Kultur | 10.05.2011

Die volle musikalische Dröhnung

Text von Tobias Söldi | Bilder von zVg.
Jede Woche wird ein Album vorgestellt, das jeder irgendwann einmal gehört haben sollte. Die Auswahl ist subjektiv und unvollständig und wundervoll, und vielleicht entdeckt man dabei eine neue Band für sich. Es beginnt mit "Welcome to Sky Valley" von Kyuss.
Die Wüste. Die Einsamkeit. Ein Auto, das vom Subwoofer über die Strasse gejagt wird.
Bild: zVg.

Im Booklet dieses Albums stehen drei Wörter, die eigentlich für jede Art von Musik gelten sollten: “Listen without distraction”. Wenn man diesen Ratschlag befolgt, dazu das Album mit guten Kopfhörer oder auf guten Lautsprechern hört, den Bass- und Lautstärke-Regler bis an den Anschlag dreht, dann steht dem Vergnügen nichts mehr im Weg. Denn Spass und gute Laune macht es auf jeden Fall, dieses Monster von einem Rock-Album zu hören.

 

Klassiker des Stoner-Rock

Kyuss sind mittlerweile Kult, auch deswegen, weil sie sich im Jahr 1995 aufgelöst haben. Die Väter des sogenannten Stoner-Rock werden sie genannt. Und das Album “Welcome to Sky Valley”, welches 1994 veröffentlicht wurde, ist sozusagen ihr Klassiker und gleichzeitig zum Inbegriff des Genres geworden. Manche kennen vielleicht den Gitarristen von Kyuss, der jetzt bei einer ziemlich bekannten Band namens Queens of the Stone Age singt und Gitarre spielt, Josh Homme. Auch deren ehemaliger Bassist Nick Oliveri zupfte zeitweise bei Kyuss den Bass. Apropos Bass: Die Musik von Kyuss ist tief, massiv und basslastig. Sogar die Gitarre wurde zum Teil über einen Bassverstärker gespielt, was viel zum typischen Kyuss-Sound beiträgt. Wer kriegt da nicht schon allein bei den ersten Tönen des Albums weiche Knie? “Gardenia” heisst der Song, und setzt die Messlatte schon mal hoch an. Dieser Track beinhaltet alles, was Kyuss ausmacht: Der mächtige, dumpfe, dröhnende Sound, der bluesige Gesang, das eher schleppende Tempo, der Groove, die Jam-Session in der Mitte des Songs und der heftig rockende Schluss machen den Song zu einem grossartigen Opener.

 

Grossartige Songs

Und auf mindestens gleich hohem Niveau geht es weiter. Das Instrumental “Asteroid” ist psychedelisch angehaucht, “Demon Cleaner” ist mit seinen groovenden Drums und dem genialen Gitarrenriff zum Hit des Albums avanciert. “Odyssey” bläst einen schier vom Hocker, so viel Energie steckt in diesem Song und so mächtig dröhnt er aus den Boxen. Eine kurze Verschnaufpause wird dem Zuhörer mit dem akustischen “Space Cadet” gegönnt. Bis zum Schluss lässt das Album nicht nach, im Gegenteil, “Whitewater”, der letzte Song, hievt das Album endgültig in die höchsten Höhen. Spätestens hier kommen auch die typischen, aber etwas überstrapazierten Stoner-Rock-Assoziationen auf: Eine menschenleere, staubtrockene Wüste im Niemandsland von Amerika, eine glühend rote, gnadenlos auf den Boden brennende Sonne, eine einsame Strasse. Doch genau diese Bilder werden hervorgerufen, wenn man das Intro zu “Whitewater” hört. Und wenn der Song dann wie eine Flutwelle, gegen deren Macht man sich nicht zur Wehr setzen kann, über einem zusammenbricht, dann spürt man: Das ist einer der ganz grossen Musikmomente.

 

Ein Meisterwerk

Vor nicht allzu langer Zeit wurden Kyuss übrigens wiederbelebt: Einmal sang John Garcia, Sänger von Kyuss, deren alten Songs, allerdings begleitet von neuen Musikern an den Instrumenten. In der Folge gab es auch eine Reunion-Tour mit drei von vier Original-Mitgliedern. Über Wiedervereinigungen und Konzerte von Altmeistern kann man denken, was man will, “Welcome to Sky Valley” wird davon nicht im Geringsten berührt und ist und bleibt ein Meisterwerk.

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