden.

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