Kultur | 03.05.2011

Ein Gespräch mit Yoko Ono

Text von Martin Sigrist | Bilder von Martin Sigrist
Yoko Ono wurde von Austins lokalem Radiomoderator Jody Denberg im Rahmen des South by Southwest Festivals (SXSW) 2011 zu einem Gespräch geladen. Sie sprachen über ihren Sohn, Kunst und ihr erstes Date mit John Lennon.
Yoko Ono: Vergnügt und redselig. Nicht das Geld macht den Künstler und die Künstlerin aus.
Bild: Martin Sigrist

Yoko Ono, die Witwe von John Lennon, machte sich  als Performance-Künstlerin und mit ihrer Band Yoko Ono Plastic Ono Band bereits vor Jahrzehnten einen Namen. Am SXSW in Austin stellte sich die 78-jährige Japanerin den Fragen des befreundeten Radiojournalisten Jody Denberg. Ono zeigte sich sehr gesprächig, während sie kindlich gut gelaunt auf ihrem Stuhl zappelte und umher rutschte. Das Gespräch streifte neben ihrer eigenen Geschichte die Gemeinschaft mit ihrem Sohn Sean und natürlich Episoden aus ihrem Leben mit John Lennon.

 

Zum Klavierspiel gedrängt

Zu ihren Eltern meinte Ono, dass ihr Vater wollte, dass Ono komponierte statt zu singen. Ihre Mutter hingegen nannte sie hingegen “a repressed painter”. Ono selbst war zuerst Pianistin, eingeschüchtert von ihrem Vater, sobald sie am Üben war, und immer darauf gedrillt Stücke ohne Unterbrechung zu üben. Schliesslich wollte ihr Vater, dass sie aufgebe, schliesslich sei sie einfach nicht gut genug. Darüber war Ono selbst glücklich, jetzt hatte sie die Unterstützung ihrer Eltern, zur Komposition zu wechseln. Dabei bezeichnete sie auch das Singen als eine Form der Interpretation und somit der Komposition.

 

Auf ihre Zusammenarbeit mit ihrem Sohn Sean Lennon angesprochen wusste sie nicht, woher Sean sein musikalisches Talent habe. Er war bereits sehr früh sehr musikalisch, was sie als “strange” bezeichnete. Sean sei sehr schnell unabhängig geworden und habe bereits mit 17 sein erstes Album gemacht. Die Zusammenarbeit mit ihm sei zustande gekommen, als Ono mit einem ihr unbekannten Musiker arbeiten wollte, dessen Musik sie sehr mochte. Dieser Jemand habe sich als ihr Sohn Sean herausgestellt.

 

John und Yoko

Ihre Ehe mit John Lennon hat für Ono nicht den Start ihrer Karriere markiert, denn sie war zu jenem Zeitpunkt bereits erfolgreich, fühlte sich auf dem Gipfel jedoch alleine, denn sie wurde von gewissen Künstlern schlicht gemieden, die sie des Ausverkaufs bezichtigten.Sie lernte John kennen, als sie von ihm nach Hause eingeladen wurde. Sie erwartete eine Party, doch war sie der einzige Gast. John wünschte sich von ihr das Lighthouse welches sie in ihrem Buch von 1964 vorstellte. 40 Jahre später wurde es schliesslich unter dem Namen Imagine Peace Tower nahe Rekyjavik in Island gebaut, im Norden der Welt als Symbol der Weisheit und Kraft. Nach John Lennons Gitarrenspiel gefragt, meinte Ono “He was competing with my voice”.

 

Kunst um der Kunst willen

Ono wurde of als Geschäftsfrau kritisiert, John habe ihr einen Blankoscheck ausgestellt, so dass sie seinen Teil der Beatles managen solle. Sie selbst hätte sich diese Aufgabe nie gewünscht, bezeichnete es aber als elitär, wenn Künstler diese Seite der Arbeit vermeiden, weil sie Künstler sind. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass wenn man Kunst um der Kunst willen machen will, man sich bewusst sei, was dahinter stecke, gerade nicht das Geld.

 

Ono erzählte auch von ihrer eigenen Arbeit. Bei ihrer Performance Cut Piece, bei der jeder mit einer Schere ein Stück ihrer Kleidung durchschneiden konnte, habe sie erst beim zweiten Mal Angst gehabt, als jemand mit der Schere auf sie los gegangen ist. Dies sei wohl dessen Tanz oder eine Pose gewesen. Ono verabschiedete sich mit einem Gruss an die Frauen, welche die Hälfte der Welt ausmachen: “We have some great stuff”.

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