Kultur | 23.05.2011

Freibier und Freimusik

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Jedes Jahr präsentieren sich am South by Southwest Festival (SXSW) nicht nur einzelne Musiker und Musikerinnen, ganze Städte und Staaten stellen ihr musikalisches Potential zur Schau. Eine kleine Weltreise durch Austin.
Spanischer Tigerlook. Brandt Brauer Frick spielen auf der deutschen Dachterrasse. Neuseeländischer Wein. Kanada im Zelt. Auch Frankreich ist mit von der Partie.
Bild: Martin Sigrist

Jedes Jahr trifft sich am SXSW in Austin das Musikbusiness zu einem Stelldichein. Staaten oder Städte lassen sich besonders aufwendig und spannend repräsentieren. Dies tun sie durch Kulturinstitutionen, Kulturförderungsabteilungen oder Festivals. Konkret sind die Gastgeber meist Netzwerke, die von der dortigen Musikindustrie, Stiftungen oder staatlicher Seite gefördert werden. Länder wie Frankreich, Deutschland, Grossbritannien, Kanada, Neuseeland und Taiwan – oder gar einzelne Städte – feiern nachmittags Parties und zeigen ihre neusten musikalischen Exporte. Diese spielen sich danach durch das Festival.

 

Konzerte erst ab 21

Nachmittag für Nachmittag kann man mit einem Festival-Badge – den sich bei den herrschenden Preisen wohl nur die Profis der Branche leisten – oder auf Einladung kostenlos Musik aus aller Welt hören. Der Badge allein reicht jedoch noch nicht, um eingelassen zu werden. Zusätzlich wird eine Alterskontrolle durchgeführt. Obwohl Texas diese Alterskontrollen entgegen dem Vorurteil des erzkonservativen Staates vergleichsweise locker nimmt, gibt’s am SXSW unter 21 keinen Alkohol und auch keine Konzerte. Promo-Anlässe sind davon zwar oftmals ausgenommen, darauf ist aber kein Verlass.

 

Deutsches Bier, British Breakfast

Ist man einmal drinnen angelangt, reichen die Gastgeber Getränke und Essen en masse, passend zur jeweiligen Herkunft. Meist wird in einem Zelt im Park bewirtet, ein Buffet mit Fingerfood und lokale Getränke serviert. Deutschland lässt sich nicht lumpen und lädt in einen Club, um ein Buffet aus deutschen Händen (die Köche wurden aus Berlin mitgebracht) darzureichen und auf dem Dach bei sommerlichen Temperaturen deutschen Musikexport auftreten zu lassen, natürlich mit deutschem Bier. Grossbritannien mietet jährlich für die Dauer des Festivals einen eigenen Club, streicht Innen- und Aussenwände neu und lädt täglich zu Nachmittags- und Abendkonzerten und einem British Breakfast, inklusive diversen “Butties” und Bier, natürlich. Neben Essen, Trinken und viel Musik gibt’s auf den Parties täglich Geschenke: die obligaten Schlüsselanhänger, flott bedruckte Stoffbeutel und aktuelle Zusammenstellungen der angesagten Bands liegen auf.

 

Wem der Sinn an den Nachmittagen nicht nach Businesstalk steht, kann sich an solchen Veranstaltungen vorzüglich anderweitig unterhalten. Entspannt wird die Stimmung an den Tagen örtlich zwar sein. Doch das umfangreiche Programm verlangt bereits früh am Tage eine stramme Terminplanung. Dem kostenlosen Vergnügen will ja schliesslich vollständig gefrönt sein.

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