Kultur | 16.05.2011

Indieband aus Bern steigt auf – nicht nur in die Berge

Mit Labrador City ist nicht die kleine kanadische Stadt gemeint, sondern die vier rapid aufstrebenden Berner Musiker Moritz, Niklas, Dominique und Marc. In vier Jahren brachte es die ehemalige Schülerband bis zum eigenen Label und zur ersten EP, die an einem ungewöhnlichen Ort entstanden ist.
Naturaufnahmen: Niklas Stettler (Gitarre) und Marc Hofweber (Bass, Sythesizer) in Isenfluh im Berner Oberland, wo die erste EP entstanden ist.
Bild: zvg Das Quartett komplettieren Moritz Stettler (Drums) und Dominique Knuchel am Bass (nicht auf dem Bild).

Vor gar nicht langer Zeit tauften Labrador City ihre erste EP “Volcano” in der Dampfzentrale in Bern. Zusammen mit der Band Must have been Tokyo machten sie am selben Abend auch die Gründung des eigenen Labels “Oh, Sister” offiziell. Moritz Stettler ist Schlagzeuger von Labrador City und beendet diesen Sommer seine Lehre als kaufmännischer Angestellter. “Wir wollten nicht einfach zu irgendeinem Label, so kamen wir auf die Idee, selber eines zu kreieren”, berichtet er. Es klänge halt schon gut, wenn man von ‘Oh, Sister’, dem eigenen Label sprechen könne. “Natürlich dient es hauptsächlich unserem Image, aber wir sind nicht so top organisiert bis jetzt.”

 

Unter ihrem Label läuft nicht nur die Eigenproduktion der Musik, sondern auch jene von Grafik und Videos. Dies betont die Band besonders, da es meistens sehr gut ankomme bei den Leuten. Nik, der Bruder von Moritz, ist Grafiker und kann sein Können gut investieren ins ganze Layouten und Gestalten. Unterstützt wird er von Vinzenz Meyner und dem Grafikbüro “Foederation”.

 

“Ein sehr teures Hobby”

Angefangen hat alles als Schülerband. Die Brüder Niklas und Moritz treten mit einem Bassisten, der später aussteigt, oft an Jugendtreffpartys auf. Marc, ein Vollzeitmusiker, der unter anderem mit dem Berner DJ-Set Round Table Knights unterwegs ist, stösst erst später zu den zwei Brüdern. Dominique, die Linguistik an der Uni Bern studiert, ergänzt das Trio mit ihren Basskünsten hervorragend, das sich vor rund vier Jahren in Labrador City unbenannte.

 

Labrador City spielen und schreiben hauptsächlich Indiemusik, wobei alle vier Musiker den Ablauf der Lieder mitbestimmen und am Werdegang der Band beteiligt sind. Anfänglich spielen sie eher Elektro, doch schliesslich ist Indie die Musikrichtung, welche ihnen am meisten gefällt und Spass macht und so bleiben sie dabei. “Man schreibt am besten, was man auch selber hört”, so Moritz. Zurzeit hört er am liebsten Vampire Weekend und Girls. Unter anderem. Musikmachen eigentlich bereits ein finanzieller Erfolg oder erst ein teures Hobby? “Mit den Aufnahmen und dem ganzen Label sogar ein sehr teures Hobby!”, sagt Moritz. Seine Eltern unterstützen die Band derweil mit einem das finanziellen Vorschuss.

 

Aufnahmen auf der Alp

Die Aufnahmen der EP “Volcano” erfolgten in einer abgelegenen Alphütte im Berner Oberland. Ohne Internet und Natelempfang richteten sie sich für etwa zehn Tage in einem urchigen Haus ein. Moritz Stettler erzählt: “Es machte echt wahnsinnig Spass. Die Akkustik war recht gut, weil die Wände aus Holz waren und man zwischen den Balken sogar nach draussen sah. Die Umgebung motivierte uns; es war schön, am Morgen aufzustehen und die Bergkulisse zu bestaunen – so freuten wir uns richtig auf die Aufnahmen. Als das Wetter in der zweiten Woche sehr kalt wurde, machten wir Bettflaschen und wickelten uns in Decken ein. Wir kochten selber, die Kühe vor dem Küchenfenster sahen uns dabei zu. Einmal wurde unser Fleischvorrat von einem Tier aufgefressen! Zum Teil waren die vielen Tiere nervig, man hörte zum Beispiel die Kuhglocken beim Aufnehmen.”

 

Der Bandname Labrador City mag oft Verwirrung auslösen, da man ihn entweder mit der Hunderasse oder der kanadischen Stadt assoziiert. Doch darauf gestossen ist Nik, als er mit einem Linienflugzeug nach New York flog. Auf dem Bildschirm hinten am Vordersitz kann man nämlich mitverfolgen, wo das Flugzeug gerade vorbeifliegt. Die wichtigsten Städte sind zur Orientierung angegeben. So kam es, dass Nik sich den Namen Labrador City einprägte. So kam die Band zu ihrer Stadt, äh, zu ihrem Namen. Ihre Stadt ist heute immer noch Bern. Ins Ausland zu gehen sei bisher noch ein eher weit entferntes Ziel. Zunächst gelte es, sich in der Schweiz einen Namen zu machen. “Aber toll wäre es schon”, lautet Moritz’ Kommentar. Go Sister!

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