Sport | 16.05.2011

“Für mich ist Laufsport keinesfalls monoton”

Früher trainierte sie Triathlon, dann begann sie sich auf das Laufen zu konzentrieren. Monika Fürholz bestritt letztes Wochenende den Grand Prix von Bern. Sport, Studium und Arbeit kämen sich nicht in die Quere, sagt die 26-Jährige im Gespräch.
Monika Fürholz beim Zieleinlauf des diesjährigen GP Bern.
Bild: Fabian Saner Ihr Ziel von "unter 1:02 h" hat die Läuferin erreicht.

Wie bist du zum Ausdauersport gekommen, waren es deine Eltern, die dich auf den Geschmack brachten?

Nein, meine Eltern hatten mit dieser Entscheidung nichts zu tun. Sie förderten mich damals eher im Geigespielen. Bereits im Schulalter war ich eher der ausdauernde Typ und liebte es mich zu bewegen. Aus eigenem Interesse und erst im Alter von 16 Jahren begann ich mit Leichtathletik, stets im Hinblick darauf, einmal Triathlon zu machen. So begann alles seinen Lauf zu nehmen.

 

Genau, deine ursprüngliche Passion galt dem Triathlon. Weshalb hast du zum Laufsport gewechselt?

Während meinen Praktika, welche ich im Verlauf meines Medizinstudiums absolvierte, fehlten mir schlicht die Zeit und die Infrastruktur um zu schwimmen oder Rad zu fahren. Joggen war das einfachste um mich sportlich zu betätigen. Ohne Druck zu verspüren, beschloss ich, an einem offiziellen Lauf teilzunehmen. Bald stellte sich heraus, dass ich eine relativ schnelle Leistungsverbesserung hinter mir hatte. Als ich dann im Februar dieses Jahres wieder einmal einen Lauf absolvierte – zuvor war ich während drei Monaten in Afrika für ein Praktikum – und feststellte, dass sich meine Leistungen trotz des geringen Trainingsaufwands verbesserten, beschloss ich, einem Club beizutreten und einen Trainingsplan zu erstellen.

 

Der Laufsport ist doch im Vergleich zum Triathlon eher langweilig und eintönig.

Der Laufsport findet in der freien Natur statt. Für mich gibt es nichts Abwechslungsreicheres, als nach einem Tag harter Arbeit oder Studium in den Wald laufen zu gehen. Es ist jeweils das Highlight meines Tages und besitzt für mich beinahe eine meditative Erfüllung. Für mich ist Laufsport keinesfalls monoton. Nebenbei werde ich mit dem Schwimmen und Radfahren nie ganz aufhören, denn einerseits trainiere ich auch durch diese Sportarten meine Ausdauer und andererseits sind es Tätigkeiten, denen ich zu gern nachgehe, um einfach damit aufzuhören.

 

Was fasziniert dich am Laufsport und weshalb nimmst du die Schmerzen, die man während eines Langstreckenlaufs empfindet, in Kauf?

Schmerzen habe ich bis jetzt keine empfunden. Klar sind die Läufe anstrengend, und es ist völlig normal, dass man müde wird, aber bis jetzt habe ich mich während den Läufen jeweils extrem gut gefühlt, ja fast euphorisch. Vielleicht müsste ich noch ein bisschen mehr ans Limit gehen (lacht).

 

Wie kommst du mit der Dreifachbelastung zurecht die du mit Sport, Studium und Arbeit hast?

In der Lebenssituation, in der ich mich hier in der Schweiz befinde, möchte ich den Sport nicht missen. Die Zeit, die ich in den Sport investiere, ist immer noch meine Freizeit. Wenn es mal regnet, bin ich auch nicht der Typ, der unbedingt raus muss um seine Kilometer abzuspulen. Dann bleibe ich einfach gemütlich zu Hause. Vielfach hilft mir der Sport sogar meinen Alltag zu strukturieren. Wenn ich beispielsweise daran denke, dass ich bald einen Lauf bestreite und am Lauftag keine Zeit zum Studieren habe, bin ich eher motiviert, auch mal an einem “freien” Nachmittag zu lernen.

 

Wo siehst du die Sportlerin und die Person Monika Fürholz in zehn Jahren?

Mit 36 Jahren wird meine Karriere als Sportlerin wohl zu Ende sein. Vielleicht kann ich dann ja auf einige erfolgreiche Jahre als Läuferin zurückblicken. Grundsätzlich ist auch persönlich noch alles offen. Trotzdem könnte ich mir gut vorstellen, in zehn Jahren in einer Gruppenpraxis irgendwo in der Schweiz zu arbeiten, nebenbei immer noch leidenschaftlich Sport zu treiben und eine eigene Familie zu haben.

 

Was ist dein Ziel für den Grand Prix von Bern?

Einen guten Lauf zu machen. Der GP wird mir auch zeigen, wo ich im Vergleich zu den anderen Schweizer Spitzenläuferinnen stehe. Eine Zeit unter 1:02 h wäre toll.

 

Monika Fürholz über…

…Frauen und Sport: “Ich erachte den Frauensport heutzutage als etwas völlig Natürliches. Logischerweise gibt es einen leistungsmässigen Unterschied zwischen Frauen und Männern und deshalb gibt es auch unterschiedliche Klassements.”

 

…Geld und Sport: “Obwohl finanzielle Aspekte auch Schattenseiten auf den Sport werfen, können Geld und Sport nicht voneinander getrennt werden. Denn ohne Geld gäbe es keinen professionellen Sport. Für mich und meine sportliche Betätigung ist die finanzielle Unterstützung sekundär, denn die Summen, welche ich mit dem Laufen verdienen kann, sind lediglich ein kleiner Zustupf, ein Taschengeld. Als Triathletin hätte ich unter Umständen vom Sport leben können.”

 

…Medien und Sport

“Medien sind für uns Sportler extrem wichtig, denn einerseits dienen sie als Plattform für uns Sportler, andererseits informieren sie die Gesellschaft. So können die Leute über andere Themen als Politik oder Wirtschaft in den Zeitungen lesen.”

 

Zur Person


Monika Fürholz, 26 Jahre, wurde in Port Jefferson NY geboren. 2005 begann sie ein Medizinstudium an der Universität Bern, das sie diesen Sommer abschliessen will. Mit 16 Jahren begann sie mit Leichtathletik und Triathlon, anschliessend konzentrierte sie sich auf Schwimmen und Triathlon. Heute ist Laufen ihre Hauptsportart, sie trainiert vier bis fünf Mal die Woche. Monika Fürholz wohnt in Marly im Kanton Fribourg, wo sie auch zur Schule ging.

 

 

30. Grand Prix von Bern


Trotz verhältnismässig tiefen Temperaturen und viel Regen klassierten sich beim diesjährigen GP über 25.000 Läuferinnen und Läufer. 78 “golden Runners”, also Läuferinnen und Läufer, welche an jedem der bisherigen 30 GPs teilgenommen haben, waren am Start. Bei den Männern konnte sich der Vorjahressieger Daniel Chebii aus Kenia durchsetzen, bei den Frauen gewann die Kenianerin Monica Jepkoech.

 

Männer 10 Meilen (16,093 km):

1. Daniel Chebii (Ken) 48:18

2. Tadese Abraham (Eri) 49:16

3. Alemayehu Wodajo (Äth) 49:16

12. Christian Belz (ST Bern) 51:49

 

Frauen 10 Meilen (16,093 km):

1. Monica Jepkoech (Ken) 55:55

2. Aniko Kalovics (Un) 55:55

3. Yuri Kano (Jap) 57:25

4. Maja Neuenschwander (ST Bern) 58:33

8. Monika Fürholz 59:36