Kultur | 09.05.2011

Die Schweiz spricht vierfältig

Text von Elia Blülle | Bilder von Eva Hirschi
Am diesjährigen Linguissimo setzten sich die 30 Finalistinnen und Finalisten mit den Medien auseinander. Im Tessin wurde fleissig geschrieben und vor allem: kommuniziert.
Arbeiten an und mit der Sprache in einem der Workshops, den es für die Wettbewerbsteilnehmenden zu gewinnen gab.
Bild: Eva Hirschi

Langweiliger Smalltalk ist die unausweichliche Konsequenz von Sprachgrenzen. Anstelle angeregter Diskussionen. 280 Jugendliche aus der ganzen Schweiz hatten das auch dieses Jahr satt. Am Sprachwettbewerb Linguissimo, wo sie ihre Texte eingesendet haben, ist der Röstigraben Nebensache.

 

Beziehung zu den Medien

In diesem Jahr überschlagen sich wieder einmal die Ereignisse. Der meistgesuchte Mann der Welt wird erschossen, Erdbeben erschüttern Japan und ein geisteskranker Machthaber lässt auf sein Volk schiessen. In solch turbulenten Zeiten stehen die Finger der Journalisten nie still, die Medienflut ist gewaltig. Hier die Übersicht zu behalten; eine Herausforderung. Und die Tageszeitung landet bei vielen unangetastet in der Papiersammlung. Besonders bei vielen jungen Menschen sind einzig die Schlagzeilen bevorzugte Zeitungsliteratur. Dieses Thema hat der Linguissimo Wettbewerb aufgegriffen. Schweizweit schickten Jugendlich ihre Beiträge ein zum Thema: “Meine Beziehung zu Print- und Onlinemedien”. Die Besten konnten letzte Woche an der Endrunde im Tessin teilnehmen.

 

In der Frühsommerhitze brüteten die 30 jugendlichen Gewinnerinnen und Gewinner – im wahrsten Sinne des Wortes – über ihren Texten. Trockene Materie wurde greifbar. Tages-Anzeiger Journalist Réne Lenzin, Nicole della Pietra, Korrespondentin fürs Westschweizerfernseher, und der Journalistikprofessor Matteo Caratti leiteten die Workshops. Im Tandemteam arbeiten die Sprachbegeisterten bilingual und verfassten einen Artikel zu einem x-beliebigen Thema. Mit dem Ziel, Hemmungen zu lösen und die Kommunikation zu fördern. Das in einer lockeren Atmosphäre, die sich vom Schulunterricht abhebt und Freude an den Fremdsprachen weckt. Bei allen Beschreibungen muss man das Linguissimo selbst erlebt haben.

 

Ungewisse Zukunft eines erfolgreichen Projekts

2008 rief das “Forum Helveticum” das Projekt Linguissimo ins Leben. Mit dem Ziel, Gräben aufzuschütten und die Kommunikation zwischen jungen fremdsprachigen Schweizer zu fördern. Jedes Jahr erscheint der Wettbewerb unter einem neuen Motto. In einer ersten Runde können 16 bis 20-Jährige einen Text in ihrer Muttersprache verfassen. Die 30 Gewinner kommen in die Endrunde, an deren Ende ein lukrativer Preis winkt. Das Finale findet, ganz im Sinne der Gleichstellung der vier nationalen Regionen, alljährlich in einem anderen fremdsprachlichen Teil der Schweiz statt. Im Jahr 2012 gastiert das Projekt bei den Rätoromanen.

 

Im nächsten Jahr wird die Pilotphase des Projektes abgeschlossen. Die Zukunft ist ungewiss. Linguissimo ist allgemein auf breite Akzeptanz gestossen, trotzdem sind die Teilnehmerzahlen noch bescheiden. “Die Hürde, bis man an unserem Wettbewerb teilnimmt, ist hoch”, meint dazu der Projektleiter Paolo Barbalan. Auch die Finanzierung (etwa durch grosszügige Sponsoren) steht noch auf wackligen Beinen.

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