Kultur | 30.05.2011

Ein Haus und zwei Zelte am See

Mitten auf der Sprachgrenze im Fribourger Land, umgeben von Kornfeldern, scheut ein Festival kein musikalisches Experiment. Genau wie sein Publikum. Die 21. Bad Bonn Kilbi war ausverkauft.
Blick auf das Zentrum des Festivalgeländes. Der Aufbau des Cardinal-Monoliths dauerte drei Tage.
Bild: Nadine Andrey (zvg) The Ex veranstalteten am Samstag ein Rockfest auf der neuen Zeltbühne. Patrick Principe (zvg)

Der Monolith aus Cardinal-Bierkisten war mit einer Ecke im Boden eingesackt. Bald entscheiden Stadt und Kanton Fribourg über den Kauf des Cardinal-Areals, ein Innovations- und Technikpark soll dort entstehen. Die politische Interpretation des gelben Würfels überlässt Daniel Fontana, Chef des Bad Bonn, auf Nachfrage jedoch den Festivalbesuchern. Wenn sie auch nicht schwierig sei, wie er zugibt.

 

Live zählt die Musik

“Punk” sei die Bad Bonn Kilbi nach 21 Jahren noch immer, im chaotischen Sinne. Fontana über seine Arbeit als unter anderem Organisator, Bühnentechniker und Pressesprecher: “Improvisation ist wichtig”. Besonders wichtig dieses Jahr, da eine zweite Zeltbühne das bisherige Zelt und die Clubbühne ergänzte. So ist die Kilbi dank Freunden des Bad Bonn und Freunden guter Musik über die Jahre hinweg gewachsen. Mittlerweile tummeln sich einzelne grosse Headliner im Programm zwischen den Geheimtipps, Bonn-Stammgästen und regionalen Bands.

 

Doch live zählt an der Kilbi nach wie vor mehr die Musik als der Name. Queens of the Stone Age wurden am Donnerstag von den Swans virtuos übertrumpft. Der schwedische Sänger Christian Mattson alias The Tallest Man on Earth vermittelte auf der Bühne seine an Wildnis und Weite erinnernden Stücke nicht halb so lässig, wie die Rockveteranen von The Ex. Die über 20-jährige Band legte weit mehr Energie als das Publikum und einige der jüngeren Kollegen an den Tag, beziehungsweise an die Nacht.

 

6000 Besucher, viele aus der Region

Der Monolith verlor bereits am ersten Abend eine Kiste aus seiner Krone. Doch wie gesagt: Wennschon politisches Zeitgeschehen kommentieren, dann mit einem Augenzwinkern. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Programmgestaltung: “Ich bin zufrieden, wenn ich das zufriedene Publikum sehe”, sagt Daniel Fontana. Und da muss er nicht immer mit der Zeit gehen. Die Handvoll Hauptsponsoren waren mit ihrem Logo auf dem Gelände präsent, ansonsten pflasterten Konzertplakate die Gitterzäune. “Viele bekannte Gesichter” aus der Region entdeckte Fontana im Publikum.

 

Die diesjährige Bad Bonn Kilbi war mit insgesamt 6000 Besucherinnen und Besuchern ausverkauft. Eine Tendenz, die sich in den kommenden Jahren fortsetzen dürfte. Während die finanzielle Zukunft des Bad Bonn ein offenes Fragezeichen bleibt. Die Loterie Romande und die Agglomeration hätten zwar die Beiträge erhöht, so Fontana, jedoch diskutiere man weitere Möglichkeiten zur Finanzierung, wie etwa den Ausbau des Restaurantbetriebes. Der Barbetrieb bleibe aber weiterhin ein sehr wichtiger Teil und entscheide mit über das Gelingen des Kulturbetriebes. “Nicht zuletzt entsteht Stimmung, das Gerüst des Erfolges!”

 

Lob aus der Heimat der schönen Landschaften

Stimmung kam auch an der Bad Bonn Kilbi auf. Flächendeckend. In wenigen Schritten gelang auf dem kleinen Festivalgelände der Wechsel von der Zeltbühne zum Club – und von Musikstil zu Musikstil. Caribou und seine Kollegen aus Kanada versetzten in symmetrischer Viererformation das Publikum mit einem detailfreudigen Elektro-Experiment in Staunen. Die Baslerin Anna Aaron bestach vor allem mit etwas wirren Anekdoten (ihre Mutter zum Beispiel war vom Wort “Dogs” im Singletitel “King of the Dogs” gar nicht begeistert). Aarons schwermütige Klavierstücke kontrastierten das optimistische Pop-Elektrogemisch des jungen Cédric Streuli, der im Club auflegte. Wer Glück hatte, konnte sich durch ein Fenster an der Seite des Raumes in Zeichensprache mit Musikern im Backstagebereich verständigen, wenn dort gerade welche vorbeischlenderten.

 

“It’s fucking beautiful”, lautete der Kommentar der Suuns, und die Kanadier aus der Heimat der schönen Landschaften müssen es wissen. Durch einen Spalt in der Zeltwand hinter den Suuns blitzten Tannenwipfel hervor. Dahinter nichts als Felder, gesäumt von Kirschbäumen. Einige Meter einen Weg hinab und man gelangt zum Schiffenensee, der dem ehemaligen Kurort Bad Bonn seinen Namen gibt.