Kultur | 02.05.2011

“Ich kann es nicht erwarten, alt zu sein”

Text von Martin Sigrist
Patrick Wolf hat in Zürich sein neustes Album Lupercalia präsentiert. Tink.ch traf den Briten und sprach mit ihm über sein Album, seine Zukunft und seine Wohnung.
Patrick Wolf lässt sich während der Interviews nicht fotografieren, deswegen anstelle der Fotos eine Illustration. Quelle: www.pearleyed.weebly.com

Wie geht es dir?

Es geht mir gut, ich bin nur etwas traurig, weil die Tour heute zu Ende geht. Es hat so viel Spass gemacht. Ich habe angefangen, das Chaos der Tour zu geniessen, das Touren ist nicht mehr so stressig für mich. Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass ich älter werde oder an der neuen Band, der neuen Energie, dem neuen Album, aber alles macht mir Freude.

 

Die Tour geht im Sommer weiter.

Ja und ich möchte gerne für den Rest meines Lebens auf Tour sein. Es wird eine lange Reise für das neue Album und es gibt noch so viele ältere Stücke, die es neu zu entdecken gibt. Wir ändern unser Set bei jedem Konzert.

 

Du tourst mit deinem neuen Album, das noch nicht erschienen ist. Wie reagiert das Publikum auf die neuen Songs?

Es ist eine gute Art, die neue Musik den Leuten zu präsentieren. Alle hören es live das erste Mal. Ein paar Stücke halte ich aber zurück, denn ich möchte, dass sie diese zuerst auf dem Album hören. Ich habe eine komplexe Beziehung zu meinen Songs.

Daneben gibt’s wie gesagt auch viele ältere Stücke, gewisse davon kann ich jetzt aber nicht spielen, denn es ist für mich zu hart, emotional zu jener Zeit zurück zu gehen. Bei den neuen Songs habe ich diese Angst nicht.

 

Warum wurde dein neues Album denn verschoben?

Es mag dumm klingen, aber ich wusste nicht, dass es so viel vorzubereiten gibt. Die ganze Veröffentlichung, der multimediale Teil, all die Möglichkeiten, die es heute gibt. Die Filme als Bonusmaterial müssen noch eine Altersbeschränkung bekommen. Ein weiteres ist meine erste Single vom neuen Album, “The City”, welche seit drei Wochen auf der A-List von Radio 2 ist (Anm. d. Red.: Jene Songs, die auf dem Kanal von BBC am meisten gespielt werden). Du kannst keine weiteren Singles veröffentlichen, solange deine letzte auf der A-List bleibt. Naja, das ist eigentlich ein gutes Problem.

 

Du wirst in den Medien jetzt als “glücklich” beschrieben.

Das ist so schwarz weiss. Ja, es ist vielleicht ein glückliches Album, ich eine glückliche Person, aber ich kann auch traurig sein. Ich kanalisiere mein Glück, Optimismus und meine Liebe, das sind meine Inspirationen. Das heisst aber nicht, dass ich nicht auch dunkle Momente habe. Aber auf der Bühne bin ich mit mir, meiner Musik und meiner Band. Die Leute meinen damit vielleicht, dass ich erwachsener geworden bin, einer, der nun weiss, was er macht.

 

Glaubst Du, dass Du erwachsen wirst?

Ich habe seit dem letzten Album einen guten Fortschritt als Mensch gemacht. Ich habe mich entschieden, in Form zu kommen, meine Probleme zu lösen, mir professionelle Hilfe zu holen. Ich denke schon, dass ich mich sehr verändert habe. 27 ist ein wichtiges Alter, die Zeit, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen, Meine Zeit als Teenager und die jungen 20 sind vorbei, jetzt ist der Start meines Erwachsensein, sozusagen Kapitel drei meines Lebens.

 

Was hat dich an diesen Punkt gebracht?

Verantwortung für meine Wohnsituation zu übernehmen, mal nicht auf Tour zu sein, sondern die Kisten auszupacken, zu sortieren, das erste Mal nach zehn oder fünfzehn Jahren. Ich bekam damit einen besseren Überblick über mein Leben. Ich lebe jetzt einmal im gleichen Viertel, habe ein Daheim, Nachbarn, Wurzeln und jemanden in meinem Leben, um Liebe ins Leben zu lassen.

 

Wie zeigt sich das musikalisch?

Ich möchte, dass die ganze Aufmerksamkeit wieder auf den Text und die Musik gerichtet ist. Das heisst, ich musste die visuelle Seite opfern. Mein letztes Album war darauf gerichtet, mich hinter einer Rüstung zu verstecken. Jetzt habe ich die Rüstung runtergelegt und zeige mich selbst.

 

Was möchtest du noch in deinem Leben tun, bevor du alt wirst?

Ich kann es nicht erwarten, alt zu sein. All meine Lieblingskünstler sind über 50, die haben eine solche Weisheit. Die Stimme und die Ansichten ändern sich. Seit ich zwölf bin, möchte ich 60 sein. Mein Ziel ist, dass ich mit 60 ein einfaches Leben führe, in einem kleinen Holzhaus wohne, ein Klavier habe und natürlich brauche ich Internet. Dazu einfach Musik und Wasser. Ich möchte weiter Musik schreiben, bis ich sterbe.

 

Links

  • Für weiter Infos zu Patrick Wolf