Gesellschaft | 03.05.2011

Der Weg in die Arktis

Text von Christopher Barco | Bilder von zVg
Tag für Tag pure Anstrengung. Temperaturen bis -45 Grad, ein Schlitten mit etwa 80 Kilogramm Gewicht und eine tägliche Strecke von etwa 30 oder 40 Kilometern. So stelle ich mir meine Reise an den Nordpol vor. Mit diesen Gedanken trainiere ich fast täglich für unsere Nordpol Expedition mit Mike Horn zu.
Christopher Barco trainiert mit Luana Rebholz-Chaves, der zweiten Teilnehmerin aus der Schweiz.
Bild: zVg

Wie komme ich zu einer Nordpol-Expedition? Vor etwa zwei Jahren las ich in einem kleinen Artikel über Mike Horn, dass er mit Jugendlichen Expeditionen durchführt, auf denen er sie über Umweltprobleme aufklärt, sie für die Schönheit des Planeten sensibilisiert und dabei seine Erfahrungen und sein Wissen weitergibt. Somit erhalten Jugendliche aus aller Welt die einmalige Möglichkeit, einen spektakulären Ort auf eine sensationelle Art und Weise kennen zu lernen. Voller Begeisterung wollte ich mich schon damals bewerben. Doch da ich gerade meine Lehre angefangen habe, durfte ich nicht für solch eine lange Zeit fehlen. Als ich dann allerdings von einer Nordpol Expedition hörte, wusste ich, dass es genau das Richtige für mich ist.

 

Unter Gleichgesinnten

Nachdem ich im Internet zahlreiche Fragen beantwortet und ein Bewerbungsvideo von mir gemacht hatte, wurde ich aus etwa 500 Personen ausgewählt, um mit 15 anderen 17- bis 22-jährigen aus aller Welt an einem Auswahllager in Château-d’Š’x teilzunehmen. Im zehntägigen Selection Camp verbrachte ich die intensivsten und interessantesten Tage, die ich je hatte. Speziell war, dass die Teilnehmer von überall auf der Welt kamen: Neuseeland, Australien, China, Vietnam, Südafrika, Kanada, USA. Es war fantastisch zu sehen, wie Kulturen aus aller Welt zusammentrafen und wir uns alle trotzdem prächtig verstanden. Wir waren Gleichgesinnte und hatten das gleiche Ziel. Dadurch entwickelten sich in nur zehn Tagen aussergewöhnlich gute Freundschaften.

 

In diesen zehn Tagen wurden wir auf Herz und Nieren getestet. Von Liegestützen, Rumpfbeugen und Sprints über einen Zwölfminutenlauf hin, bis zu Flexibilitäts- und Balanceübungen waren alle möglichen Tests dabei, um zu sehen, ob wir den extremen Bedingungen am Nordpol standhalten können. Nebst den Tests gab es zahlreiche andere Aktivitäten. Wir liefen auf den nahe gelegenen Gletscher, um zu lernen, wie man Schneemessungen erstellt und Rettungen aus Gletscherspalten macht. Danach haben wir noch den Gipfel erstürmt.

 

Unterwegs mit einem Reifen

Das zehntägige Selection Camp ist eines meiner besten Erlebnisse. Ich bin sehr glücklich, dass ich daran teilnehmen durfte und kann es kaum glauben, dass ich zu den sieben Jugendlichen gehöre, die an den Nordpol dürfen.

 

Um mich vor allem körperlich darauf vorzubereiten, gehe ich mit einem Reifen laufen. Da wir auf der Expedition einen bis zu 80 Kilogramm schweren Schlitten ziehen werden, sollten wir vor allem die entsprechende Muskelgruppe trainieren. Die Leute, denen man im Wald begegnet, verstehen die Welt nicht mehr, wenn man mit einem Reifen laufen geht. Sie ziehen komische Gesichter, ich mach mir einen Spass daraus. Sie dürfen ja auch nicht an den Nordpol reisen.

 

Am 27. April ging die Expedition los. Aktuelle Informationen zur Expedition findet man unter mikehorn.com. Für Tink.ch blickt Christopher nach seiner Rückkehr noch einmal auf sein Abenteuer zurück.

Links