Politik | 09.05.2011

Eigene Meinung

Text von Luzia Tschirky | Bilder von Michael Dolensek
Stell dir vor dein Onkel ist Nationalrat der SVP. Du selbst bist aber Jungsozialist.
Am 1.Mai ist einiges los auf dem Kasernenareal mitten im "roten Zürich". Rafael Mörgeli ist gerade dabei Unterschirften zu sammeln.
Bild: Michael Dolensek

Wir treffen Rafael Mörgeli mitten in der Menschenmenge auf dem Kasernenareal in Zürich. Er war gerade dabei Unterschriften für die «Bonzeninitiative« der Juso zu sammeln, als er uns auffällt. Irgendwoher kennen wir ihn. Aber woher? Sein Onkel Christoph Mörgeli ist um einiges bekannter, als er selbst. Bisher ist Rafael Mörgeli auch weniger stark aufgefallen politisch als eher aus familiären Gründen. Seine politische Ausrichtung steht 180 Grad derjenigen seines Onkels entgegen. Während jener einmal im Jahr aufs Albisgüetli fährt, geht dieser am 1.Mai auf die Strasse.

 

Warum bist du hier am 1.Mai?

Klar gibt es viele Menschen in der Schweiz, welche unter würdigen Bedingungen arbeiten können. Dennoch gibt es auch bei uns ungenügende Zustände.

 

Was kann man in Zürich am 1.Mai machen?

Hier gibt es ein breites Angebot von interessanten Vorträgen und Diskussionen.

 

Du sammelst gerade Unterschriften für die “Bonzensteuerinitiative”. Ist der Titel nicht ein wenig provokativ?

Also ich habe den Titel nicht ausgesucht. Wenn sich Reiche ihrer Verantwortung bewusst sind, dann habe ich kein Problem mit ihnen und finde auch nicht, dass sie dann Bonzen sind.

 

Wie viele Unterschriften musst du denn heute noch sammeln?

Also wir haben das Tagesziel von 40 Unterschriften. Bis jetzt habe ich allerdings erst drei Unterschriften gesammelt.

 

Es bleibt für Rafael Mörgeli noch einiges zu tun an diesem 1.Mai. Er mischt sich ins Gewühl. Noch diesen Sommer wird er die Kantonsschule beenden. Danach kommt erst einmal ein Zwischenjahr. Für ihn ist aber klar, dass die Ausbildung zuerst einmal das wichtigste in seinem Leben ist und nicht die Politik. In seinem Alter war sein Onkel bereits Mitglied der SVP.