Kultur | 02.05.2011

“Nicht verstehen, aber spüren”

Text von Andrea Grossenbacher | Bilder von zVg
Seit zehn Jahren lebt die mosambikanische Sängerin Nilsa mit Partner und zwei Kindern in der Schweiz. Nach einer fünfjährigen Pause ist letztes Jahr ihr zweites Soloalbum erschienen. Kürzlich zog sie in Bern das Publikum mit einer Mischung aus afrikanischer Gelassenheit, Energie und Lebensfreude in ihren Bann. Tink.ch erzählte sie nach dem Konzert, wie sie zur Musik und damit in die Schweiz kam.
Ein Musikprojekt für Jugendliche brachte die heute 29-jährige Nilsa in Mosambik zu ihrer ersten Band.
Bild: zVg

Mit einer halben Stunde Verspätung tritt Rolf Mosele, Gitarrist und Ehemann von Nilsa, vor das Mikrofon und ruft die kleine, aber energiegeladene Mosambikanerin auf die Bühne. “Madrugada” heisst das erste Stück, Morgendämmerung. Den meisten Zuhörern im Musikbistrot dämmert es nach diesem Lied, dass sie bei diesem Konzert wohl nicht sitzen bleiben werden. “Hoi zämä! Dr Summer isch da!”, ruft die Sängerin Nilsa mit kräftiger Stimme ins Publikum, worauf sie das nächste Lied mit denselben Worten anstimmt.

 

Dieses Mal auf Portugiesisch. “In ein paar Songs kommen ein paar deutsche Wörter vor”, meint Nilsa zur Frage, ob sie es sich vorstellen könnte, auf Deutsch zu singen. “Ich bin jetzt zehn Jahre in der Schweiz, ich denke auch auf Deutsch, das wird schon kommen. Ich weiss nur nicht, ob es gut klingen wird”, fügt sie lachend hinzu. Alle Lieder ihres neuen Albums “Aphale” singt sie in ihrer Muttersprache Portugiesisch, offizielle Landessprache Mosambiks, oder in Cena, der traditionellen Sprache der Region Beira, in der Nilsa aufgewachsen ist.

 

Die Musik und die Liebe

Die Karriere der Sängerin begann vor über zehn Jahren im Rahmen eines Schweizer Musikprojekts für Jugendliche in Beira, Mosambik. Nilsa überzeugte damals mit ihren Raps und wurde Mitglied der Rap-Band “Djovana”. Es folgten Konzerte in der eigenen Heimat und bald auch Auslandstourneen, welche Nilsa 1997 schliesslich zum ersten Mal in die Schweiz führten. Dort hat sie ihren Mann kennengelernt. “Ich habe gewartet, bis die Schule fertig ist, und wegen der Liebe bin ich dann in die Schweiz gekommen”, erzählt die zweifache Mutter. “Zum Glück machen wir beide Musik. Und Rolf kennt viele Musiker.” Zusammen mit zwei Schweizern und einem Deutschen haben sie und weiter Musik gemacht, Rolf ist auch der Produzent: “Ich lerne viel von ihnen, sie sind professionell – ich nicht”.

 

Es ist wahrhaftig ein Glück, dass Nilsa und Rolf Mosele weiter zusammen Musik machen, wie das Album “Aphale” mit einer Mischung aus Reggae, Pop, Hiphop, Rock und afrikanischen Grooves eindrücklich beweist. Der Titel des Albums ist laut Homepage nach einem Lied benannt, in dem es um einen Heiratsantrag geht.

 

Bewegte und bewegende Musik

Im Musigbistrot reisst Nilsas Band, bestehend aus Rolf Mosele an der E-Gitarre, Booxy Aebi an den Drums, Pascal Kaeser am Bass, Thomas Bauser am Keyboard und einem Gastmusiker an den Trommeln, das Publikum selbst in den letzten Reihen von den Stühlen. Nilsa steigert sich von Song zu Song, wechselt ab zwischen aggressiven, fröhlichen und sanften Tönen. Von der Aussichtslosigkeit der mosambikanischen Jugend (“Quarto escuro”) über den weltweiten Schlankheitswahn und über Männer, die den Frauen alles vorschreiben wollen (“Eu So Como So”), bis zu Mutterglück, Babyblues und gescheiterten oder geglückten Beziehungen: Nilsa erzählt während zwei Stunden Geschichten aus dem Leben. “Manchmal, wenn nur geschrieben steht: ‘Konzert von Nilsa aus Mosambik mit Afro-Pop und Hiphop’, verstehen die Leute nicht genau, was das sein könnte”, sagt Nilsa. “Aber wenn sie kommen, ist das Konzert lebendig, es ist ein Kontakt da, das Publikum macht mit. Sie müssen mich nicht verstehen, aber sie sollen mich spüren.”

 

“Was ich immer gemacht habe, afrikanische Musik, ist immer noch da. Aber ich mache nicht nur afrikanische Musik, es ist ein Gemisch”, erklärt Nilsa ihren Stil. Die Sängerin aus Mosambik zeigt mit ihrer eindrücklichen Stimme und einem eigenwilligen Stil, dass Musik bewegen kann auch ohne, dass sie wortwörtlich verstanden wird.

 

Das 2010 erschienene Album “Aphale” ist über den iTunes Store oder auf Nilsas Homepage erhältlich. Auf der Homepage sind zudem alle zukünftigen Konzertdaten aufgelistet.