Gesellschaft | 27.05.2011

Direkt mit den Kindern arbeiten

Text von Matthias Strasser | Bilder von Marius Affolter
Das Projekt "Piel de Luna Llena" wurde im Jahr 2000 von Enrique Saenz, alias Kiko Clown, gegründet. Es hat zum Ziel, den Strassenkindern in Peru eine Zukunft aufzuzeigen und deren Selbstentwicklung zu fördern. Am internationalen Menschenrechtsforum gewinnt "Piel de Luna Llena" den IHRF-Förderpreis.
Die Gewinner des IHRF Förderpreis 2011: Fidel Aguilar, Enrique Saenz, Monique Schlegel (v.l.n.r.)
Bild: Marius Affolter

Enrique Saenz, können Sie Ihr Siegerprojekt in drei Sätzen erklären?

Enrique Saenz: Das Projekt “Piel de Luna Llena” setzt sich zum Ziel, den Strassenkindern in Peru neue Wege aufzuzeigen. Mit Kunst, Sport und Erziehung wollen wir ihnen Lebenswerte vermitteln. Zugleich wollen wir ihnen die Möglichkeit geben, trotz der schwierigen Umstände Kinder zu bleiben.

 

Inwiefern spielen Sport und Kunst eine zentrale Rolle?

Enrique Saenz: Kunst und Sport sind elementare Aspekte bei der Erziehung eines Kindes. Durch Sport und Kunst kann man Kinder motivieren. Erst wenn die Kinder motiviert und gruppiert sind, kann man sie erziehen.

Monique Schlegel: Der Sport ist wichtig, Kinder sollten sich bewegen. Sie können ja nicht nur rumsitzen, lesen und lernen. Deshalb haben wir auch Fussball im Programm.

 

Wieviele Kinder profitieren von dem Projekt in Südamerika?

Enrique Saenz: Wir arbeiten seit zehn Jahren in Südamerika. In dieser Zeit haben wir zwei grosse Projekte verwirklicht: In Cajamarca haben wir mit 40 Strassenkindern während sechs Jahren zusammengearbeitet. Seit drei Jahren arbeiten wir in Cerro Azul spezifisch und sehr intensiv mit einer Gruppe von zehn bis zwölf Kindern. Wir sind noch nicht in der Lage, Hunderte von Kindern zu erziehen, weil wir ein sehr kleiner Verein sind. Wir wollen aber auch gar nicht wachsen. Nur so können wir die Grundidee des Projekts erhalten: Wir wollen eins zu eins mit den Kindern arbeiten. Wir wollen keine Bürokratie, wir wollen wirklich bei den Kindern sein, mit den Kindern sein, um intensiv mit ihnen arbeiten zu können.

Monique Schlegel: Jetzt, da der Bau des Schulhauses (südlich von Lima, Anm. d. Red.) durch das Preisgeld gesichert ist, wird die Zahl der betreuten Kinder mit Sicherheit steigen.

 

Wo investieren Sie die 6’000 Franken Preisgeld?

Monique Schlegel: Jeden Franken investieren wir ins Projekt. Zuerst investieren wir in Sanitäranlagen. Dann kommt die Ausstattung im Haus selber. Zum Schluss kommen die Maschinen, die wir in der Werkstatt für die Holzbearbeitung brauchen. Mit dem Preisgeld können wir wohl alles zahlen, was wir in diesem Haus noch brauchen.

 

Wie setzen Sie Ihr Projekt in Südamerika in die Tat um?

Enrique Saenz: Frau Monique Schlegel, Herr Fidel Aguilar und ich arbeiten jeweils von der Schweiz aus. Wir reisen aber jedes Jahr nach Peru. Ich persönlich verbringe jeweils bis zu drei Monaten in Südamerika. In Peru bezahlen wir dann einen oder zwei Lehrer, die direkt mit den Kindern arbeiten. Zusätzliche Personen, etwa für administrative Aufgaben, haben wir nicht angestellt. Wir gehen direkt dorthin und führen viele Arbeiten selber aus. Wir engagieren Lehrer, wenn wir etwas Konkretes machen wollen. Das Schulhausprojekt ist ein Beispiel. Wir haben aber keine Leute unter Vertrag. Wir versuchen, möglichst viel selber zu machen.

 

Gibt es etwas, was zu Ihrem Projekt unbedingt gesagt werden muss?

Monique Schlegel: Ich bin sehr glücklich, dass wir den Preis gewonnen haben. Das bringt unsere Arbeit wieder ein Stück weiter. Und wir können mit dem Gewinn des Preises unser Projekt noch bekannter machen. Das finde ich persönlich das Schönste.

Enrique Saenz: Wenn uns die Leute unterstützen wollen oder sogar mit nach Südamerika kommen möchten, sind sie alle herzlich eingeladen. Wir brauchen idealistische Leute, die etwas Konkretes tun wollen.

 

Warum, denken Sie, hat gerade Ihr Projekt “Piel de Luna Llena” den Förderpreis des IHRF gewonnen?

Monique Schlegel: Ich denke, vor allem weil unser Projekt die Rechte der Kinder ins Zentrum rückt. Das war ein Wunsch der Organisatoren dieses Preises. Das umzusetzen ist uns wohl von allen eingereichten Projekten am besten gelungen. Das Recht auf Bildung ist ein sehr wichtiges Kinderrecht.

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