Kultur | 23.05.2011

Frische, fröhliche Ohrwürmer

Text von Veronika Henschel | Bilder von Veronika Henschel
Sie kommen aus dem Bündnerland und erinnern etwas an verkaterte Beach Boys oder Beatles. Mit ihrem neuen Album im Gepäck vermochten 77 Bombay Street das Publikum in der Grabenhalle erst recht zu überzeugen.
Ausverkaufte Grabenhalle: So sieht Erfolg aus.
Bild: Veronika Henschel

Es war ein langer Weg, bis ich endlich eines der heiss begehrten Tickets für das 77 Bombay Street-Konzert letzten Donnerstag in der Hand hielt – doch er hatte sich allemal gelohnt. Nur schon für das Lied „Long Way“, dass die vier Jungs aus Scharans im Bündnerland in einer absoluten Topversion ablieferten.

 

Volles Haus und bunte Jacken

Doch alles der Reihe nach. Beim Soundcheck wirkten die Vier gelassen und waren zum Scherzen aufgelegt. Kein Wunder, bei drei ausverkauften Shows hintereinander darf man schon ein bisschen stolz sein. Es täte ihnen sehr leid, dass nicht alle zuhören können, meinten alle vier einstimmig. Kurz nach neun traten sie dann in ihren typischen bunten Jacken, die irgendwie an Napoleon und die Coldplay „Viva la Vida“-Tour erinnern, auf die Bühne. Empfangen wurden sie von einer bis auf den letzten Platz gefüllten Grabenhalle. Die Jacken hätten sie speziell für ihre erste Single „47 Millionaires“ ausgesucht – um reich wie Millionäre zu wirken. Daraus ist nun eine Art Markenzeichen geworden, auch wenn vor allem Sänger Matt während des Konzerts heftig ins Schwitzen geriet und sich von dem Prachtstück (bei ihm in blau) trennen musste. Es folgen „It’s now“, „Hero“ und „Waiting for Tomorrow“, bei denen das Publikum mitklatschte, im Takt wippte oder einfach nur gebannt lauschte. Ab dem Ohrwurm „Up in the sky“ konnte sich aber niemand mehr halten, so sang die Grabenhalle im Duett mit Matt, Joe, Simri und Esra.

 

Lady Gaga meets Beach Boys

Auf der Homepage der Band wird ihre Musik so beschrieben: „Der Sound der vier Brüder erinnert an die jungen Beatles oder die Beach Boys nach einer durchzechten Nacht. Kombiniert mit der kreativen Bergluft und Einflüssen aus dem aktuellen Musikschaffen entsteht der unverkennbare Folk-Rock der ‚Bombays'“. Alle vier betätigen sich als Songwriter und lassen ihre unterschiedlichen persönlichen Vorlieben einfliessen. Abwechslung und Ideenreichtum sind somit nicht hohle Phrasen, sondern Programm. „Unsere Musik ist eine Paarung zwischen folkiger Leichtigkeit, tiefgründigem Songwriting und einer gesunden Prise Humor“, schmunzelt Matt. Die Vielfalt stellen die Burschen auch live unter Beweis: Mit dem beschwingten Loblied auf Lady Gaga, die Beatles und Michael Jackson („I love Lady Gaga“) und mit der ruhigen Ballade „I miss you Girl“, die einen das Feuerzeug zücken lässt, boten sie ein Programm für jedermann – obwohl etwa 70 Prozent des Publikums weiblich waren.

 

Über den Wolken

Am Schluss wurde das Lied „Get away“ gespielt, mit einer eindeutigen Botschaft: „Get away, geht nach Hause.“ Doch das Publikum wollte noch nicht nach Hause gehen. So mussten die Vier nochmals auf die Bühne und wünschten uns mit ihrem Hit „Long Way“ einen guten Heimweg.

 

Ich persönlich beachtete das jedoch nicht und begab mich sofort zum Merchandise-Stand – beim läppischen Eintritt von 8 Franken hatte selbst ich noch ein paar Stutz für ein Album übrig. Die CD „Up in the Sky“ läuft bei mir im Return-Modus und versüsst mir die „long ways“ von daheim zur Arbeit und sonst wo hin. Die leichte Musik, kombiniert mit den Erinnerungen an die sympathischen, authentischen jungen Bündner vom letzten Donnerstag katapultiert mich selbst an Regentagen „Up in the Sky“, wo alle Sorgen vergessen werden können. Wer kann, sollte sich zu den Festivals aufmachen, wo die „Bombays“ diesen Sommer immer wieder anzutreffen sind. Es lohnt sich, auch einen langen Weg für sie in Kauf zu nehmen.

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