Kultur | 10.05.2011

Frauengeschichten und Göttergezanke

Text von Amadis Brugnoni | Bilder von Amadis Brugnoni.
Inmitten von Basels Altstadt, in einem dunklen Keller tief unter der Erde, trifft sich jährlich eine Gruppe von englischsprachigen Menschen. Sie teilen eine ganz bestimmten Passion: Englische Dramatik. Am letzten Samstag haben "The Gay Beggars" nun ihr diesjähriges Werk "Gallathea" auf die Bühne gebracht.
Die Schauspieler zeigen Leidenschaft. Zwei Jungfern verlieben sich in zwei vermeintliche Jungen.
Bild: Amadis Brugnoni.

Schon seit den 40er-Jahren existiert die Laientheatergruppe The Gay Beggars und führt regelmässig Theaterstücke in Englischer Sprache auf. Dafür hat sie sich im Kellertheater des Englischen Seminars der Universität Basel niedergelassen. In den letzten Monaten klangen vor allem die Worte des Stücks “Gallathea” von John Lilly (* 1553 – –  1606) durch die Gänge des Seminars.

 

Die armen Jungfern

In “Gallathea” werden die beiden schönsten Mädchen aus Lincolnshire von ihren Vätern als Jungen verkleidet, damit sie nicht dem Gott Neptun geopfert werden. Dieser verlangt nämlich, dass alle fünf Jahre die schönste Jungfer im Dorf als Opfer gebracht wird. Die beiden Jungfern treffen im Wald aufeinander und verlieben sich, ohne zu bemerken, dass das Gegenüber ein verkleidetes Mädchen ist. Gleichzeitig entbrennt im Himmelsreich ein heftiger Streit zwischen den Göttern Diana, Cupid und Venus über Macht und Liebe.

 

Es ist kompliziert

Als ob die Handlung nicht schon genug verstrickt wäre, kommt noch eine weitere Ebene hinzu: zwei Brüder gehen auf eine weite Reise und suchen ihr Glück in der grossen weiten Welt. “Das Stück wäre heute so nicht wirklich aufführbar, wie es von Lilly geschrieben wurde”, sagt Regisseur Xander Deubelbeiss. “Viele Figuren tauchen nur ganz kurz auf und tragen nicht wirklich zur Handlung bei. Das macht alles noch verwirrender.” Deshalb hat Deubelbeiss kurzerhand Rollen zusammengelegt und einzelne Passagen gestrichen.

 

Witz und Leidenschaft

Trotz dieser Hürde haben es die Gay Beggars geschafft die einzelnen Handlungsstränge gut auseinander zu halten. Die doch eher ernsten Texte werden von den Schauspielern mit Witz herübergebracht und die Charaktere werden mit Leidenschaft gespielt. Lediglich die Gestaltung des Bühnenbilds hätte etwas mehr Liebe vertragen können. Doch die Gay Beggars schaffen es auch ohne ausgefallenes Bühnenbild für die Zuhörer einen unterhaltsamen Abend zu gestalten.

 

Es geht weiter

Noch sechs weitere Vorstellungen haben Deubelbeiss und seine Theatergruppe vor sich. Danach fangen schon die Vorbereitungen für das nächste Stück im nächsten Jahr an. Deubelbeiss sagt dazu: “Wir sind eine sehr lose Gruppe. Das bedeutet, dass immer jemand anderes aus der Gruppe das Projekt für das nächste Jahr initiiert. Somit wechselt auch ständig die Besetzung von Jahr zu Jahr.” Als nächstes haben einzelne Schauspieler das Stück “Noises Off” von Michael Frayn (*1933) ins Auge gefasst. Konkrete Pläne sind jedoch noch nicht gemacht.

 

Info:

Die Theatergruppe The Gay Beggars sucht immer neue Schauspieler. Interessenten können sich direkt über die Homepage melden. Vorausgesetzt wird ein guter Umgang mit der Englischen Sprache und Freude am Schauspielern.

 

Nächste Vorstellungen von Gallathea:

10./13./14./16./20./21. Mai 2011 | jeweils 20:00 Uhr | Kellertheater Englisches Seminar, Nadelberg 6, 4051 Basel

Kartenreservation und Preise: http://pages.unibas.ch/gaybeggars

Reservierung der Karten per Mail ist erwünscht.

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