Gesellschaft | 25.05.2011

Internet – Vehikel der Integration

Text von Miriam Hetzel | Bilder von Nathanael Blain
80 Prozent der Migranten nutzen das Internet regelmässig. Dort sollen sie nun einfach und verständlich an Informationen über ihre neue Heimat kommen. Indem die Gemeinden zusammen mit dem Projekt conTAKT-net, Einheimischen und Migranten ihre Webseiten überarbeiten, sollen sich Neuankömmlinge schneller zurechtfinden.
"conTAKT-net ist ein Integrationsprojekt für alle."
Bild: Nathanael Blain

Auf welchen Grundpfeilern und Werten basiert conTAKT-net?

Luzia Kurmann: Es sind Werte, die mit den menschenrechtlichen Prinzipien im Einklang sind, wie zum Beispiel das Mitgestaltungsrecht, die Gleichwertigkeit der Individuen, das Recht auf Geselligkeit. Diese Werte sind auch das Innovative bei conTAKT-net.

 

Mit Ihrem Projekt leben Sie Zusammenarbeit und Integration vor. Was haben Sie damit für Erfahrungen gemacht?

Sehr gute. Und ich bin nicht die Einzige, welche sehr gute Erfahrungen damit gemacht hat. Dieser Meinung sind auch alle Beteiligten, von den Migranten, über die Behördenmitglieder und den Leuten aus der Verwaltung bis hin zu den Experten. Leute aus ganz unterschiedlichen Ecken des Alltags beschreiben das Projekt als positive Erfahrung. Auch weil man oft zum ersten Mal auf Augenhöhe miteinander arbeitet. Das Projekt ist so angelegt, dass diese Gleichwertigkeit von Meinungen und Arbeitsweisen “gelebt” wird.

 

Es dient auch dazu, Hemmschwellen abzubauen?

Ja. Und das meine ich nun absolut nicht abschätzig, aber manchmal ist man so in seinem “Gärtli”, in seiner Arbeitswelt drin. Es gibt Leute aus der Behörde oder der Verwaltung, die am Ende sagen: “Ich glaube, ich habe zum ersten Mal mit einem Migranten oder einer Migrantin gesprochen.” Und das zu hören, fühlt sich wunderbar an.

 

Welchen Gemeinden würden Sie conTAKT-net empfehlen?

Allen natürlich. Das Ziel von conTAKT-net ist, Zuwanderern Informationen über ihre Gemeinde auf der lokalen Webseite  bereitzustellen, welche ihnen helfen sollen, sich sofort in der Gemeinde zurechtzufinden, und welche ihnen den Einstieg in den Ort erleichtern. Und das sollte an allen Orten geschehen.

 

Wie zufrieden sind sie mit den bisher erzielten Erfolgen?

Also, wenn ich das als Projektleiterin sage, hoffe ich, man glaubt mir. Wie erwähnt: Es sagen alle, dass sie sehr gute Erfahrungen machen mit conTAKt-net. Und zwar auf menschlicher sowie inhaltlicher Ebene. Was auch toll ist, ist die Vernetzung in den Gemeinden mit conTAKT-net. Die Leute aus den Arbeitsgruppen kennen sich, treffen einander. Es geht auch darum, Freundschaften zu pflegen.

 

Sie sprechen von Integration als gegenseitigen Nutzen. Würden Sie auch Schweizer Gemeindemitgliedern empfehlen, Internetseiten zu nutzen, die mit Hilfe von conTAKT-net erstellt worden sind?

Wenn man es sich so überlegt, ist conTAKT-net gar kein Integrationsprojekt für Migranten und Migrantinnen. Es ist ein Integrationsprojekt für alle. Es ist für die ganze Wohnbevölkerung der ganzen Gemeinde.

 

Ist “Integration per Internet” nicht ein wenig idealistisch?

Das ist eine legitime Frage. Der Computer ist nicht der Ort, an dem man sich integriert. Er ist ein Vehikel, das bei der Integration hilft. Um sich selbstbewusster, kompetenter und gut informiert in ein Feld hineinzubegeben, das zuerst schwierig zu erfassen ist. Was sind für Möglichkeiten da und an wen muss ich mich wenden? Oder wo zum Beispiel finde ich Jugendgruppen? Es ist einfach wichtig, dass man weiss, wo oder bei wem man erste Informationen einholen kann. Und dann fängt es schon an: Gespräche, machen, tun. Das Internet bringt den Verständigungsprozess ins Rollen, es ist ein Anschub.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft von conTAKT-net?

Wenn mich ein Jugendmagazin wie Tink.ch so etwas fragt, dann denke ich, es wäre eine Gelegenheit für die Jugendlichen, sich einzubringen. Und ich wünsche mir natürlich die Nachhaltigkeit des Projekts, ein langes Leben für conTAKT-net.